Entscheidungen im Steering Committee

Entscheidungen im Steering Committee – Eine Sitzung steht an, die Präsentation ist fertig – und trotzdem bleibt ein ungutes Gefühl: Werden im Steering Committee wirklich die Entscheidungen getroffen, die Ihr Projekt braucht? Oder verlieren Sie sich wieder in Folien, Detaildiskussionen und vertagten Beschlüssen?
Dieser Beitrag zeigt, wie Entscheidungen im Steering Committee tatsächlich funktionieren sollten, welche Rollen und Prozesse es braucht und wie Sie als Projektleiter, Sponsor oder Fachexperte dieses Gremium gezielt „entscheidungsfähig“ machen. Mit klaren Beispielen, Checklisten und Formulierungen, die Sie direkt in Ihrem nächsten Steering Committee einsetzen können.

Entscheidungen im Steering Committee
Entscheidungen im Steering Committee

1. Was ist ein Steering Committee – und was entscheidet es eigentlich?

Ein Steering Committee (Lenkungsausschuss) ist das oberste Steuerungs- und Entscheidungsgremium eines Projekts oder Programms. Es sorgt dafür, dass:

Kurz gesagt: Im Steering Committee werden die Entscheidungen getroffen, die das Projektteam nicht selbst treffen darf oder kann, weil sie Strategie, Budget, Organisation oder rechtliche Rahmenbedingungen berühren.

Typische Entscheidungen des Steering Committees:


2. Typische Entscheidungsfelder im Steering Committee

Damit Steering-Entscheidungen greifbar werden, lohnt sich der Blick auf die wichtigsten Entscheidungsfelder. Praktisch jedes Steering Committee bewegt sich in diesen Kategorien – egal ob IT-Transformation, Organisationsprojekt oder Produkteinführung.

2.1 Strategische Entscheidungen

Hier geht es um die „großen Linien“:

Beispiele:

2.2 Finanzielle Entscheidungen

Finanzielle Steuerung ist Kernaufgabe des Steering Committees:

Beispiele:

2.3 Scope- und Priorisierungsentscheidungen

Hier entscheidet das Gremium, was wirklich ins Projekt gehört – und was nicht:

Beispiele:

2.4 Risiko- und Eskalationsentscheidungen

Das Steering Committee greift ein, wenn Risiken strukturelle oder politische Dimensionen haben:

Beispiele:

2.5 Organisations- und Rollenentscheidungen

Oft wird hier geklärt, „wer was darf“:

Beispiele:


3. Wer trifft Entscheidungen im Steering Committee – Rollen und Verantwortlichkeiten

Entscheidungsfähigkeit beginnt mit der richtigen Besetzung. Ein Steering Committee ist kein Informationszirkel, sondern ein Gremium mit klaren Entscheidungsträgern.

3.1 Typische Rollen im Steering Committee

In einem wirksamen Steering Committee sitzen:

Wichtig: Nicht alle haben die gleiche Entscheidungsmacht. Wer formal entscheidet, sollte explizit festgehalten sein (z. B. im Projektauftrag oder Steering Committee Charter).

3.2 Entscheidungsrechte klar definieren

Hilfreiche Leitfragen für die Klärung von Entscheidungsrechten:

Ein bewährtes Hilfsmittel ist eine RACI- oder DECIDE-Matrix, in der pro Entscheidungstyp folgende Rollen definiert werden:

Damit vermeiden Sie endlose „Meinungsschlachten“, in denen unklar bleibt, wer am Ende den Hut aufhat.


4. Der Entscheidungsprozess im Steering Committee – Schritt für Schritt

In der Praxis scheitern viele Steering Committees nicht an der Bereitschaft zu entscheiden, sondern an der Art und Weise, wie Entscheidungen vorbereitet und durchgezogen werden. Folgender Prozess hat sich in vielen Unternehmen bewährt.

4.1 Von der Fragestellung zur Entscheidungsfrage

Statt „Wir haben ein Problem“ braucht es eine sauber formulierte Entscheidungsfrage.

Gute Entscheidungsfragen sind:

Schlechte Beispiel-Formulierung:

Gute Beispiel-Formulierung:

4.2 Entscheidungsunterlage („Decision Paper“) vorbereiten

Eine gute Entscheidungsunterlage ist maximal 2–4 Seiten lang und folgt einer klaren Struktur. Bewährt hat sich:

  1. Kurzfassung (1 Absatz): Worum geht es, was ist zu entscheiden?
  2. Ausgangslage: Fakten, Zahlen, Rahmenbedingungen
  3. Optionen (meist 2–3 realistische Alternativen)
  4. Bewertung der Optionen: Vor- und Nachteile, Risiken, Aufwand, Nutzen
  5. Empfehlung des Projektteams
  6. Konkreter Beschlussvorschlag zur Abstimmung

Checkliste für eine entscheidungsreife Vorlage:

4.3 Entscheidungen in der Sitzung herbeiführen

Damit eine Steering-Sitzung zu Entscheidungen führt, helfen einige einfache Prinzipien:

Praxis-Tipp:
Lassen Sie in kritischen Punkten zunächst nur die Mitglieder mit Entscheidungsmandat zu Wort kommen. Lange Runden mit allen Anwesenden führen oft zu Zerreden statt Entscheiden.

