SCAMPER vs. Brainstorming

SCAMPER vs. Brainstorming – In vielen Unternehmen ist Brainstorming die Standardmethode, wenn es um neue Ideen geht – mit oft durchwachsenen Ergebnissen. Gleichzeitig setzen immer mehr Teams auf strukturiertere Kreativitätstechniken wie SCAMPER, um bestehende Produkte, Prozesse oder Geschäftsmodelle systematisch weiterzuentwickeln. Dieser Beitrag erklärt, was hinter SCAMPER und klassischem Brainstorming steckt, worin die zentralen Unterschiede liegen, und wie Entscheider, Projektmanager und Führungskräfte beide Methoden gezielt einsetzen können, um bessere, umsetzbare Ideen zu generieren.

SCAMPER vs. Brainstorming
SCAMPER vs. Brainstorming

Kurzüberblick: Was unterscheidet SCAMPER und Brainstorming?

SCAMPER ist eine strukturierte Kreativitätsmethode, die auf sieben gezielten Fragetechniken basiert, um bestehende Lösungen zu variieren und zu verbessern.

Brainstorming ist eine offene Ideensammel-Methode, bei der Teilnehmende spontan möglichst viele Einfälle zu einer Fragestellung äußern, ohne diese zunächst zu bewerten.

Die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick:


Was ist Brainstorming?

Definition

Brainstorming ist eine Gruppenmethode zur Ideenfindung, bei der Teilnehmende in kurzer Zeit möglichst viele Vorschläge zu einer Fragestellung äußern. Kernelement sind Quantität vor Qualität und die bewertungsfreie Phase: Jede Idee ist zunächst erlaubt, Kritik ist tabu.

Wie funktioniert klassisches Brainstorming?

Typischer Ablauf:

  1. Problem oder Ziel definieren
    • Beispiel: „Wie können wir die Bearbeitungszeit unserer Service-Tickets verkürzen?“
  2. Regeln klären
    • Keine Bewertung oder Kritik während der Ideengenerierung
    • Anknüpfen und Weiterentwickeln fremder Ideen ist explizit erwünscht
    • Fokus auf Menge der Vorschläge
  3. Ideenrunde durchführen
    • 15–45 Minuten freie Ideensammlung (mündlich, an Whiteboard, digital)
  4. Clustern und bewerten
    • Ähnliche Ideen gruppieren
    • Grobe Bewertung nach Wirkung, Machbarkeit, Aufwand
  5. Priorisieren und nächste Schritte planen
    • Auswahl von 3–5 Ideen für vertiefende Analyse oder Umsetzung

Stärken von Brainstorming in Unternehmen

Typische Schwächen und Risiken

Gerade in hierarchischen Organisationen oder in gemischten Runden (Management + Fachkräfte) werden diese Schwächen schnell sichtbar.


Was ist SCAMPER?

Definition

SCAMPER ist eine Kreativmethode zur systematischen Verbesserung bestehender Produkte, Prozesse oder Dienstleistungen. Der Name ist ein Akronym für sieben Denk- und Fragetechniken:

Anstatt frei zu assoziieren, arbeiten Teams bei SCAMPER entlang dieser Fragen und betrachten eine bestehende Lösung bewusst aus verschiedenen Blickwinkeln.

Die 7 SCAMPER-Fragen im Überblick

  1. Substitute – Ersetzen
    • Frage: Was können wir ersetzen? Material, Ressource, Zielgruppe, Technologie?
    • Beispiel: Statt Präsenzschulungen Online-Trainings einsetzen.
  2. Combine – Kombinieren
    • Frage: Was lässt sich sinnvoll kombinieren? Funktionen, Prozesse, Angebote?
    • Beispiel: Service-Hotline mit Chatbot-Unterstützung verknüpfen.
  3. Adapt – Anpassen
    • Frage: Welche Elemente können wir an einen neuen Kontext anpassen?
    • Beispiel: Erfolgreiches Bonusmodell aus dem Vertrieb auf den Service übertragen.
  4. Modify / Magnify / Minify – Verändern, vergrößern, verkleinern
    • Frage: Was können wir vergrößern, verkleinern, vereinfachen oder komplexer machen?
    • Beispiel: Standardprozess radikal verschlanken, indem Freigabestufen reduziert werden.
  5. Put to other use – Umnutzen
    • Frage: Wo können wir Bestehendes in einem neuen Anwendungsfall nutzen?
    • Beispiel: Interne Projektmanagement-Software auch als Kundenportal einsetzen.
  6. Eliminate – Entfernen
    • Frage: Was können wir weglassen, ohne den Nutzen zu gefährden?
    • Beispiel: Doppelte Dateneingaben im Prozess konsequent eliminieren.
  7. Rearrange / Reverse – Umordnen, umkehren
    • Frage: Welche Reihenfolge oder Logik können wir verändern oder umdrehen?
    • Beispiel: Vorqualifizierung von Leads automatisieren, bevor sie in den Vertrieb gehen.

