Nutzen des Riemann-Thomann-Modells für Teamarbeit

Nutzen des Riemann-Thomann-Modells für Teamarbeit – In vielen Unternehmen laufen Projekte nicht an fehlender Fachkompetenz, sondern an Missverständnissen, Reibereien und verdeckten Konflikten im Team vorbei. Menschen arbeiten aneinander vorbei, Meetings drehen sich im Kreis, Entscheidungen dauern zu lange – obwohl alle eigentlich dasselbe Ziel haben. Das Riemann-Thomann-Modell bietet hier einen überraschend einfachen, aber sehr wirksamen Rahmen: Es macht grundlegende Bedürfnisse und Verhaltensmuster sichtbar, die Zusammenarbeit prägen – oft unbewusst. Wer den Nutzen des Riemann-Thomann-Modells für Teamarbeit versteht und gezielt einsetzt, kann Konflikte entschärfen, Rollen klarer fassen und Projekte deutlich stabiler zum Erfolg führen.

Nutzen des Riemann-Thomann-Modells für Teamarbeit
Nutzen des Riemann-Thomann-Modells für Teamarbeit

1. Was ist das Riemann-Thomann-Modell – kurz erklärt

Das Riemann-Thomann-Modell ist ein Persönlichkeits- und Beziehungsmodell, das auf den Arbeiten des Psychologen Fritz Riemann basiert und von Christoph Thomann für die Praxis weiterentwickelt wurde. Es beschreibt, welche Grundbedürfnisse Menschen in Beziehungen und Zusammenarbeit haben und wie sich diese in ihrem Verhalten zeigen.

Kurzdefinition:
Das Riemann-Thomann-Modell beschreibt persönliche Präferenzen entlang von vier Polen – Nähe, Distanz, Dauer (Stabilität) und Wechsel (Veränderung) – und hilft, typische Verhaltensmuster in Kommunikation, Führung und Teamarbeit besser zu verstehen.

Statt Menschen in starre Typen zu pressen, arbeitet das Modell mit Tendenzen: Jede Person bewegt sich zwischen diesen vier Grundausrichtungen, meist mit klaren Schwerpunkten.


2. Die vier Grundausrichtungen: Nähe, Distanz, Dauer, Wechsel

Für die praktische Teamarbeit ist es hilfreich, die vier Pole mit ihren Stärken, Risiken und typischen Missverständnissen zu kennen.

2.1 Nähe – der beziehungsorientierte Pol

Menschen mit starker Nähe-Präferenz…

Stärken in Teams:

Risiken bei Übertreibung:

Typisches Missverständnis: Nähe-orientierte Personen gelten als „zu emotional“ oder „nicht sachlich genug“, obwohl sie häufig die soziale Stabilität sichern, von der Projekte profitieren.


2.2 Distanz – der sach- und autonomieorientierte Pol

Menschen mit Distanz-Präferenz…

Stärken in Teams:

Risiken bei Übertreibung:

Typisches Missverständnis: Distanz-orientierte Personen werden als arrogant oder unsozial wahrgenommen, obwohl sie oft einfach nur konzentriert und unabhängig arbeiten möchten.


2.3 Dauer – der stabilitätsorientierte Pol

Menschen mit Dauer-Präferenz…

Stärken in Teams:

Risiken bei Übertreibung:

Typisches Missverständnis: Dauer-orientierte Personen gelten als „blockierend“ oder „unflexibel“, obwohl sie häufig Risiken und Langzeitfolgen besser einschätzen als andere.


2.4 Wechsel – der veränderungs- und innovationsorientierte Pol

Menschen mit Wechsel-Präferenz…

Stärken in Teams:

Risiken bei Übertreibung:

Typisches Missverständnis: Wechsel-orientierte Personen werden als chaotisch oder „nicht zu Ende denkend“ gesehen, obwohl sie oft genau den Bewegungsimpuls liefern, den Organisationen brauchen.


3. Warum das Riemann-Thomann-Modell für Teamarbeit so hilfreich ist

Die eigentliche Stärke des Modells liegt nicht in der Beschreibung einzelner Persönlichkeiten, sondern in seinem Nutzen für die konkrete Zusammenarbeit im Team.

3.1 Gemeinsame Sprache für Unterschiedlichkeit

Teams scheitern selten an „bösen Absichten“, sondern an nicht verstandenen Unterschieden:

Das Riemann-Thomann-Modell bietet dafür eine neutrale, wertschätzende Sprache. Es wird möglich zu sagen:

Statt sich gegenseitig zu bewerten („chaotisch“, „stur“, „zu emotional“), können Teams Unterschiedlichkeit als Ressource sehen.


3.2 Typische Konfliktmuster früh erkennen

Viele Konflikte lassen sich als Spannungsverhältnisse der Pole lesen:

Mit dem Modell können Sie in Workshops oder Retrospektiven Konflikte „übersetzen“:

Das senkt die Eskalationsgefahr, weil es den persönlichen Angriff aus der Diskussion nimmt.


3.3 Rollen und Verantwortlichkeiten passender zuschneiden

Das Modell eignet sich hervorragend, um Rollen in Projekten bewusster zu verteilen:

Wichtig: Niemand ist „nur“ ein Pol. Aber Tendenzen helfen, Rollen so zu gestalten, dass sie den Menschen entsprechen – und nicht umgekehrt.


3.4 Balance im Team herstellen

Viele Teams sind unausgewogen, z. B.:

Mit einer Teamlandkarte nach dem Riemann-Thomann-Modell lässt sich prüfen:

Das erhöht die Resilienz und Entscheidungsqualität des Teams.


