996-System vs. New Work

996-System vs. New Work – Wer in Projekten oder ganzen Unternehmen „mehr Leistung“ fordert, landet schnell in einer gefährlichen Denkfalle: Noch mehr Stunden, noch mehr Druck, noch mehr Verfügbarkeit. Das 996-System steht genau dafür – und prallt frontal auf die Werte von New Work, die in vielen DACH-Unternehmen inzwischen Leitbild sind.
Für Entscheider, Projektmanager und Führungskräfte stellt sich deshalb eine sehr konkrete Frage: Wie lassen sich hohe Performance und moderne Arbeitskultur verbinden – ohne in ein verkapptes 996-System zu rutschen?
Dieser Beitrag gibt einen klaren Vergleich, zeigt Risiken, praktische Alternativen und ein Vorgehen, mit dem Sie Leistungskultur und New Work in Einklang bringen.

996-System vs. New Work
996-System vs. New Work

Kurzer Überblick: Warum „996-System vs. New Work“ heute relevant ist

Globaler Wettbewerb, Fachkräftemangel, komplexe IT- und Transformationsprojekte: Viele Organisationen stehen unter Dauerfeuer. Gleichzeitig erwarten Fachkräfte mehr Selbstbestimmung, Sinn und Flexibilität.

Daraus ergeben sich zentrale Spannungsfelder:

Genau hier hilft der Vergleich von 996-System und New Work, um bewusst zu entscheiden, welche Elemente Sie in Ihrer Organisation stärken – und welche Sie klar ausschließen sollten.


Was ist das 996-System?

Das 996-System beschreibt ein Arbeitszeitmodell, bei dem Beschäftigte von 9 Uhr morgens bis 9 Uhr abends, sechs Tage pro Woche arbeiten.
Der Begriff stammt aus der chinesischen Tech-Branche und steht heute sinnbildlich für eine extrem arbeitszeitintensive Hochleistungskultur.

Typische Merkmale eines 996-Systems:

Vermeintliche Vorteile aus Sicht von Befürwortern:

Gegenüber stehen deutliche Risiken:

Die zentrale Frage lautet damit: Ist das 996-System unter heutigen Rahmenbedingungen überhaupt noch zeitgemäß – oder nur ein teurer Kurzfristturbo?


Was versteht man unter New Work?

New Work beschreibt ein Arbeitsverständnis, das Sinn, Selbstbestimmung und Zusammenarbeit in den Mittelpunkt stellt, statt primär auf starre Strukturen und Präsenzzeiten zu setzen.
Es geht nicht um bunte Sitzsäcke, sondern um die Frage: Wie arbeiten Menschen, damit sie langfristig leistungsfähig, lernfähig und motiviert bleiben?

Kernprinzipien von New Work:

Typische New-Work-Praktiken:

Wichtig ist: New Work ist kein Kuschelkurs.
Richtig verstanden bedeutet es hohe Klarheit über Ziele, Verantwortlichkeiten und Leistung – aber mit anderen Mitteln als beim 996-System.


996-System vs. New Work: zentrale Unterschiede auf einen Blick

Kurzantwort:
Das 996-System setzt auf maximale Präsenz und kurzfristige Output-Steigerung, New Work auf nachhaltige Leistungsfähigkeit und Ergebnisorientierung.

1. Verständnis von Leistung

2. Führungsstil

3. Motivation und Bindung

4. Gesundheit und Nachhaltigkeit

5. Recht und Compliance (DACH-Kontext)


Auswirkungen auf Produktivität, Qualität und Innovation

Die Kernfrage vieler Entscheider lautet: Bringt ein 996-System wirklich mehr Output – oder verschiebt es Probleme nur nach hinten?

Kurzfristige Produktivität

Langfristige Auswirkungen

Je komplexer die Aufgaben (z. B. Architekturentscheidungen, strategische Planung, Change-Management), desto weniger skalieren lange Arbeitszeiten:

Beitrag von New Work zur Performance

Richtig eingeführt, schafft New Work Rahmenbedingungen, die gerade in wissensintensiven Umfeldern Produktivität erhöhen können:

Die entscheidende Erkenntnis: Nicht Arbeitszeitstunden, sondern Fokus, Klarheit und Qualitätsbewusstsein entscheiden darüber, wie viel „echter Output“ tatsächlich entsteht.


Rechtliche und kulturelle Stolpersteine des 996-Systems in DACH

Wer in europäischen Kontexten implizit oder explizit ein 996-ähnliches Modell fördert, bewegt sich auf dünnem Eis – sowohl rechtlich als auch kulturell.

Typische Problemfelder:

Kurz gesagt: Ein 996-System ist im DACH-Raum nicht nur kulturell schwer vermittelbar, sondern in der Praxis oft rechtlich nicht haltbar.


