SAFe erklärt: Definition, Ziel & Überblick

SAFe erklärt: Definition, Ziel & Überblick – Agile Methoden haben sich in vielen Unternehmen durchgesetzt, doch sobald mehrere Teams, Abteilungen oder sogar ganze Geschäftsbereiche zusammenarbeiten müssen, stoßen Scrum & Co. schnell an Grenzen. Genau hier setzt SAFe an – das Scaled Agile Framework. In diesem Artikel erhältst du einen fundierten Überblick: Was ist SAFe, welche Ziele verfolgt es, wie ist es aufgebaut und wann lohnt sich der Einsatz wirklich?

SAFe erklärt: Definition, Ziel & Überblick
SAFe erklärt: Definition, Ziel & Überblick

Was ist SAFe?

SAFe (Scaled Agile Framework) ist ein Rahmenwerk, das agile Arbeitsweisen auf große Organisationen skaliert. Es verbindet Prinzipien aus Lean, Agile und System Thinking, sodass nicht nur einzelne Teams, sondern ganze Wertströme koordiniert und fokussiert auf Business-Ziele zusammenarbeiten.

Im Kern beantwortet SAFe drei zentrale Fragen:

  1. Wie richten wir viele Teams auf gemeinsame Ziele aus?
  2. Wie synchronisieren wir Planung, Umsetzung und Lieferung über Bereiche hinweg?
  3. Wie verbinden wir Strategie, Portfolio und tägliche Arbeit?

SAFe liefert dafür eine Sammlung von Rollen, Events, Artefakten und Prinzipien, die ein Unternehmen anpassen kann, statt sie starr zu übernehmen.

Kurzer Hintergrund

SAFe entstand aus der Beobachtung, dass klassische Organisationsstrukturen zwar stabil wirken, aber Innovation und Time-to-Market bremsen. Einzelne agile Teams liefern zwar schnell, doch ohne abgestimmten Rahmen entsteht:

Das Framework wurde entwickelt, um genau diese Lücke zu schließen und gleichzeitig die Vorteile agiler Methoden zu bewahren.

Die Grundidee von SAFe

Die Grundidee von SAFe lässt sich in einem Satz zusammenfassen:

Strategische Ziele und tägliche Arbeit werden kontinuierlich miteinander verbunden.

Dafür bietet SAFe:

So entsteht ein „Betriebssystem“ für agile Organisationen, das Planung, Umsetzung und Lernen aufeinander abstimmt.


Ziele und Nutzen von SAFe

SAFe hat mehrere, eng miteinander verknüpfte Ziele. Damit du besser beurteilen kannst, ob das Framework zu deinem Kontext passt, lohnt sich ein Blick auf die wichtigsten Zielsetzungen.

Strategische Ziele von SAFe

SAFe verfolgt vor allem folgende strategische Ziele:

Operative Vorteile von SAFe

Auf operativer Ebene zeigt sich der Nutzen von SAFe vor allem in diesen Punkten:


Zentrale Elemente des SAFe Frameworks

SAFe wirkt auf den ersten Blick komplex, doch der Kern lässt sich gut gliedern. Im Wesentlichen arbeitet das Framework mit Ebenen, Rollen, Events und Artefakten.

Ebenen in SAFe

Je nach Konfiguration unterscheidet SAFe verschiedene Ebenen, die zusammen den Weg von der Strategie bis zur Umsetzung abdecken:

  1. Team-Ebene
    • Scrum- oder Kanban-Teams
    • Lieferung von User Stories und kleineren Inkrementen
    • Fokus: technische Umsetzung und Qualität
  2. Program-/ART-Ebene
    • Agile Release Train (ca. 5–12 Teams)
    • Lieferung von Features über Teamgrenzen hinweg
    • Fokus: Koordination, Integration, systemische Sicht
  3. Solution-Ebene (bei sehr großen Lösungen)
    • Koordination mehrerer ARTs, die zusammen eine große Lösung liefern
    • Fokus: komplexe, oft technisch anspruchsvolle Systeme
  4. Portfolio-Ebene
    • Strategische Ausrichtung und Investitionsentscheidungen
    • Epics, Value Streams, Lean Portfolio Management
    • Fokus: Business-Agilität und Wertschöpfung im großen Maßstab

In der Praxis wählen Unternehmen eine passende Konfiguration (z. B. „Essential SAFe“), statt alle Ebenen maximal auszubauen.

