Häufige Moderationsfehler beim Delegation Poker – Delegation Poker ist ein wirkungsvolles Werkzeug, um Entscheidungsbefugnisse in Teams transparent zu machen und echte Delegation zu stärken. In der Praxis scheitern viele Runden jedoch daran, dass die Moderation unsauber ist: Diskussionen verlaufen im Sande, Ergebnisse bleiben vage oder erzeugen neue Konflikte. Dieser Beitrag zeigt die häufigsten Moderationsfehler beim Delegation Poker – und wie Sie sie vermeiden. So holen Sie als Führungskraft, Projektmanager oder Moderator den größtmöglichen Nutzen aus diesem Format und machen Delegation Poker zu einem Hebel für Klarheit, Vertrauen und Selbstorganisation.

Kurzüberblick: Was ist Delegation Poker?
Delegation Poker ist ein strukturiertes Workshop-Format, mit dem Teams klären, wer in welcher Situation wie weitreichende Entscheidungen treffen darf. Grundlage ist meist ein 7-stufiges Delegation-Board (von „Führungskraft entscheidet allein“ bis „Team entscheidet allein“).
Kurzdefinition:
Delegation Poker ist ein Moderationsformat, bei dem Teammitglieder anhand von Delegationskarten spielerisch abstimmen, auf welcher Ebene Entscheidungen getroffen werden sollen, um Verantwortlichkeiten transparent und gemeinsam vereinbart festzulegen.
Typische Ziele von Delegation Poker:
- Transparenz über Entscheidungsbefugnisse schaffen
- Erwartungen zwischen Führungskraft und Team klären
- Mikromanagement reduzieren
- Selbstorganisation und Eigenverantwortung stärken
- Konflikte über Entscheidungen vorbeugen
Damit diese Ziele erreicht werden, ist eine professionelle Moderation entscheidend. Genau hier passieren in der Praxis die meisten Fehler.
Warum gute Moderation beim Delegation Poker entscheidend ist
Delegation Poker wirkt auf mehreren Ebenen: strukturell, kulturell und emotional. Schlechte Moderation verwässert den Effekt – oder verschärft bestehende Spannungen.
Gute Moderation sorgt dafür, dass
- der Zweck der Übung allen klar ist
- sich alle Beteiligten sicher genug fühlen, offen zu sprechen
- die Diskussion fokussiert bleibt
- Entscheidungen nachvollziehbar dokumentiert werden
- aus den Ergebnissen konkrete Vereinbarungen entstehen
Fehler in der Moderation führen dagegen häufig dazu, dass
- Delegation Poker als „Spielerei“ abgetan wird
- unausgesprochene Konflikte verstärkt werden
- Führungskräfte sich bloßgestellt fühlen
- das Team das Format nicht mehr ernst nimmt
- die Ergebnisse im Alltag verpuffen
Um genau das zu verhindern, lohnt sich ein genauer Blick auf typische Stolperfallen.
Die 10 häufigsten Moderationsfehler beim Delegation Poker
1. Unklare Zielsetzung für die Delegation-Poker-Session
Ein verbreiteter Moderationsfehler: Die Runde startet direkt mit Karten und Beispielen, ohne dass klar ist, wofür das Team Delegation Poker überhaupt nutzt.
Typische Symptome:
- Teilnehmer fragen: „Warum machen wir das?“
- Widerstand („Wir entscheiden doch schon…“)
- Erwartungen gehen auseinander (Kultur-Workshop vs. schnelle Klärung einzelner Themen)
So vermeiden Sie den Fehler:
- Formulieren Sie zu Beginn 1–3 konkrete Ziele, z. B.:
- „Wir wollen klären, welche Entscheidungen im Projekt X das Team allein treffen darf.“
- „Wir wollen Transparenz über die Rolle der Teamleitung in Budgetfragen schaffen.“
- Stellen Sie klar, was heute entschieden wird – und was nicht.
- Verankern Sie das Format im Kontext: aktuelle Spannungen, Wachstum des Teams, neue Strategie etc.
2. Delegationsstufen und Spielregeln werden nicht sauber erklärt
Ohne klare Erklärung der Delegationsstufen wird Delegation Poker schnell zu einem Ratespiel. Unterschiedliche Interpretationen führen zu Missverständnissen und frustrierten Diskussionen.
