80-20-Regel vs. ABC Analyse

80-20-Regel vs. ABC Analyse – Viele Unternehmen wissen, dass sie ihre Ressourcen besser fokussieren müssten – aber nicht, wo sie konkret ansetzen sollen. Die 80-20-Regel und die ABC-Analyse gehören zu den wichtigsten Werkzeugen, um genau dieses Problem zu lösen: Sie trennen Wichtiges von Unwichtigem, schaffen Transparenz und liefern Entscheidungsgrundlagen.
In diesem Beitrag erfahren Sie, was hinter beiden Methoden steckt, worin sich die 80-20-Regel vs. ABC Analyse wirklich unterscheiden, welche Methode sich für welchen Anwendungsfall eignet und wie Sie beide praxisnah – und kombinierbar – in Projekten, im Einkauf, in der Lagerhaltung oder im Kundenmanagement einsetzen.

80-20-Regel vs. ABC Analyse
80-20-Regel vs. ABC Analyse

Was ist die 80-20-Regel?

Die 80-20-Regel (Pareto-Prinzip) besagt vereinfacht: Ein kleiner Teil der Ursachen erzeugt den größten Teil der Wirkung. Typisch ist die Aussage „20 % der Kunden sorgen für 80 % des Umsatzes“.

Kurzdefinition:
Die 80-20-Regel ist ein Heuristik-Prinzip zur Priorisierung, das besagt, dass ein relativ kleiner Anteil von Aktivitäten, Kunden, Produkten oder Ursachen den größten Beitrag zu einem Ergebnis liefert.

Wichtige Merkmale:

Die 80-20-Regel gibt damit schnell eine Richtung vor: Wo lohnt sich der Aufwand, wo eher nicht?


Was ist die ABC-Analyse?

Die ABC-Analyse ist ein quantitatives Verfahren, bei dem Objekte (z. B. Artikel, Kunden, Aufgaben) anhand eines Kriteriums (meist Wert oder Verbrauch) in drei Klassen eingeteilt werden: A, B und C.

Kurzdefinition:
Die ABC-Analyse klassifiziert Objekte nach ihrer wirtschaftlichen Bedeutung in A-, B- und C-Kategorien, um Ressourcen und Maßnahmen konsequent auf die wichtigsten Elemente zu konzentrieren.

Typische Kennzahlen:

Klassischer Richtwert:

Einsatzgebiete:


80-20-Regel vs. ABC Analyse: Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Wenn Sie „80-20-Regel vs. ABC Analyse“ vergleichen, stellen Sie schnell fest: Beide Methoden zielen auf Priorisierung – aber mit unterschiedlichem Charakter.

Gemeinsamkeiten:

Unterschiede in der Praxis:

Kurz gesagt: Die 80-20-Regel gibt Ihnen das Mindset, die ABC-Analyse liefert das Werkzeug.


Typische W-Fragen rund um 80-20-Regel und ABC-Analyse

Viele Entscheider stellen sich ähnliche Fragen, bevor sie eine Methode auswählen:

Die Antworten darauf hängen vom Ziel ab: Brauchen Sie eine schnelle Daumenregel für Diskussionen – oder eine belastbare, dokumentierbare Analyse?


Anwendungsfälle in der Praxis

1. Bestands- und Lageroptimierung

Im Lager- und Bestandsmanagement ist die ABC-Analyse quasi Standard:

Die 80-20-Regel kann ergänzend genutzt werden, um zu verdeutlichen: „Rund 20 % unserer Artikel binden 80 % des Bestandswertes.“

2. Einkauf und Lieferantenmanagement

Auch im Einkauf bietet sich eine Kombination beider Methoden an:

3. Kunden- und Umsatzanalyse

Für das Vertriebs- und Kundenmanagement:

In der Praxis werden beide Ansätze häufig vermischt, z. B. „Unsere A-Kunden entsprechen grob den 20 % wichtigsten Umsatzträgern.“

4. Aufgaben- und Projektpriorisierung

Im Projektmanagement und in der täglichen Arbeit ist die 80-20-Regel besonders hilfreich:

Sie können Ihre Aufgaben oder Projekte zusätzlich in A-, B- und C-Kategorien einteilen:

So wird aus einem unstrukturierten Backlog eine klar priorisierte Roadmap.


Schritt für Schritt: So wenden Sie die 80-20-Regel an

Die 80-20-Regel ist zwar ein Prinzip, aber Sie können damit strukturiert vorgehen:

  1. Ziel definieren
    Was wollen Sie optimieren? Umsatz, Gewinn, Durchlaufzeit, Qualität, Kundenzufriedenheit?
  2. Relevante Objekte wählen
    Kunden, Produkte, Artikel, Aufgaben, Projekte, Fehlerursachen?
  3. Wirkungskennzahl bestimmen
    Umsatz, Deckungsbeitrag, Anzahl Tickets, Ausfallzeit, Bearbeitungszeit o. Ä.
  4. Daten sammeln und sortieren
    Sortieren Sie nach absteigender Wirkung (z. B. Umsatz pro Kunde).
  5. Konzentration prüfen
    Bilden Sie kumulierte Werte: Erzeugen die „Top 10–20 %“ der Elemente ca. 70–80 % des Ergebnisses?
  6. Fokus definieren
    Leiten Sie konkrete Maßnahmen für den „wichtigen Kern“ ab:
    • intensivere Betreuung
    • Prozessoptimierung
    • gezieltes Qualitäts- oder Risikomanagement
  7. Bewusst Abstriche machen
    Akzeptieren Sie bewusst, dass nicht jeder Kunde, jedes Produkt oder jede Aufgabe gleichbehandelt wird. Das ist der Sinn der Methode.

