RACI Matrix vs. AKV-Matrix vs. Delegation Poker

RACI Matrix vs. AKV-Matrix vs. Delegation Poker – Wer Projekte oder Linienbereiche führt, kennt das Problem: Aufgaben sind definiert, aber niemand fühlt sich wirklich zuständig. Entscheidungen dauern zu lange, Abstimmungen ziehen sich, Verantwortlichkeiten verschwimmen. Genau hier setzen drei verbreitete Werkzeuge an: RACI Matrix, AKV-Matrix und Delegation Poker.
In diesem Beitrag erfahren Sie, worin sich diese Ansätze unterscheiden, wofür sie sich eignen und wie Sie sie konkret in Ihrem Team einsetzen können. Sie bekommen praxisnahe Beispiele, Entscheidungs- und Umsetzungshilfen – damit Sie nicht über Methoden diskutieren, sondern schneller zu klaren Zuständigkeiten und besserer Zusammenarbeit kommen.

RACI Matrix vs. AKV-Matrix vs. Delegation Poker
RACI Matrix vs. AKV-Matrix vs. Delegation Poker

Warum Modelle für Verantwortlichkeiten heute unverzichtbar sind

Komplexität, Remote-Arbeit, interdisziplinäre Teams: Die Organisation von Arbeit ist anspruchsvoller geworden. Klassische Organigramme helfen nur bedingt, wenn:

Typische Symptome:

RACI Matrix, AKV-Matrix und Delegation Poker adressieren genau diese Punkte – jedoch mit unterschiedlicher Tiefe und Stoßrichtung.


Kurzüberblick: RACI, AKV-Matrix und Delegation Poker im Vergleich

In einem Satz:

Schneller Vergleich

AspektRACI MatrixAKV-MatrixDelegation Poker
FokusWer ist wofür wie verantwortlich?Passt Verantwortung zur Kompetenz und Aufgabe?Wie weit wird tatsächlich delegiert?
BetrachtungsebeneAufgabe / DeliverableRolle / Stelle / PositionEntscheidung / Themenbereich
Typischer EinsatzProjekte, ProzesseAufbauorganisation, StellenklärungFührung, Selbstorganisation, agile Teams
ErgebnisRollen-Raster je AufgabeMatrix Rolle vs. A/K/VGemeinsames Verständnis von Delegationsstufen

Was ist die RACI Matrix?

Kurzdefinition:
Die RACI Matrix ist ein Rollen- und Verantwortlichkeitsmodell, das für jede Aufgabe festlegt, wer Responsible (ausführend), Accountable (gesamtverantwortlich), Consulted (konsultiert) und Informed (zu informieren) ist.

Aufbau und Bedeutung der RACI-Rollen

Die vier Buchstaben stehen für:

Wie funktioniert die RACI Matrix in der Praxis?
Auf der einen Achse stehen die Aufgaben (z. B. Projekt-Meilensteine, Prozessschritte). Auf der anderen Achse die Rollen oder Personen. In den Schnittpunkten wird R, A, C oder I eingetragen. So entsteht ein klares Bild, wer welche Rolle bei welcher Aufgabe spielt.

Typische Einsatzszenarien für die RACI Matrix

Die RACI Matrix eignet sich besonders, wenn:

Beispiele:

Vorteile und Grenzen der RACI Matrix

Vorteile:

Grenzen:

Wenn Sie feststellen, dass zwar Zuständigkeiten definiert sind, aber Verantwortliche nichts entscheiden dürfen oder überfordert sind, reicht eine RACI Matrix allein nicht aus. Hier kommt die AKV-Matrix ins Spiel.


Was ist die AKV-Matrix?

Kurzdefinition:
Die AKV-Matrix stellt Aufgaben (A), Kompetenzen (K) und Verantwortung (V) für eine Rolle oder Stelle gegenüber und prüft, ob diese drei Elemente im Gleichgewicht sind.

Die Grundidee:
Wer eine Aufgabe ausführen soll, braucht dazu passende Entscheidungsspielräume und Ressourcen (Kompetenzen) und trägt dafür eine angemessene Verantwortung – nicht mehr und nicht weniger.