Typische Probleme:
- Teilnehmer verstehen die Stufen 1–7 unterschiedlich
- „Zustimmung“ bedeutet für einige eine Empfehlung, für andere ein Vetorecht
- Spielmechanik (Karten wählen, aufdecken, diskutieren) ist unklar
So vermeiden Sie den Fehler:
- Erläutern Sie alle Delegationsstufen in eigenen Worten und mit Beispielen aus dem Umfeld der Teilnehmer.
- Nutzen Sie ein Visual (Flipchart, Miro-Board, Delegation Board), auf dem alle Stufen jederzeit sichtbar sind.
- Erklären Sie das Vorgehen Schritt für Schritt:
- Moderator erklärt Entscheidungssituation
- Alle wählen still eine Karte
- Gemeinsames Aufdecken
- Diskussion der Abweichungen
- Gemeinsame Festlegung der Delegationsstufe
- Machen Sie ein Probe-Thema („Test-Runde“), damit alle Mechanismen verstanden sind, bevor es ans Eingemachte geht.
3. Falsche oder unvollständige Teilnehmerzusammenstellung
Delegation Poker ohne die richtigen Personen im Raum führt zu Scheinentscheidungen. Wenn die eigentlichen Entscheider nicht teilnehmen, verpufft der Effekt.
Typische Konstellationen:
- Nur das Team, aber ohne Führungskraft, die Entscheidungen formal verantwortet
- Nur Führungskräfte, ohne die betroffenen Fachkräfte
- „Vertreter“ ohne echte Entscheidungskompetenz
So vermeiden Sie den Fehler:
- Klären Sie vorab: Für welche Entscheidungen wollen wir Delegation Poker nutzen?
- Laden Sie gezielt ein:
- Formale Entscheider (z. B. Linienvorgesetzte, Product Owner)
- Praktische „Entscheidungs-Umsetzer“ (z. B. Projektteam, Fachexperten)
- Halten Sie Rollen transparent: Wer ist Auftraggeber der Runde, wer Moderator, wer Betroffener?
- Stellen Sie sicher, dass Entscheidungen aus der Session verbindlich sind – oder klar als Vorschlag an eine höhere Ebene markiert werden.
4. Entscheidungssituationen sind zu vage formuliert
Delegation Poker lebt von konkreten Entscheidungssituationen („Delegation Topics“). Sind diese zu abstrakt, diskutiert das Team aneinander vorbei.
Beispiele für schlechte Formulierungen:
- „Personal“
- „Budget“
- „Strategie“
Diese Begriffe sind zu breit und werden sehr unterschiedlich verstanden.
So vermeiden Sie den Fehler:
- Formulieren Sie konkrete Szenarien, z. B.:
- „Einstellung eines neuen Teammitglieds im Projekt X“
- „Freigabe von Investitionen über 20.000 € im Bereich Y“
- „Änderung der Sprint-Ziele während des laufenden Sprints“
- Arbeiten Sie mit Kriterien: Schwellenwerte (Betrag, Risiko), Häufigkeit, Auswirkungen.
- Prüfen Sie vorab mit 1–2 Schlüsselpersonen, ob die Topics verständlich und relevant sind.
5. Diskussionen laufen aus dem Ruder und werden nicht fokussiert
Ohne klare Moderation werden Themen zu Grundsatzdebatten über Führung, Kultur oder Vergangenheitsbewältigung. Wichtig, aber selten das Ziel der Session.
Typische Anzeichen:
- Lange Monologe, kaum Struktur
- Viele Seitenthemen („Früher war das bei uns immer so…“)
- Zeitdruck am Ende, weil zu viel Raum für einzelne Entscheidungen draufging
So vermeiden Sie den Fehler:
- Arbeiten Sie mit Timeboxes pro Entscheidungsfall (z. B. 10–15 Minuten).
- Fokussieren Sie auf Unterschiede in den Kartenwerten: Warum hat jemand 2 statt 5 gespielt?