4. Konkrete Einsatzfelder des Riemann-Thomann-Modells in der Teamarbeit

4.1 Teamentwicklung und Kick-off-Workshops

Beim Start neuer Teams oder Projekte kann das Modell helfen, schneller in eine produktive Zusammenarbeit zu kommen.

Typischer Ablauf:

  1. Einführung in das Modell – kurz, verständlich, ohne „Schubladendenken“.
  2. Selbsteinschätzung – jede Person markiert ihre Tendenzen (z. B. auf einem Bodenbild oder Canvas).
  3. Teamlandkarte erstellen – wo ballen sich die Präferenzen, wo gibt es Lücken?
  4. Reflexion – was bedeutet das für Entscheidungen, Kommunikation, Konflikte?

Ergebnis: Ein gemeinsames Bild davon, „wie wir ticken“ – und erste konkrete Vereinbarungen, z. B.:


4.2 Konfliktklärung und Mediation in Projekten

Wenn Konflikte in Projektteams festgefahren sind, hilft das Modell, den Fokus von Schuldzuweisungen auf Bedürfnisse zu lenken.

Praxisbeispiele:

In Moderationen kann man z. B. Fragen stellen wie:

So werden Konflikte wieder verhandelbar.


4.3 Verbesserung von Meetings und Entscheidungsprozessen

Das Riemann-Thomann-Modell kann helfen, Meetings strukturierter und zugleich bedürfnisgerechter zu gestalten, zum Beispiel durch:

Damit fühlt sich kein Pol dauerhaft übergangen.


4.4 Führung und Mitarbeitergespräche

Führungskräfte können das Riemann-Thomann-Modell nutzen, um Mitarbeitende individueller zu führen:

In Zielvereinbarungs- oder Entwicklungsgesprächen kann das Modell helfen, Erwartungen genauer zu formulieren und Maßnahmen passender zu wählen.


5. Schritt-für-Schritt: So führen Sie das Riemann-Thomann-Modell in Ihrem Team ein

Im Folgenden ein mögliches Vorgehen, das sich in Projekten und Linienorganisationen bewährt hat.

5.1 Vorbereitung

5.2 Einführung im Team

  1. Kurze fachliche Einführung (15–30 Minuten)
    • Ursprung und Idee des Modells
    • die vier Pole mit Beispielen aus dem Arbeitsalltag
    • Betonung: keine Bewertung, keine Schubladen
  2. Individuelle Reflexion
    • Jede Person schätzt sich auf den vier Polen selbst ein (z. B. mit einem einfachen Fragebogen oder einer visuellen Skala).
    • Wichtig: Es geht um Tendenzen, nicht um „richtige“ Ergebnisse.
  3. Austausch in Kleingruppen
    • Was habe ich über mich gelernt?
    • Was überrascht mich nicht?
    • Wo sehe ich mich im Teamkontext?

5.3 Teamlandkarte und Auswertung


5.4 Integration in den Arbeitsalltag

Damit das Riemann-Thomann-Modell nicht eine einmalige „Spielerei“ bleibt, sollten Sie es in Routinen verankern:


6. Typische Fragen von Führungskräften und Projektleitern

„Ist das nicht bloß ein weiterer Persönlichkeitstest?“

Nein, das Riemann-Thomann-Modell ist bewusst einfacher angelegt als umfangreiche Testverfahren. Es liefert keine „Persönlichkeitsdiagnose“, sondern einen Gesprächsrahmen über Bedürfnisse und Präferenzen. Der Nutzen liegt in der gemeinsamen Reflexion, nicht in der vermeintlich exakten Messung.


„Besteht die Gefahr von Schubladendenken?“

Die Gefahr besteht immer, wenn Modelle auf Menschen angewendet werden. Entscheidend ist die Art der Einführung:

Gut moderiert fördert das Modell Vielfalt und Akzeptanz statt Etiketten.


„Eignet sich das Modell auch für virtuelle oder hybride Teams?“

Gerade dort ist es hilfreich. In verteilten Teams fehlen viele nonverbale Signale, Missverständnisse entstehen schneller. Mit dem Modell können Sie explizit machen:


„Kann ich das Modell mit agilen Methoden kombinieren?“

Ja, sehr gut. Beispiele:


7. Grenzen und verantwortungsvoller Einsatz

So hilfreich das Riemann-Thomann-Modell ist – es hat Grenzen, die Sie kennen sollten:

Verantwortungsvoller Einsatz bedeutet:


8. Zusammenfassung: Nutzen des Riemann-Thomann-Modells für Teamarbeit auf den Punkt

Was bringt das Riemann-Thomann-Modell konkret für Teams?

Für Entscheider, Projektleiter und Führungskräfte ist das Modell damit ein pragmatisches Werkzeug, um Zusammenarbeit nachhaltiger, resilienter und effizienter zu gestalten.


9. Nächste Schritte für Ihre Organisation

Wenn Sie den Nutzen des Riemann-Thomann-Modells für Teamarbeit in Ihrem Umfeld heben möchten, können Sie wie folgt vorgehen:

Wenn Sie die Einführung nicht selbst moderieren möchten oder Sicherheit in der Anwendung wünschen, kann eine externe Begleitung sinnvoll sein – etwa durch erfahrene Berater mit Projekt- und Methodenkompetenz, die sowohl das Riemann-Thomann-Modell als auch moderne Organisations- und Projektansätze kennen und in Ihre spezifische Situation übersetzen können.

Weitere Einträge