RACI-Matrix erstellen – einfach erklärt – Eine neue Initiative startet, viele Stakeholder mischen mit – und nach wenigen Wochen ist unklar, wer was entscheidet, wer wirklich zuständig ist und warum alles an einer Person hängen bleibt. Genau hier hilft eine sauber erstellte RACI‑Matrix: Sie macht Rollen und Verantwortlichkeiten im Projekt glasklar und reduziert Reibungsverluste.
In diesem Beitrag erfahren Sie kompakt und praxisnah, wie Sie eine RACI‑Matrix erstellen, wo die typischen Fallstricke liegen und wie Sie das Modell in Projekten, Linienorganisation und Transformationen wirksam einsetzen. Mit Beispielen, Vorlagenlogik und konkreten Schritten, die Sie sofort anwenden können.
Was ist eine RACI-Matrix?
Eine RACI-Matrix ist ein einfaches Rollen- und Verantwortlichkeitsdiagramm.
Für jede Aufgabe wird festgelegt, wer:
- R – Responsible: die Arbeit ausführt
- A – Accountable: die Gesamtverantwortung trägt und final entscheidet
- C – Consulted: inhaltlich zu Rate gezogen wird
- I – Informed: informiert werden muss
So entsteht eine Übersicht: Zeilen sind Aufgaben, Spalten sind Rollen/Funktionen, in den Schnittpunkten stehen R, A, C oder I.
Wann lohnt es sich, eine RACI-Matrix zu erstellen?
Eine RACI-Matrix ist besonders hilfreich, wenn:
- Projekte viele Stakeholder haben (Fachbereiche, IT, externe Partner)
- es wiederkehrend Diskussionen gibt, „wer das eigentlich entscheidet“
- Übergaben zwischen Teams schlecht funktionieren
- neue Strukturen eingeführt werden (z. B. agile Teams, Shared Services)
- Governance-Anforderungen Klarheit über Zuständigkeiten verlangen
Typische Einsatzszenarien:
- Projekt- und Programmmanagement
- Prozesseinführungen (z. B. ITIL, ISO, QM-Prozesse)
- Produktentwicklung, Go‑to‑Market, Marketingkampagnen
- Organisations- und Transformationsprojekte
Die 4 Rollen im RACI-Modell – präzise abgegrenzt
Damit eine RACI-Matrix wirkt, braucht es klare Definitionen. Missverständnisse entstehen meist hier.
Responsible (R) – „Macher“
- Führt die Aufgabe operativ aus
- Kann eine oder mehrere Personen/Funktionen sein
- Liefert Ergebnisse an die verantwortliche Instanz (A)
Accountable (A) – „Inhaber der Aufgabe“
- Trägt die Gesamtverantwortung für Ergebnis und Qualität
- Gibt die finale Freigabe oder trifft die Entscheidung
- Sollte pro Aufgabe genau einmal vergeben sein (Single Point of Accountability)
Consulted (C) – „Sparringspartner mit Expertise“
- Wird aktiv eingebunden, bevor entschieden oder umgesetzt wird
- Bringt Fachwissen, Erfahrung oder Stakeholder-Perspektive ein
- Austausch erfolgt bidirektional (Dialog)
Informed (I) – „auf dem Laufenden gehalten“
- Erhält Informationen über Status, Entscheidungen und Ergebnisse
- Kein Mitspracherecht, aber betroffen vom Ergebnis
- Kommunikation ist unidirektional (Push-Information)
Kurzdefinition für schnelle Einordnung:
R = macht
A = verantwortet
C = berät
I = wird informiert
Vorbereitung: Voraussetzungen, bevor Sie eine RACI-Matrix erstellen
Bevor Sie direkt in Excel oder ein PM-Tool springen, sollten drei Dinge klar sein:
- Ziel und Scope klären
- Wofür erstellen Sie die RACI-Matrix? Projekt, Prozess, Programm?
- Wo beginnt und endet der betrachtete Bereich?
- Deliverables und Hauptaufgaben definieren
- Welche Ergebnisse müssen entstehen (z. B. „Anforderungsspezifikation freigegeben“, „Schnittstelle produktiv gesetzt“)?
- Welche groben Arbeitspakete gibt es entlang des Lebenszyklus?
- Rollen statt Namen definieren
- Arbeiten Sie mit Funktionen/Rollen (z. B. „Fachbereich Einkauf“, „Product Owner“, „CIO“), nicht primär mit Personennamen.