Wichtig: Die 80-20-Regel ersetzt keine Detailanalyse, sie hilft Ihnen, begrenzt vorhandene Zeit und Kapazitäten möglichst wirkungsvoll einzusetzen.


Schritt für Schritt: So führen Sie eine ABC-Analyse durch

Die ABC-Analyse folgt einem klaren, reproduzierbaren Ablauf. Beispiel: Artikel im Lager.

  1. Auswahl und Zeitraum festlegen
    Welche Artikel betrachten Sie? Für welchen Zeitraum (z. B. letztes Jahr)?
  2. Kennzahl bestimmen
    Typisch: Jahresverbrauchswert
    Formel: Menge pro Jahr × Einstandspreis
  3. Werte berechnen und sortieren
    • Berechnen Sie für jeden Artikel den Jahresverbrauchswert.
    • Sortieren Sie alle Artikel nach diesem Wert absteigend.
  4. Kumulierte Anteile bilden
    • Summieren Sie den Gesamtverbrauchswert.
    • Bilden Sie für jeden Artikel den kumulierten Prozentanteil am Gesamtwert.
  5. Klassen A, B, C definieren
    Eine übliche, aber nicht starre Einteilung:
    • A-Klasse: bis ca. 70–80 % kumulierter Wert
    • B-Klasse: bis ca. 90–95 %
    • C-Klasse: Rest
    Die exakten Grenzen können Sie an Ihre Situation anpassen.
  6. Maßnahmen je Klasse festlegen
    Beispiel Lager:
    • A-Artikel:
      • exakte Bedarfsplanung
      • häufige Bestellzyklen, geringe Bestände
      • enge Lieferantenbeziehungen
    • B-Artikel:
      • mittlere Bestandsziele
      • Standard-Bestellverfahren
    • C-Artikel:
      • vereinfachte Steuerung
      • ggf. höhere Sicherheitsbestände, Sammelbestellungen
  7. Regelmäßige Aktualisierung
    Wiederholen Sie die ABC-Analyse regelmäßig (z. B. jährlich), um Veränderungen im Sortiment oder Verbrauch zu berücksichtigen.

Welche Methode ist besser? Ein Entscheidungsleitfaden

Ob die 80-20-Regel oder die ABC-Analyse besser passt, hängt von Ihrer Fragestellung und der Datenlage ab.

Nutzen Sie die 80-20-Regel bevorzugt, wenn:

Nutzen Sie die ABC-Analyse bevorzugt, wenn:

Kombinierter Ansatz in der Praxis:

Beispiel:
Sie stellen fest, dass 20 % Ihrer Kunden 80 % des Umsatzes ausmachen (80-20-Regel). Innerhalb dieser Kundengruppe führen Sie eine ABC-Analyse nach Deckungsbeitrag durch, um zwischen sehr profitablen A-Kunden und volumenstarken, aber margenschwachen B-Kunden zu unterscheiden.


80-20-Regel und ABC-Analyse sinnvoll kombinieren

Ein häufiger Irrtum ist die Frage „80-20-Regel vs. ABC Analyse – welche ist die einzig richtige Methode?“. In der Praxis ergänzen sie sich ideal.

Mögliche Kombinationsansätze:

So nutzen Sie die Stärken beider Ansätze: analytische Präzision kombiniert mit klarer Management-Botschaft.


Typische Fehler und wie Sie sie vermeiden

Sowohl bei der 80-20-Regel als auch bei der ABC-Analyse tauchen in Unternehmen ähnliche Stolpersteine auf.

Häufige Fehler bei der 80-20-Regel:

Häufige Fehler bei der ABC-Analyse:

So vermeiden Sie diese Fehler:


Praxisbeispiel: Von der Aufgabenliste zur fokussierten Roadmap

Stellen Sie sich ein Projekt vor, das an allen Ecken „brennt“:
Es gibt 60 offene Aufgaben, mehrere Teilprojekte, diverse Stakeholder. Alles wirkt wichtig.

Schritt 1: 80-20-Denken anwenden

Das Projektteam fragt sich:

Ergebnis: Eine Liste von ca. 12 Aufgaben, die besonders terminkritisch oder wirkungsstark sind.

Schritt 2: ABC-Analyse der Aufgaben

Die 60 Aufgaben werden auf Basis von Einfluss auf Projektziele und Komplexität in drei Klassen eingeteilt:

Schritt 3: Maßnahmen ableiten

So entsteht aus einer überfrachteten To-do-Liste eine fokussierte Projektroute, bei der Klarheit herrscht, worauf es wirklich ankommt.


Fazit: Priorisierung als Führungsinstrument

Ob Sie mit der 80-20-Regel argumentieren oder eine ABC-Analyse durchführen – im Kern geht es immer darum, bewusste Prioritäten zu setzen:

Die 80-20-Regel hilft Ihnen, schnell Wirkungsschwerpunkte zu erkennen und Führungsteams für Fokussierung zu sensibilisieren. Die ABC-Analyse ergänzt dies mit sauberer, datenbasierter Klassifizierung, die sich leicht in Prozesse und Systeme überführen lässt.

Wenn Sie vor der Frage stehen, wie Sie in Ihrem Unternehmen konkret mit „80-20-Regel vs. ABC Analyse“ starten oder bestehende Analysen professionalisieren können – etwa im Einkauf, im Portfolio-Management oder in Projekten – lohnt sich ein strukturierter Blick von außen.
Sprechen Sie mit den Beratern von PURE Consultant, um passende Priorisierungsansätze, Kennzahlen und Prozesse für Ihr Umfeld aufzusetzen und nachhaltig im Alltag zu verankern.

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