Rollen im Überblick

SAFe definiert eine Reihe von Rollen, die Verantwortung klar zuordnen sollen. Zu den wichtigsten gehören:

Die Rollen sind bewusst klar beschrieben, damit Verantwortlichkeiten nicht verschwimmen und Entscheidungen nicht „zwischen den Stühlen“ hängen bleiben.

Ereignisse und Artefakte

SAFe nutzt wiederkehrende Events und zentrale Artefakte, um Struktur und Transparenz zu schaffen.

Wichtige Events:

Zentrale Artefakte:


Wie SAFe in der Praxis funktioniert

Vom Portfolio zur Auslieferung

Um das Zusammenspiel besser zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf den Weg von der Idee bis zur Lieferung:

  1. Strategische Initiativen (Epics)
    Auf Portfolio-Ebene entstehen Epics, die eine größere Geschäftschance oder eine wesentliche Veränderung repräsentieren. Sie werden analysiert, wirtschaftlich bewertet und gegebenenfalls zur Umsetzung freigegeben.
  2. Übersetzung in Features
    Epics werden in Features heruntergebrochen, die ein klar erkennbares Kundenergebnis liefern. Diese Features landen im ART-Backlog und werden vom Product Management priorisiert.
  3. Planung im PI Planning
    Im PI Planning entscheiden Teams gemeinsam, welche Features sie im kommenden PI liefern können. Sie brechen die Features in User Stories herunter und schätzen den Aufwand.
  4. Umsetzung in Iterationen
    Die Teams arbeiten in Iterationen (z. B. zwei Wochen) an ihren Stories, liefern Inkremente aus und integrieren regelmäßig, sodass Probleme früh auffallen.
  5. Review, Inspektion und Anpassung
    Nach Abschluss des PIs werden Ergebnisse, Kennzahlen und Lernpunkte betrachtet. Auf dieser Basis werden die nächsten Prioritäten justiert.

So entsteht ein kontinuierlicher Zyklus aus Planen – Umsetzen – Lernen – Anpassen, der Strategie und operative Arbeit eng miteinander verbindet.

Beispielhafter Ablauf eines PI

Ein typischer PI-Zyklus könnte so aussehen:

Dieser Rhythmus schafft eine gemeinsame Taktung, die Planung vereinfacht und zugleich genug Flexibilität lässt, um auf neue Erkenntnisse zu reagieren.


Für wen eignet sich SAFe – und für wen nicht?

SAFe ist kein Allheilmittel. Damit das Framework Nutzen stiftet, sollte der Kontext passen.

Situationen, in denen SAFe sinnvoll ist

SAFe entfaltet vor allem dann Stärke, wenn:

Gerade in großen Organisationen bietet SAFe eine gemeinsame Sprache, die Fachbereiche, IT, Produktmanagement und Management zusammenbringt.

Situationen, in denen SAFe eher ungeeignet ist

Du solltest vorsichtig sein, wenn:

In solchen Fällen führt SAFe häufig zu mehr Bürokratie, ohne dass der eigentliche Mehrwert der agilen Arbeitsweise entsteht.


Häufige Fehler bei der Einführung von SAFe

Damit SAFe nicht zu einem teuren Etikettenschwindel verkommt, lohnt es sich, typische Stolperfallen zu kennen.

Typische Fehler sind zum Beispiel:

Wer diese Punkte bewusst adressiert, erhöht die Chance deutlich, dass SAFe tatsächlich Mehrwert liefert – statt nur zusätzlichen Overhead zu erzeugen.


Fazit SAFe erklärt: Definition, Ziel & Überblick: SAFe bewusst einsetzen

SAFe ist ein mächtiges Framework, das große Organisationen dabei unterstützt, agiler, fokussierter und kundenorientierter zu arbeiten. Es verknüpft strategische Ziele mit der täglichen Arbeit vieler Teams und schafft einen Rahmen, in dem Planung, Umsetzung und Lernen systematisch ineinandergreifen.

Damit SAFe sein Potenzial entfaltet, braucht es jedoch mehr als neue Rollen und zusätzliche Meetings:

Wenn diese Voraussetzungen gegeben sind, kann SAFe helfen, Silos aufzubrechen, Wertströme zu optimieren und die Organisation nachhaltig beweglicher zu machen.

Wenn du magst, können wir im nächsten Schritt konkret auf deinen Kontext eingehen: Wie viele Teams arbeiten an euren Produkten, und wo erlebst du aktuell die größten Abstimmungsprobleme?

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