- Nutzen Sie strukturierende Fragen:
- „Was wäre der schlimmste Fall, wenn das Team allein entscheidet?“
- „Welchen Mehrwert bringt es, wenn die Führungskraft eingebunden bleibt?“
- Parken Sie Meta-Themen auf einem „Parking Lot“ und vereinbaren Sie, wann und wie sie separat bearbeitet werden.
6. Dominante Personen bestimmen das Ergebnis
Ein klassischer Moderationsfehler: Lautstarke oder hierarchisch höher gestellte Personen setzen sich durch, während andere innerlich aussteigen. Delegation Poker verfehlt dann sein Ziel, Beteiligung zu fördern.
Typische Muster:
- Führungskraft spricht zuerst und prägt die Meinungen.
- Introvertierte oder neue Teammitglieder kommen kaum zu Wort.
- „Wir machen das wie immer“ wird nicht hinterfragt.
So vermeiden Sie den Fehler:
- Lassen Sie zuerst alle Karten verdeckt auswählen, dann gleichzeitig aufdecken. So werden Unterschiede sichtbar, bevor jemand erklärt.
- Geben Sie gezielt leisen Stimmen das Wort, zum Beispiel durch eine strukturierte Runde: Jeder sagt kurz, warum er eine bestimmte Stufe gewählt hat.
- Bitten Sie die Führungskraft explizit, zunächst zuzuhören, bevor sie ihre Sicht erläutert.
- Betonen Sie, dass Abweichungen wertvoll sind, um blinde Flecken zu erkennen.
7. Der Moderator ist nicht neutral
Wenn die moderierende Person selbst stark betroffen ist (z. B. Teamleiter, Product Owner) und gleichzeitig ihre eigene Agenda verfolgt, leidet die Qualität der Ergebnisse.
Risiken:
- Moderator lenkt subtil in eine gewünschte Richtung.
- Kritische Einwände werden verkürzt oder umgedeutet.
- Teilnehmer passen sich der vermuteten Erwartung an.
So vermeiden Sie den Fehler:
- Trennen Sie konsequent die Rollen:
- Moderator: Prozessverantwortung, neutral
- Inhaltliche Beteiligte: bringen ihre Sicht ein
- Falls der Teamleiter moderiert:
- Offen legen, wann er aus der Moderatorrolle in die Teilnehmerrolle wechselt.
- Klare Spielregel: „Inhaltlich habe ich eine Meinung wie ihr, moderativ achte ich auf Fairness.“
- Erwägen Sie bei sensiblen Themen eine externe Moderation (z. B. Organisationsentwickler, agile Coach oder externe Berater).
8. Ergebnisse werden nicht klar dokumentiert
Ein häufiger Fehler: Die Gruppe hat gefühlt viel geklärt, aber nach dem Workshop weiß niemand mehr genau, was vereinbart wurde. Oder die Ergebnisse bleiben in schwer auffindbaren Notizen versteckt.
Folgen:
- Unterschiedliche Erinnerungen („Ich dachte, wir dürfen das entscheiden…“)
- Unsicherheit im Alltag
- Wiederkehrende Diskussionen über die gleichen Themen
So vermeiden Sie den Fehler:
- Visualisieren Sie jede beschlossene Delegationsstufe direkt am Delegation Board.
- Halten Sie für jede Entscheidungssituation mindestens fest:
- Kurzbeschreibung der Entscheidung
- Vereinbarte Delegationsstufe
- Eventuelle Bedingungen („bis Betrag X“, „nur in Projekt Y“)
- Fotografieren Sie das Ergebnisboard und überführen Sie es in ein leicht zugängliches Artefakt (z. B. Confluence-Seite, Team-Sharepoint, Miro-Board).
- Stellen Sie sicher, dass alle Beteiligten Zugriff haben und wissen, wo die Vereinbarungen dokumentiert sind.
9. Keine Übersetzung der Ergebnisse in den Arbeitsalltag
Selbst die beste Delegation-Poker-Session bringt wenig, wenn die Erkenntnisse im Tagesgeschäft nicht gelebt werden.
Typische Lücken:
- Vereinbarte Delegationsstufen werden im Stress ignoriert.
- Neue Teammitglieder kennen die Absprachen nicht.
