Disciplined Agile DAD vs SAFe – Agilität ist längst ein entscheidender Wettbewerbsfaktor – ohne flexible, anpassungsfähige Organisationen bleibt nachhaltiger Erfolg heute kaum möglich. Doch mit dem Wunsch nach mehr Agilität wächst auch die Unsicherheit: Welches Framework ist das richtige? Besonders oft stehen Unternehmen vor der Wahl zwischen Disciplined Agile Delivery (DAD) und dem Scaled Agile Framework (SAFe). Beide Ansätze helfen, Agilität über einzelne Teams hinaus im gesamten Unternehmen zu etablieren, unterscheiden sich jedoch deutlich in Philosophie, Aufbau und Anwendung.
Was ist Disciplined Agile Delivery (DAD)?
Disciplined Agile Delivery (DAD) ist ein hybrides Prozess-Entscheidungs-Framework, das Praktiken aus Scrum, Kanban, Lean, Extreme Programming (XP) und weiteren Methoden kombiniert. Entwickelt wurde DAD von Scott Ambler und Mark Lines mit dem Ziel, Teams mehr Entscheidungsfreiheit zu geben und die gesamte Wertschöpfungskette – von der Idee bis zum Betrieb – abzudecken.
Die wichtigsten Merkmale von DAD
- Hybrider Ansatz: Integration verschiedener agiler und lean Methoden, sodass Teams flexibel auf Projekterfordernisse reagieren können.
- End-to-End-Betrachtung: Berücksichtigt den gesamten Lebenszyklus, einschließlich Architektur, Tests, Deployment und Betrieb.
- Entscheidungsfreiheit: Teams wählen Praktiken und Prozesse eigenständig, statt einem festen Rahmen zu folgen.
- Skalierbarkeit: Geeignet für kleine wie große Organisationen.
- Guided Continuous Improvement: Teams reflektieren regelmäßig ihre Arbeitsweise und passen diese kontinuierlich an.
DAD eignet sich insbesondere für Unternehmen, die auf Flexibilität setzen und bereits Erfahrung mit unterschiedlichen agilen Methoden gesammelt haben.
Was ist das Scaled Agile Framework (SAFe)?
Das Scaled Agile Framework (SAFe) ist ein umfassendes Framework, das agile Methoden auf Unternehmensebene skaliert. Entwickelt von Dean Leffingwell, bietet SAFe eine strukturierte Herangehensweise, um agile Prinzipien und Praktiken in großen Organisationen mit vielen Teams und komplexen Strukturen zu etablieren.
Die wichtigsten Merkmale von SAFe
- Mehrstufige Skalierung: Unterscheidung zwischen Team-, Programm-, Large Solution- und Portfolio-Ebene.
- Klare Rollen und Verantwortlichkeiten: Definierte Rollen wie Release Train Engineer, Product Owner, Scrum Master.
- Synchronisation und Koordination: Übergreifende Events wie Program Increment (PI) Planning fördern die Zusammenarbeit.
- Lean-Agile Leadership: Führungskräfte werden als aktive Treiber der Transformation eingebunden.
- Umfassende Dokumentation: Leitfäden, Vorlagen und Best Practices unterstützen die Einführung.
SAFe richtet sich vor allem an große Unternehmen, die eine standardisierte und strukturierte Methode zur Skalierung von Agilität suchen.
DAD vs SAFe: Ein detaillierter Vergleich
Obwohl beide Frameworks das Ziel verfolgen, Agilität zu skalieren, unterscheiden sie sich in mehreren zentralen Punkten:
Flexibilität vs. Standardisierung
DAD setzt auf Flexibilität und Entscheidungsfreiheit, während SAFe standardisierte Prozesse und Rollen vorgibt. Dadurch können Teams mit DAD individueller arbeiten, wohingegen SAFe für Konsistenz und Vergleichbarkeit sorgt.
Umfang und Komplexität
SAFe ist sehr umfangreich und detailliert dokumentiert. Für große Unternehmen ist dies ein Vorteil, da klare Strukturen und Verantwortlichkeiten vorgegeben werden. Allerdings kann die Einführung aufwändig sein. DAD bleibt schlanker und lässt sich leichter anpassen.
Lebenszyklus-Fokus
DAD betrachtet den gesamten Produktlebenszyklus, SAFe legt den Schwerpunkt auf Entwicklungs- und Auslieferungsprozesse. Der Betrieb wird bei DAD explizit einbezogen, bei SAFe weniger stark gewichtet.
Entscheidungsfindung und Verbesserung
DAD fördert kontinuierliche Verbesserung auf Teamebene. SAFe bietet zwar ebenfalls Retrospektiven und Verbesserungsmechanismen, ist aber stärker auf die Einhaltung vorgegebener Prozesse ausgerichtet.