- Namen können sich ändern, Rollen sind stabiler und übertragbar.
Wenn diese Basis fehlt, wird die RACI-Matrix schnell zur Verhandlung über Personen – und nicht zu einem strukturierten Governance-Werkzeug.
Schritt-für-Schritt: RACI-Matrix erstellen
1. Aufgaben und Deliverables sammeln
Listen Sie zunächst alle relevanten Aufgaben und Ergebnisse auf. Bewährt hat sich eine grobe Prozess- oder Projektphasen-Logik, zum Beispiel:
- Initiierung
- Analyse und Design
- Umsetzung
- Test und Abnahme
- Rollout und Betrieb
Beispiele für Aufgabenzeilen:
- Projektauftrag erstellen
- Business Case prüfen und freigeben
- Anforderungen erheben
- Lösungskonzept erstellen
- System konfigurieren / entwickeln
- Integrationstest durchführen
- Nutzer schulen
- Go‑Live freigeben
- Betrieb übergeben
Tipp: Eher zu wenig als zu fein granulieren. Eine überdetaillierte Matrix wird unlesbar und nicht genutzt.
2. Rollen definieren und als Spalten anlegen
Identifizieren Sie die beteiligten Rollen/Funktionen. Typische Rollen in klassischen Projekten:
- Auftraggeber / Sponsor
- Lenkungsausschuss
- Projektleiter
- Fachbereich(e)
- IT‑Leitung
- Architektur / Security
- Testmanager
- Change Management / Kommunikation
- Betriebsorganisation / IT‑Betrieb
- externe Dienstleister
Diese Rollen bilden die Spalten Ihrer RACI-Matrix.
3. R, A, C und I zuweisen
Jetzt füllen Sie die Matrix zeilenweise.
Für jede Aufgabe:
- Festlegen, wer operativ umsetzt → R
- Festlegen, wer final verantwortlich zeichnet → A
- Überlegen, wer unbedingt einbezogen werden muss → C
- Entscheiden, wer informiert wird → I
Leitlinien:
- Pro Aufgabe genau ein A (Ausnahmen nur mit sehr guter Begründung)
- Mindestens ein R pro Aufgabe
- C und I bewusst sparsam vergeben, sonst entsteht Kommunikationsüberlast
- Rollen, die nichts mit der Aufgabe zu tun haben, bleiben bewusst leer
4. Matrix im Team validieren
Eine RACI-Matrix entfaltet nur Wirkung, wenn die Betroffenen sie mittragen.
- Ergebnisse mit Kernteam und Schlüssel-Stakeholdern durchgehen
- Unklare oder strittige Aufgaben diskutieren
- Doppelrollen und Graubereiche aufdecken
- Anpassungen dokumentieren und freigeben
Fragen, die in der Diskussion helfen:
- Ist klar, wer bei Eskalationen entscheidet (A)?
- Haben wir operative Umsetzung sinnvoll verteilt (R)?
- Ziehen wir die richtigen Personen rechtzeitig hinzu (C)?
- Wen informieren wir ggf. zu viel oder zu wenig (I)?
5. Veröffentlichung und Verankerung
Hängen Sie die RACI-Matrix nicht in der Schublade ab.
- Im Projektsteckbrief oder -handbuch verankern
- In Kick-offs und Onboardings vorstellen
- In relevanten Meetings darauf verweisen („Wer ist hier A für diese Entscheidung?“)
- Bei Änderungen der Organisation oder des Projekts aktualisieren
Konkretes Beispiel: Einfache RACI-Matrix im Projekt
Stellen wir uns ein mittleres IT‑Einführungsprojekt vor. Rollen:
- AG – Auftraggeber
- PL – Projektleiter
- FB – Fachbereich
- IT – IT‑Team
- TEST – Testmanager
- BETR – Betrieb/Support
Beispielhafte Zuordnung (auszugsweise, vereinfacht):
- Projektauftrag erstellen
- AG: A
- PL: R
- FB: C
- IT: C
- BETR: I
- Anforderungen erheben
- FB: R
- PL: A
- IT: C
- TEST: C
- AG: I
- Lösungskonzept erstellen
- IT: R
- PL: A
- FB: C
- BETR: C
- AG: I
- Integrationstest durchführen
- TEST: R
- PL: A
- IT: C
- FB: C
- BETR: I
- Go‑Live freigeben
- AG: A
- PL: R
- FB: C
- IT: C
- BETR: C
- Betrieb übernehmen
- BETR: R, A
- IT: C
- FB: I
- PL: I
Schon eine solche vereinfachte Darstellung bringt erfahrungsgemäß deutlich mehr Klarheit in Projekte.
