Hackman vs. Delegation Poker

Hackman vs. Delegation Poker – In vielen Organisationen laufen agile Transformation, neue Projektmodelle und mehr Eigenverantwortung parallel – und trotzdem bleiben Teams hinter ihren Möglichkeiten zurück. Mal fehlt die Klarheit, wie Entscheidungen getroffen werden sollen, mal ist unklar, was Führungskräfte wirklich loslassen können. Genau hier setzen zwei sehr unterschiedliche Ansätze an: das Hackman‑Modell für Teamwirksamkeit und Delegation Poker als praktisches Werkzeug für Entscheidungsdelegation. In diesem Artikel erfahren Sie, wie beide Konzepte funktionieren, worin sie sich unterscheiden, wie sie sich ergänzen – und wie Sie sie konkret in Projekten, Führungsteams und agilen Settings einsetzen können.

Hackman vs. Delegation Poker
Hackman vs. Delegation Poker

1. Warum „Hackman vs. Delegation Poker“ überhaupt relevant ist

Führung und Zusammenarbeit verändern sich in Richtung:

In der Praxis tauchen dabei immer wieder ähnliche Fragen auf:

Hackman vs. Delegation Poker ist keine Entweder-oder-Entscheidung, sondern ein Vergleich zweier Werkzeuge für dieselbe Zielrichtung: leistungsfähige, verantwortungsvolle Teams. Das Hackman‑Modell bietet einen Rahmen für Teamwirksamkeit, Delegation Poker macht Delegationsgrade in der täglichen Zusammenarbeit konkret und verhandelbar.


2. Was ist das Hackman‑Modell? – Kurz erklärt

Der Organisationspsychologe J. Richard Hackman hat erforscht, unter welchen Bedingungen Teams dauerhaft leistungsfähig sind. Sein Modell der Teamwirksamkeit beschreibt einige zentrale Voraussetzungen für erfolgreiche Teamarbeit.

Kurzdefinition:
Das Hackman‑Modell ist ein Rahmenwerk für Teamarbeit, das beschreibt, welche strukturellen und kontextuellen Bedingungen erfüllt sein müssen, damit Teams dauerhaft effektiv, zufrieden und lernfähig arbeiten können.

Kernidee: Gute Teamleistung ist nicht nur eine Frage individueller Fähigkeiten, sondern vor allem eine Frage der Rahmenbedingungen, die Führung und Organisation bereitstellen.

Typische Elemente des Hackman‑Modells (in der verbreiteten Fassung):

Das Modell hilft Führungskräften, systematisch auf die Bedingungen von Teamarbeit zu schauen, statt nur an Symptomen (z. B. „die Leute sind nicht motiviert“) herumzudoktern.


3. Was ist Delegation Poker? – Kurz erklärt

Delegation Poker stammt aus dem Management‑3.0‑Ansatz und ist ein Moderationsspiel, mit dem Teams und Führungskräfte klären, auf welcher Ebene Entscheidungen getroffen werden sollen.

Kurzdefinition:
Delegation Poker ist ein Kartenspiel zur Klärung von Entscheidungsbefugnissen. Mithilfe von sieben Delegationsstufen machen Teams transparent, wer bei welchen Themen entscheidet – von reiner Anweisung bis zur vollständigen Selbstorganisation.

Die sieben klassischen Delegationsstufen (Delegation Levels):

  1. Tell – Ich entscheide als Führungskraft und teile die Entscheidung mit.
  2. Sell – Ich entscheide, erkläre aber meine Gründe und werbe um Akzeptanz.
  3. Consult – Ich hole Feedback und Meinungen ein, entscheide aber selbst.
  4. Agree – Wir treffen die Entscheidung gemeinsam als Gruppe.
  5. Advise – Das Team entscheidet, ich gebe vorab Rat oder Hinweise.
  6. Inquire – Das Team entscheidet, ich frage im Nachgang nach, um zu lernen.
  7. Delegate – Das Team entscheidet komplett eigenständig, ohne meine Einmischung.

Typischer Ablauf: Das Team definiert konkrete Entscheidungssituationen (z. B. „Personaleinsatz im Projekt“, „Technologieauswahl“, „Budgetpriorisierung“), spielt für jedes Thema eine Karte und diskutiert, welche Delegationsstufe künftig gelten soll.


4. Hackman vs. Delegation Poker: Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Obwohl sie aus verschiedenen Welten stammen, adressieren beide Ansätze ähnliche Themen: Verantwortung, Klarheit und Wirksamkeit in Teams.

4.1 Gemeinsamkeiten

Beide Konzepte …

4.2 Zentrale Unterschiede

AspektHackman-ModellDelegation Poker
FokusTeamwirksamkeit insgesamtEntscheidungsdelegation
AbstraktionsgradRahmenwerk / Modellkonkretes Praxis-Tool / Workshop-Format
Zeithorizontmittel- bis langfristigkurzfristig einsetzbar, wiederholbar
AnwendungDiagnose, (Re‑)Design von TeamsKlärung einzelner Entscheidungsbereiche
UrsprungOrganisationspsychologie, ForschungAgile Leadership, Management 3.0
Typische Fragen„Was braucht dieses Team, um erfolgreich zu sein?“„Wer entscheidet was, und auf welcher Stufe?“

Kurz gesagt:


5. Welches Modell wofür? Typische Anwendungsszenarien

Viele Führungskräfte stellen sich Fragen wie:

5.1 Wann das Hackman‑Modell sinnvoll ist

Setzen Sie auf Hackman, wenn Sie …

Typische Fälle:

5.2 Wann Delegation Poker besonders wirkt

Delegation Poker lohnt sich, wenn Sie …

Typische Themen für Delegation Poker:


6. Hackman-Modell in der Praxis anwenden: Schritt für Schritt

Wie setzen Sie das Hackman‑Modell konkret im Projekt- oder Linienkontext um?