Einbindung der Führungsebene
SAFe bindet Führungskräfte aktiv ein und positioniert sie als Change Agents. DAD legt den Fokus stärker auf die Teams und deren Autonomie.
Tabellarischer Vergleich: DAD vs SAFe
| Kriterium | DAD | SAFe |
|---|---|---|
| Ansatz | Hybrid, flexibel, adaptiv | Standardisiert, strukturiert, umfassend |
| Lebenszyklus | End-to-End, inkl. Betrieb | Fokus auf Entwicklung und Auslieferung |
| Rollen | Weniger, flexibel | Viele, klar definiert |
| Entscheidungsfreiheit | Hoch, Teams wählen Praktiken selbst | Geringer, Vorgaben durch das Framework |
| Dokumentation | Schlank, anpassbar | Umfangreich, viele Vorlagen |
| Skalierung | Für kleine bis große Organisationen | Für große, komplexe Unternehmen |
| Einbindung der Führung | Unterstützung, aber weniger zentral | Führung als aktiver Treiber |
| Implementierungsaufwand | Geringer, schneller startbar | Höher, mehr Change Management nötig |
Praxisbeispiele
Beispiel 1: Mittelständisches IT-Unternehmen
Ein mittelständisches IT-Unternehmen mit mehreren, aber überschaubaren Entwicklungsteams entscheidet sich für DAD. Die Teams schätzen die Flexibilität, verschiedene Praktiken zu kombinieren und eigenständig zu entscheiden, wie sie arbeiten möchten. Dadurch können sie schneller auf Kundenanforderungen reagieren und Innovationen vorantreiben.
Beispiel 2: Großkonzern in der Finanzbranche
Ein internationaler Finanzkonzern mit über 100 Entwicklungsteams wählt SAFe, um die agile Transformation zu strukturieren. Die klare Rollenverteilung und die standardisierten Prozesse helfen, die Zusammenarbeit über zahlreiche Abteilungen hinweg zu koordinieren. Führungskräfte werden in Trainings gezielt auf ihre neue Rolle vorbereitet und treiben die Transformation aktiv voran.
Vor- und Nachteile im Überblick
Vorteile DAD
- Hohe Flexibilität und Anpassungsfähigkeit
- Förderung von Eigenverantwortung und kontinuierlicher Verbesserung
- Einfachere Einführung, da weniger starre Vorgaben
Nachteile DAD
- Gefahr von Inkonsistenzen zwischen Teams
- Weniger Unterstützung für sehr große, komplexe Organisationen
Vorteile SAFe
- Klare Strukturen und Verantwortlichkeiten
- Gut geeignet für große Unternehmen mit vielen Teams
- Umfangreiche Unterstützung durch Dokumentation und Trainings
Nachteile SAFe
- Einführung kann aufwändig und ressourcenintensiv sein
- Weniger Entscheidungsfreiheit für einzelne Teams
- Gefahr von Bürokratisierung, wenn zu starr umgesetzt
Implementierungsstrategien: Worauf sollten Unternehmen achten?
Egal, für welches Framework Sie sich entscheiden: Der Erfolg hängt maßgeblich davon ab, wie konsequent und reflektiert Sie die Einführung gestalten. Beachten Sie dabei folgende Punkte:
- Status quo analysieren: Erfassen Sie die aktuelle Situation, bestehende Prozesse und die Unternehmenskultur.
- Ziele definieren: Legen Sie fest, was Sie mit der agilen Transformation erreichen möchten.
- Stakeholder einbinden: Binden Sie Führungskräfte und Teams frühzeitig ein und fördern Sie einen offenen Dialog.
- Pilotprojekte nutzen: Starten Sie mit Pilotprojekten, um Erfahrungen zu sammeln und Anpassungen vorzunehmen.
- Kontinuierlich lernen: Fördern Sie eine Lernkultur, in der Feedback und Verbesserungen selbstverständlich sind.
Fazit Disciplined Agile DAD vs SAFe: DAD oder SAFe – was ist die richtige Wahl?
Die Entscheidung zwischen DAD und SAFe ist keine reine Frage der Unternehmensgröße, sondern hängt von Zielen, Kultur und vorhandenen Kompetenzen ab. Während DAD mit Flexibilität und Teamautonomie punktet, überzeugt SAFe durch Struktur, Skalierbarkeit und starke Führungseinbindung. Letztlich zählt, dass das gewählte Framework zu Ihrer Organisation passt und konsequent gelebt wird. Denn nachhaltige Agilität entsteht nicht durch das Framework allein, sondern durch Menschen, die gemeinsam wachsen und lernen wollen.