Typische Fehler beim Erstellen einer RACI-Matrix – und wie Sie sie vermeiden
Viele RACI-Matrizen scheitern nicht an der Idee, sondern an der Umsetzung. Häufige Probleme:
1. Zu viele „A“ pro Aufgabe
Wenn mehrere Personen/Funktionen für dieselbe Aufgabe „Accountable“ sind, ist am Ende niemand wirklich verantwortlich.
Best Practice:
- Pro Aufgabe genau eine A‑Rolle
- Wenn mehrere Parteien unbedingt beteiligt sein müssen, verteilen Sie R und C; A bleibt einmalig.
2. Alles mit R, C und I vollstopfen
Wenn fast jede Rolle überall ein R, C oder I bekommt, verliert die Matrix ihren Nutzen.
Best Practice:
- Bewusst Leerstellen zulassen
- Nur relevante Rollen bezeichnen
- „Nice to know“-Informationen nicht automatisch mit I markieren
3. Aufgaben zu kleinteilig
Wenn jede Unteraufgabe eine eigene Zeile bekommt, entsteht ein Monster-Spreadsheet, das niemand pflegt.
Best Practice:
- Arbeit auf sinnvolle Deliverables und Kernaktivitäten aggregieren
- Detailarbeitspakete im Projektplan lassen, nicht in der RACI-Matrix
4. Personen statt Rollen
Personen wechseln, sind krank oder verlassen das Unternehmen. Eine personenorientierte RACI-Matrix altert schnell.
Best Practice:
- Strukturell denken: Funktionen, Rollen, Gremien als Spalten
- Ergänzend eine Zuordnungstabelle „Rolle → Person“ pflegen
5. RACI als reines „Doku-Artefakt“
Oft wird eine RACI-Matrix erstellt, weil ein Template es verlangt – und danach ignoriert.
Best Practice:
- RACI in Entscheidungsprozesse einbinden („Wer ist A?“)
- Regelmäßig aktualisieren, wenn sich Zuständigkeiten ändern
- Im Onboarding neuer Teammitglieder nutzen
Varianten und Alternativen zur klassischen RACI-Matrix
In der Praxis finden sich Abwandlungen, um bestimmte Aspekte stärker zu betonen:
- RASCI – ergänzt „S = Support“ (unterstützende Rolle neben R)
- RACI‑V – ergänzt „V = Verify“ (Qualitätssicherung/Abnahme)
- RACI‑O – ergänzt „O = Out of the Loop“ (bewusster Ausschluss)
Nutzen Sie Varianten nur, wenn der Mehrwert klar ist. Je komplexer die Legende, desto höher die Hürde für Akzeptanz und Anwendung.
Für viele Projekte genügt ein sauber aufgesetztes klassisches RACI völlig.
RACI-Matrix mit Excel, PowerPoint oder Tools erstellen
Sie brauchen kein Spezialtool, um eine RACI-Matrix zu erstellen. Drei pragmatische Ansätze:
1. Excel/Google Sheets
- Zeilen = Aufgaben/Deliverables
- Spalten = Rollen/Funktionen
- Zellen = R, A, C, I (optional farblich markieren)
Vorteile:
- Schnell erstellt, leicht teilbar
- Sortier- und Filterfunktionen
- Gut für laufende Pflege
2. PowerPoint/Visio
- Geeignet, wenn die Matrix eher zur Kommunikation in Präsentationen dienen soll
- Übersichtlich bei kleineren Matrices
- Eher statisch, weniger für permanente Pflege geeignet
3. Projektmanagement- und Kollaborationstools
Viele Tools (z. B. moderne PM‑Plattformen, Work-Management-Tools) bieten:
- Vorlagen für RACI
- Verknüpfung von Aufgaben mit Verantwortlichkeiten
- Rechte- und Benachrichtigungssystem auf Basis von RACI-Rollen
Wichtig: Tool folgt Methode, nicht umgekehrt. Erst Logik und Inhalt klären, dann das passende Werkzeug auswählen.