Diese Fragen sorgen für Struktur und zwingen Teams, über inkrementelle Verbesserungen hinauszudenken.

Vorteile von SCAMPER im Unternehmenskontext

Grenzen von SCAMPER


SCAMPER vs. Brainstorming im direkten Vergleich

Gemeinsamkeiten

Zentrale Unterschiede

1. Struktur und Vorgehen

2. Art der Ergebnisse

3. Anwendungsfälle


Welche Methode sollten Sie wann einsetzen?

Eine einfache Daumenregel:

Beispiele:


SCAMPER und Brainstorming kombinieren: Best of both worlds

Anstatt „SCAMPER vs. Brainstorming“ als Entweder-oder zu verstehen, ist eine Kombination oft am wirksamsten.

Möglicher Doppelansatz:

  1. Phase 1 – Offene Exploration (Brainstorming)
    • Fragestellung klären (z. B. „Wie können wir unseren Kundenservice modernisieren?“)
    • Brainstorming durchführen, um Pain Points, Ideen und Hypothesen zu sammeln
    • Ergebnisse clustern (z. B. Prozesse, Kanäle, Technologie, Skills)
  2. Phase 2 – Strukturierte Vertiefung (SCAMPER)
    • Relevante Cluster auswählen (z. B. „Ticketprozess“)
    • SCAMPER gezielt auf diese Cluster anwenden
    • Pro SCAMPER-Kategorie konkrete Maßnahmenvorschläge erarbeiten

So verbinden Sie:


Praxisleitfaden: So führen Sie einen SCAMPER-Workshop durch

Für Entscheider und Projektverantwortliche ist wichtig, dass SCAMPER nicht im Theoretischen hängen bleibt. Ein bewährter Ablauf:

  1. Ziel klären
    • Beispiel: „Durchlaufzeit im Onboarding-Prozess um 30 % reduzieren“
  2. Ausgangslösung beschreiben
    • Aktuellen Prozess skizzieren
    • Beteiligte Rollen, Systeme und Schnittstellen benennen
  3. Team zusammenstellen
    • Fachbereich, IT, Prozessverantwortliche, ggf. Kundenperspektive
  4. SCAMPER-Fragen vorbereiten
    • Die sieben Kategorien mit Beispielen auf Flipcharts oder digitalen Boards visualisieren
  5. Gemeinsame Arbeit entlang SCAMPER
    • Pro Kategorie:
      • 5–10 Minuten stille Ideensammlung (z. B. auf Haftnotizen)
      • 10–15 Minuten Diskussion und Clustern
    • Ideen fortlaufend dokumentieren
  6. Bewertung und Priorisierung
    • Kriterien festlegen: Wirkung, Machbarkeit, Aufwand, Time-to-Impact
    • Ideen in einer Impact/Effort-Matrix einordnen
    • Top-Ideen auswählen
  7. Konkrete Maßnahmen ableiten
    • Verantwortliche, nächste Schritte und Timebox definieren
    • Ergebnisse in Backlog, Roadmap oder Maßnahmenplan überführen
  8. Nachverfolgung sichern
    • Review-Termine einplanen
    • Umsetzungserfolg messen (z. B. Prozesskennzahlen, Kundenzufriedenheit)

So wird SCAMPER vom Kreativ-Workshop zum echten Hebel in Ihrem Verbesserungs- und Innovationsmanagement.


Besseres Brainstorming: So steigern Sie die Ergebnisqualität

Auch Brainstorming kann deutlich wirkungsvoller werden, wenn einige Grundprinzipien konsequent beachtet werden.

Klare Problemformulierung

Verbindliche Regeln und Moderation

Techniken gegen Gruppendynamik-Fallen

Systematische Nachbearbeitung

So wird aus einem Brainstorming mehr als eine bunte Sammlung von Post-its.


Typische Fehler bei SCAMPER und Brainstorming – und wie Sie sie vermeiden

Häufige Fehler bei Brainstorming

Häufige Fehler bei SCAMPER


Fazit: SCAMPER vs. Brainstorming – gezielt statt zufällig innovieren

SCAMPER und Brainstorming sind keine konkurrierenden, sondern sich ergänzende Kreativitätstechniken:

Für Entscheider, Projektmanager und Führungskräfte bedeutet das:

So erhöhen Sie nicht nur die Qualität Ihrer Ideen, sondern vor allem die Wahrscheinlichkeit, dass aus Kreativworkshops konkrete, messbare Verbesserungen und Innovationen entstehen.

Wenn Sie SCAMPER, Brainstorming und weitere Kreativmethoden strukturiert in Ihrem Projekt- und Innovationsmanagement verankern wollen, unterstützt Sie PURE Consultant dabei, passende Formate zu entwickeln, Workshops zu moderieren und die Ergebnisse nachhaltig in Ihren Strukturen zu verankern.

Weitere Einträge