6.1 Diagnose: Wo steht das Team?

Starten Sie mit einer strukturierten Bestandsaufnahme:

Idealerweise führen Sie diese Diagnose gemeinsam mit dem Team durch, z. B. in einem Workshop.

6.2 Gestaltung: Bedingungen verbessern

Anschließend leiten Sie aus den Erkenntnissen konkrete Maßnahmen ab:

6.3 Kontinuierliche Reflexion

Das Hackman‑Modell ist kein Einmal‑Workshop, sondern ein Referenzrahmen für laufende Steuerung. Sinnvoll sind:


7. Delegation Poker durchführen: Praxisleitfaden

Delegation Poker ist deutlich handlungsnäher. So können Sie es im Team anwenden.

7.1 Vorbereitung

7.2 Ablauf einer Delegation-Poker-Runde

Für jedes Thema:

  1. Thema erläutern
    • z. B. „Auswahl neuer Tools im Projekt“
  2. Jede Person wählt eine Karte (1–7)
    • ohne sich vorher abzusprechen
  3. Alle decken gleichzeitig auf
    • Unterschiede werden sichtbar
  4. Diskussion
    • Warum wählen manche eine niedrige, andere eine hohe Delegationsstufe?
    • Welche Risiken, Chancen und Erwartungen stehen dahinter?
  5. Einigung auf eine Delegationsstufe
    • Konsens oder ausreichend tragfähiger Kompromiss
  6. Dokumentation
    • Überführung in ein Delegation Board (Thema + vereinbarte Stufe)

7.3 Nachbereitung


8. Wie sich Hackman-Modell und Delegation Poker sinnvoll kombinieren lassen

Statt „Hackman vs. Delegation Poker“ hilft in der Praxis eher die Frage: In welcher Reihenfolge und Kombination sind beide hilfreich?

Eine sinnvolle Vor­gehensweise:

  1. Mit dem Hackman‑Modell die Rahmenbedingungen prüfen
    • Ist das Team überhaupt als „echtes Team“ aufgestellt?
    • Gibt es klare Ziele und Rollen, die Delegation ermöglichen?
  2. Delegation Poker nutzen, um Entscheidungsbefugnisse zu klären
    • Auf Basis der geklärten Ziele nun bewusst verteilen:
      • Welche Entscheidungen behält die Führungsebene?
      • Wo entscheidet das Team selbst?
  3. Ergebnisse im Teamdesign verankern
    • Delegationsvereinbarungen in Rollenbeschreibungen, Arbeitsabsprachen, Governance-Dokumenten festhalten
  4. Regelmäßige Überprüfung
    • Mit Hackman‑Kriterien prüfen: Verbessert die geänderte Delegation Teamleistung und Zufriedenheit?
    • Mit wiederholten Delegation-Poker-Sessions Delegationsstufen schrittweise anpassen.

So wird aus zwei scheinbar konkurrierenden Ansätzen ein integriertes Führungsverständnis:


9. Typische Fehler und Missverständnisse – und wie Sie sie vermeiden

9.1 Hackman-Modell

Häufige Fallstricke:

Vermeidung:

9.2 Delegation Poker

Häufige Fallstricke:

Vermeidung:


10. Praxisbeispiele: Wie der Einsatz konkret aussehen kann

10.1 Projektorganisation in einem IT-Unternehmen

Ausgangslage:

Vorgehen:

  1. Mit Hackman‑Kriterien Teamzuschnitt, Ziele und Rollen geklärt.
  2. Pro Team Delegation Poker für typische Themen:
    • Priorisierung von Features
    • technische Architekturentscheidungen
    • Umgang mit Produktionsstörungen

Ergebnis:

10.2 Führungsteam in einer klassischen Linie

Ausgangslage:

Vorgehen:

  1. Hackman‑Analyse des Führungsteams als „Team auf der Leitungsebene“.
  2. Delegation Poker zu Themen wie:
    • Genehmigung von Weiterbildungen
    • Besetzung von Schlüsselpositionen
    • Budget für kleine Investitionen

Ergebnis:


11. Fazit: Wie Sie „Hackman vs. Delegation Poker“ für Ihre Organisation nutzen

Beide Ansätze adressieren unterschiedliche Ebenen, haben aber ein gemeinsames Ziel: leistungsfähige, selbstverantwortliche Teams.

Kernbotschaften:

Wenn Sie vor der Herausforderung stehen, Teamstrukturen neu zu gestalten, Entscheidungsprozesse zu klären oder agile Arbeitsweisen mit klarer Führung zu verbinden, lohnt sich ein externer Blick. Eine spezialisierte Beratung wie die PURE Consultant kann Sie dabei unterstützen, das Hackman‑Modell und Delegation Poker passgenau für Ihre Organisation zu adaptieren, Workshops zu moderieren und nachhaltige Entscheidungsstrukturen aufzubauen.

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