Best Practices: So machen Sie Ihre RACI-Matrix wirklich wirksam
1. Stakeholder früh einbinden
- RACI nicht im stillen Kämmerlein entwerfen
- Fachbereiche, IT, Governance-Funktionen aktiv beteiligen
- Feedbackrunden einplanen
2. RACI mit anderen Steuerungsinstrumenten verzahnen
- Projektauftrag / Charter: Verknüpfen Sie Rollen klar mit Projektzielen
- Organigramm: Abgleich, ob formale Linienverantwortung zu A/R‑Rollen passt
- Prozessdokumentation: RACI nahtlos an End-to-End-Prozesse anlehnen
3. Auf „Heatmaps“ achten
Wer hat in der Matrix besonders viele R oder A?
- Überlastete Rollen identifizieren
- Überverteilung von Verantwortung vermeiden
- Ggf. zusätzliche Ressourcen oder Delegationsregeln einführen
4. Entscheidungen explizit machen
Nutzen Sie RACI, um explizit zu definieren:
- Wer entscheidet was?
- Wo sind bestimmte Gremien (z. B. Lenkungsausschuss) A?
- Welche Entscheidungen verbleiben bewusst im Fachbereich?
Das reduziert ungeklärte Eskalationen und politikgetriebene Diskussionen.
5. Regelmäßig überprüfen
Spätestens bei:
- größeren Change Requests
- Reorganisation der beteiligten Bereiche
- Übergang von Projekt in Linie
sollten Sie die RACI-Matrix erneut ansehen und bei Bedarf aktualisieren.
RACI-Matrix in agilen Umgebungen: Widerspruch oder Ergänzung?
In agilen Kontexten mit Rollen wie Product Owner, Scrum Master, Entwicklungsteam wirkt eine RACI-Matrix auf den ersten Blick „zu klassisch“. Richtig eingesetzt, kann sie trotzdem Mehrwert schaffen:
- Schnittstelle agil – Linie: Wer verantwortet fachliche Priorisierung (PO), wer Ressourcenbereitstellung (Linie)?
- Governance und Compliance: Wer ist bei regulatorischen Themen A oder C?
- Mehrere Teams/Trains: Klarheit über teamübergreifende Abhängigkeiten und Freigaben
Beispiel: In einem skalierten agilen Umfeld kann eine schlanke RACI-Matrix helfen zu klären, wer bei Releases, Architekturentscheidungen oder Sicherheitsfreigaben entscheidet und wer nur informiert wird.
Wichtig: Die Matrix soll nicht das agile Rollenmodell aushebeln, sondern Transparenz über organisationale Verantwortlichkeiten schaffen.
Checkliste: Gute RACI-Matrix in 10 Minuten prüfen
Nutzen Sie diese Fragen für einen schnellen Qualitätscheck:
- Ist der Scope der Matrix klar begrenzt (Projekt, Prozess, Programm)?
- Sind die Aufgaben/Deliverables sinnvoll aggregiert, nicht zu grob und nicht zu fein?
- Arbeiten wir mit Rollen/Funktionen statt mit einzelnen Personennamen?
- Gibt es pro Aufgabe genau eine A‑Rolle?
- Hat jede Aufgabe mindestens eine R‑Rolle?
- Sind C und I bewusst und sparsam vergeben?
- Gibt es Rollen, die überlastet erscheinen (zu viele A oder R)?
- Ist die Matrix mit den wichtigsten Stakeholdern abgestimmt?
- Ist klar, wo die Matrix abgelegt und wie sie gepflegt wird?
- Wird sie aktiv genutzt (z. B. in Meetings, bei Eskalationen, in Onboardings)?
Wenn Sie die meisten Fragen mit „Ja“ beantworten, ist Ihre RACI-Matrix auf einem guten Weg.
Fazit: RACI-Matrix erstellen – klein im Aufwand, groß in der Wirkung
Eine RACI-Matrix ist kein Selbstzweck. Richtig eingesetzt, bewirkt sie:
- Klarheit über Zuständigkeiten und Entscheidungen
- Weniger Abstimmungsschleifen und Konflikte
- Bessere Steuerung komplexer Projekte und Prozesse
- Erhöhte Transparenz gegenüber Management und Stakeholdern
Der Aufwand bleibt überschaubar, wenn Sie strukturiert vorgehen:
- Scope, Ergebnisse und Rollen definieren
- Aufgaben und Deliverables auflisten
- R, A, C, I konsequent zuweisen
- Matrix im Team abstimmen
- Im Alltag anwenden und regelmäßig aktualisieren
Wenn Sie RACI nicht nur dokumentieren, sondern aktiv als Führungs- und Steuerungsinstrument nutzen, zahlt es direkt auf Ihre Projekt- und Transformationsziele ein.
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