Wo New Work in der Praxis scheitert – und was dann passiert

Auch New Work ist kein Allheilmittel. Viele Unternehmen erleben eine Gegenreaktion: „Wir haben New Work eingeführt, aber alles ist chaotischer geworden.“

Typische Fehlentwicklungen:

Wenn New Work so umgesetzt wird, wirkt es instabil und ineffizient – und manche sehnen sich insgeheim nach dem alten Modell, in dem zumindest klar war, wer bestimmt. Das öffnet ironischerweise die Tür zurück zu Strukturen, die einem 996-System ähneln.

Deshalb braucht New Work klare Leitplanken.


Entscheidungsleitfaden: Welches Arbeitsmodell passt zu Ihrem Unternehmen?

Anstatt „996-System vs. New Work“ als ideologische Entweder-oder-Entscheidung zu sehen, lohnt sich ein strukturierter Blick auf Ihre Situation. Hilfreiche Leitfragen sind:

  1. Welche Art von Arbeit dominiert?
    • Eher standardisierte Routinen oder eher komplexe Wissensarbeit mit hoher Ungewissheit?
  2. Wie hoch ist der Innovationsdruck?
    • Geht es vor allem um Effizienz, oder um ständige Neuerfindung von Produkten und Services?
  3. Wie sieht Ihr Arbeitsmarkt aus?
    • Können Sie sich ein negatives Arbeitgeberimage leisten – oder sind Sie auf rare Spezialisten angewiesen?
  4. Wie reif ist Ihre Führungskultur?
    • Gibt es bereits Erfahrungen mit Delegation, Selbstorganisation, Feedbackkultur?
  5. Welche rechtlichen Rahmenbedingungen gelten konkret?
    • Nationale Gesetze, Tarifverträge, Betriebsvereinbarungen, Kundenanforderungen (z. B. in regulierten Branchen).

Wenn Sie vor allem komplexe Projekte, Wissensarbeit und hochqualifizierte Fachkräfte haben, ist ein 996-nahes System meist ein strategischer Fehler.
Der Fokus sollte dann auf einer klaren, aber realistischen New-Work-Umsetzung liegen – mit definierter Leistungskultur.


Praxisempfehlung: So bringen Sie Leistungskultur und New Work zusammen

Die Kernfrage lautet nicht „996-System oder New Work?“, sondern:
Wie definieren wir eine Hochleistungskultur, die rechtssicher, menschlich und wirtschaftlich sinnvoll ist?

Bewährte Eckpfeiler:

  1. Leistung klar definieren
    • Konkrete, messbare Ziele auf Unternehmens-, Team- und Individualebene
    • Klare Erwartungen an Qualität, Verfügbarkeit und Zusammenarbeit
  2. Arbeitszeit ehrlich betrachten
    • Transparente Zeiterfassung, sauberes Überstunden-Management
    • Keine verdeckte Erwartungskultur nach dem Motto „offiziell 40 Stunden, inoffiziell 55“
  3. Belastung steuern, nicht ignorieren
    • Zeitlich begrenzte Hochlastphasen mit klarer Kompensation
    • Planung von Pufferzeiten für Wartung, Aufräumen, Lernen
  4. Entscheidungsbefugnisse ausbalancieren
    • Klare Entscheidungsspielräume auf Team- und Projektebene
    • Führung, die Eskalationswege kennt und Blockaden aktiv löst
  5. Transparente Kommunikation
    • Offen kommunizierte Prioritäten, Abbrüche und Umpriorisierungen
    • Raum für Widerspruch, wenn Kapazitäten oder Risiken nicht passen

Ein New-Work-Ansatz, der diese Punkte ernst nimmt, erzeugt deutlich mehr nachhaltige Performance als ein blindes Hochdrehen der Arbeitszeit-Schraube.


Konkrete Schritte für die nächsten 6–12 Monate

Wer aus einem latent 996-ähnlichen Modus in Richtung New Work mit klarer Leistungskultur gehen will, braucht ein strukturiertes Vorgehen.

1. Ist-Analyse der Arbeitsrealität

2. Gemeinsames Leistungsverständnis entwickeln

3. Arbeitszeit- und Verfügbarkeitsregeln schärfen

4. Führungskräfte befähigen

5. Pilotbereiche auswählen

6. Skalierung und Verankerung

So entsteht ein Ansatz, der weder in ineffiziente „Feelgood-Experimente“ noch in riskante 996-Muster abgleitet, sondern Leistung und New Work verbindet.


Fazit: Leistungsfähige Teams ohne 996-System

Das Spannungsfeld „996-System vs. New Work“ lässt sich auf eine einfache Formel bringen:

Für Entscheider, Projektmanager und Führungskräfte in DACH bedeutet das:

Wenn Sie Ihre Organisation aus einem latent überlasteten Modus in eine moderne, tragfähige Leistungskultur führen wollen, ist Unterstützung von außen oft hilfreich.
PURE Consultant begleitet Unternehmen genau in diesem Spannungsfeld: von der ehrlichen Bestandsaufnahme über das Design passender Arbeitsmodelle bis zur Umsetzung in Teams und Projekten. Ein strukturierter, erfahrener Blick von außen kann dabei der Unterschied zwischen gut gemeinter Initiative und tatsächlich wirksamer Veränderung sein.

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