- Es gibt keine Rückkopplung, ob die getroffenen Vereinbarungen funktionieren.
So vermeiden Sie den Fehler:
- Verknüpfen Sie die Ergebnisse mit konkreten Arbeitsprozessen, z. B.:
- Wie fließen die Delegationsstufen in Projektentscheidungen ein?
- Wie werden sie in Meetings, Freigabeprozessen oder Tools abgebildet?
- Machen Sie Delegation zu einem wiederkehrenden Thema in Retrospektiven oder Team-Meetings („Was hat bei Entscheidungen gut funktioniert, was nicht?“).
- Passen Sie bei Bedarf Delegationsstufen an, wenn sich Rahmenbedingungen ändern – Delegation ist kein statisches Konstrukt.
10. Delegation Poker als einmalige Aktion statt als Lernprozess verstehen
Viele Organisationen führen Delegation Poker einmal durch, haken das Thema ab und erwarten dauerhafte Wirkung. Doch Delegation ist kein statischer Zustand, sondern entwickelt sich mit Team, Geschäft und Rahmenbedingungen.
Typische Risiken:
- Alte Entscheidungsmuster schleichen sich nach einiger Zeit wieder ein
- Neue Projekte, Rollen oder organisatorische Veränderungen machen alte Vereinbarungen teilweise obsolet
- Das Team nimmt das Format nicht ernst, weil es nie wieder aufgegriffen wird
- Führungskräfte und Mitarbeitende erhalten keine Chance, ihre Komfortzone in kleinen Schritten zu erweitern
So vermeiden Sie den Fehler:
- Verstehen Sie Delegation Poker als iteratives Format:
- Regelmäßige „Delegation Reviews“ (z. B. halbjährlich)
- Zusätzliche Runden bei größeren Veränderungen (neue Führungskraft, Reorganisation, neue Produktlinie)
- Beginnen Sie bewusst mit beherrschbaren Schritten:
- Zuerst in risikoärmeren Themen mehr Delegation wagen
- Positive Erfahrungen sichtbar machen und reflektieren
- Kombinieren Sie Delegation Poker mit anderen Formaten, etwa:
- Retrospektiven im agilen Umfeld
- Rollen-Workshops
- Führungsentwicklungsprogrammen
- Messen Sie Fortschritt anhand weniger, aber klarer Indikatoren, etwa:
- Wie viele Entscheidungen können heute vom Team eigenständig getroffen werden?
- Wie häufig müssen Entscheidungen eskaliert werden?
- Wie bewerten Team und Führungskraft die Klarheit von Verantwortlichkeiten?
Fazit Häufige Moderationsfehler beim Delegation Poker: Delegation Poker wirksam machen – durch saubere Moderation
Delegation Poker ist weit mehr als ein „Spiel“: Richtig eingesetzt, macht es Entscheidungswege sichtbar, fördert Vertrauen und schafft die Grundlage für echte Selbstorganisation. In der Praxis scheitern viele Versuche jedoch nicht am Format selbst, sondern an typischen Moderationsfehlern – von unklaren Zielen über schlecht gewählte Teilnehmer bis hin zu fehlender Umsetzung im Alltag.
Wenn Sie
- Ziele und Rahmen sauber klären,
- Delegationsstufen und Spielregeln verständlich vermitteln,
- neutral und strukturiert moderieren,
- Ergebnisse klar dokumentieren und in Prozesse überführen
- und Delegation Poker als kontinuierlichen Lernprozess verstehen,
wird das Format zu einem wirksamen Instrument Ihrer Führungs- und Teamarbeit – statt zu einer einmaligen Workshop-Erfahrung ohne nachhaltigen Effekt.
Wenn Sie Delegation Poker in Ihrem Unternehmen gezielt einführen oder bestehende Moderationsformate professionalisieren möchten, kann eine externe Begleitung helfen, blinde Flecken zu vermeiden und schneller zu belastbaren Ergebnissen zu kommen. Die Beraterinnen und Berater der PURE Consultant unterstützen Sie dabei, das passende Setup zu wählen, Sessions wirkungsvoll zu moderieren und Delegationsregeln so zu verankern, dass sie im Alltag tatsächlich gelebt werden.