4.4 Entscheidung dokumentieren und verbindlich machen

Eine Entscheidung ist erst dann wirksam, wenn sie:

Elemente eines guten Steering-Beschlusses:

Beispiel:

„Das Steering Committee beschließt, den Go-Live von 01.09. auf 01.12. zu verschieben. Projektleitung [Name] ist verantwortlich für die Anpassung des Detailplans bis 15.05. und das aktualisierte Risikokonzept. Die zusätzlich benötigten Testressourcen (2 FTE) werden durch Bereich X bereitgestellt.“


5. Kriterien für gute Entscheidungen im Steering Committee

Nicht jede schnelle Entscheidung ist eine gute Entscheidung. Folgende Kriterien helfen, die Qualität von Steering-Entscheidungen zu bewerten.

5.1 Klarheit

5.2 Konsistenz

5.3 Umsetzbarkeit

5.4 Risikoabwägung

5.5 Akzeptanz


6. Typische Fehler bei Entscheidungen im Steering Committee – und wie Sie sie vermeiden

Viele Probleme in Projekten lassen sich auf schwache Steering-Entscheidungen zurückführen. Einige Muster tauchen sehr häufig auf.

6.1 „Wir vertagen das“ – Entscheidungsunwilligkeit

Symptom:

Gegenmaßnahmen:

6.2 Zu viel Detail, zu wenig Entscheidung

Symptom:

Gegenmaßnahmen:

6.3 Unklare Entscheidungsrechte

Symptom:

Gegenmaßnahmen:

6.4 Symbolische Entscheidungen ohne Umsetzung

Symptom:

Gegenmaßnahmen:

6.5 Entscheidungen ohne Stakeholder-Perspektive

Symptom:

Gegenmaßnahmen:


7. Vorbereitung: Wie Sie Ihr Steering Committee entscheidungsreif machen

Gute Steering-Entscheidungen beginnen lange vor der Sitzung. Folgende Hebel haben sich in der Praxis bewährt.

7.1 Klare Sitzungstypen und -ziele definieren

Nicht jede Sitzung muss alle Themen abdecken. Unterscheiden Sie z. B.:

Jede Einladung sollte klar benennen:

7.2 Agenda konsequent auf Entscheidungen ausrichten

Eine effektive Agenda könnte so aussehen:

  1. Review der letzten Beschlüsse und Umsetzungsstatus (10 Min.)
  2. Kritische Entscheidungen (2–3 Punkte, 60 Min.)
  3. Wichtige Status-Updates / Informationen (20 Min.)
  4. Offene Punkte, nächste Schritte (10 Min.)

Merksatz:
Reporting dient Entscheidungen – nicht umgekehrt.

7.3 Vorab-Kommunikation nutzen („Pre-Steering“)

Gerade bei sensiblen Themen ist es sinnvoll, wichtige Akteure vorab zu informieren:

So reduzieren Sie Überraschungsmomente und erhöhen die Chance auf tragfähige Beschlüsse.

7.4 Werkzeuge für bessere Entscheidungen

Pragmatische Tools, die Sie leicht integrieren können:

Wichtig: Halten Sie Werkzeuge einfach und konsistent, statt in jeder Sitzung neue Modelle einzuführen.


8. Praxisbeispiele: Typische Entscheidungen im Steering Committee

Um das Ganze greifbarer zu machen, zwei vereinfachte Beispiele aus der Praxis.

8.1 IT-Transformationsprojekt – Go-Live unter Druck

Ausgangslage:

Entscheidungsfrage:

„Sollen wir den Go-Live-Termin um 3 Monate verschieben, um Testabdeckung und Schulungen zu verbessern, oder am ursprünglichen Termin festhalten mit eingeschränktem Funktionsumfang?“

Optionen:

Bewertung:

Steering-Entscheidung (Beispiel):

„Das Steering Committee beschließt Option C: gestufter Go-Live mit Pilot im Bereich Vertrieb zum ursprünglichen Termin, Gesamt-Rollout 6 Monate später. Projektleitung erstellt bis zum nächsten Steering einen detaillierten Pilotplan inkl. Risiko- und Kommunikationskonzept.“

8.2 Organisationsprojekt – Konflikt zwischen zwei Bereichen

Ausgangslage:

Entscheidungsfrage:

„Welcher Bereich übernimmt zukünftig die End-to-End-Verantwortung für den Prozess ‚Kunden-Onboarding‘?“

Optionen:

Steering-Entscheidung (Beispiel):

„Das Steering Committee legt den Bereich Operations als End-to-End-Process Owner fest. Vertrieb übernimmt die Verantwortung für die Prozessschritte ‚Akquise‘ und ‚Vertragsabschluss‘. Diese Verantwortlichkeiten sind im Prozesshandbuch zu verankern. Eine Evaluierung erfolgt nach 12 Monaten.“


9. Checkliste: So machen Sie Ihr nächstes Steering Committee wirklich entscheidungsstark

Zum Abschluss eine kompakte Übersicht für Ihre Praxis. Nutzen Sie diese Liste vor jeder Sitzung.

Vor der Sitzung

In der Sitzung

Nach der Sitzung


10. Wie Sie Unterstützung für wirksame Steering-Entscheidungen bekommen

Entscheidungen im Steering Committee sind ein Hebel mit enormer Wirkung – positiv wie negativ. Professionelle Vorbereitung, klare Entscheidungsprozesse und ein strukturiertes Decision-Design machen hier den Unterschied zwischen „wir berichten viel“ und „wir steuern wirklich“.

Wenn Sie Ihre Steering Committees neu aufsetzen, schärfen oder professionalisieren möchten – etwa durch:

kann eine externe, erfahrene Begleitung sehr hilfreich sein.
Die Berater von PURE Consultant unterstützen Unternehmen genau in diesen Fragestellungen – von der Konzeption wirksamer Steering-Strukturen bis zur Begleitung komplexer Transformationsprojekte.

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