Wie eine AKV-Matrix aufgebaut ist

Eine einfache AKV-Matrix besteht typischerweise aus folgenden Spalten:

  1. Aufgabe (A)
    • Was soll die Rolle tun? (z. B. „Budget für Bereich X planen“, „Mitarbeitende führen“)
  2. Kompetenzen (K)
    • Welche Entscheidungsrechte und Mittel stehen zur Verfügung?
    • z. B. Budgethöhe, Unterschriftsbefugnisse, Weisungsbefugnisse
  3. Verantwortung (V)
    • Wofür wird die Rolle tatsächlich zur Rechenschaft gezogen?
    • z. B. Budgeteinhaltung, Zielerreichung, Compliance-Anforderungen

Optional können Sie ergänzen:

Wie funktioniert die AKV-Matrix in der Praxis?
Sie nehmen eine Rolle (z. B. „Leitung IT“, „Product Owner“, „Teamleiter Fachbereich“) und listen deren wesentliche Aufgaben auf. Dann hinterlegen Sie zu jeder Aufgabe, welche Kompetenzen und welche Verantwortung damit verbunden sind. Anschließend prüfen Sie, ob A, K und V in einem sinnvollen Verhältnis stehen.

Beispiele für AKV-Unstimmigkeiten

Typische Muster:

Eine saubere AKV-Matrix deckt solche Dysbalancen auf – und liefert Argumentationsgrundlagen für Anpassungen von Stellenprofilen, Organigrammen und Governance-Regeln.

Stärken und Schwächen der AKV-Matrix

Stärken:

Schwächen:

Wenn Sie also Stellen- oder Führungsrollen schärfen wollen, ist die AKV-Matrix das passendere Instrument als eine reine RACI Matrix.


Was ist Delegation Poker?

Kurzdefinition:
Delegation Poker ist ein moderierter, spielerischer Ansatz (bekannt aus Management 3.0), mit dem Führungskräfte und Teams aushandeln, wie weit Entscheidungen für bestimmte Themen delegiert werden sollen.

Ziel ist nicht nur Klarheit, wer entscheidet, sondern auch ein gemeinsames Verständnis wie weit diese Entscheidungskompetenz reicht.

Die 7 Delegationsstufen im Überblick

In der verbreiteten Variante gibt es sieben Stufen der Delegation – von sehr zentral bis weitgehend selbstorganisiert:

  1. Sag du mir, was ich tun soll
    • Führungskraft entscheidet, Team setzt um
  2. Ich entscheide und erkläre es dir
    • klare Top-down-Entscheidung mit Begründung
  3. Ich entscheide nach deiner Meinung
    • Führung holt Input, entscheidet aber selbst
  4. Wir entscheiden gemeinsam
    • Konsens- oder Mehrheitsentscheidung
  5. Du entscheidest nach meiner Meinung
    • Team entscheidet, berücksichtigt Sicht der Führung
  6. Du entscheidest, ich möchte informiert werden
    • eigenverantwortliche Entscheidung mit Information
  7. Du entscheidest, ich muss es nicht wissen
    • vollständige Delegation, echtes Loslassen

Wie funktioniert Delegation Poker konkret?

Resultat: ein bewusst verhandelter Delegationsgrad, statt impliziter Erwartungen und stiller Enttäuschungen.

Wann ist Delegation Poker sinnvoll?

Delegation Poker eignet sich besonders, wenn:

Im Gegensatz zu RACI Matrix und AKV-Matrix geht es weniger um formale Rollenbeschreibung, sondern um gelebte Entscheidungs- und Vertrauenskultur.


RACI Matrix vs. AKV-Matrix vs. Delegation Poker: Die wichtigsten Unterschiede

Was ist der Unterschied zwischen RACI Matrix und AKV-Matrix?

Wo liegt der Unterschied zwischen RACI Matrix und Delegation Poker?

Wie unterscheidet sich die AKV-Matrix von Delegation Poker?

Kurz gesagt:


Welches Instrument sollten Sie wann einsetzen?

Sie müssen sich nicht für ein einziges Modell entscheiden. Sinnvoll ist eine situationsabhängige Kombination:

RACI Matrix, wenn …

AKV-Matrix, wenn …

Delegation Poker, wenn …


Praxisbeispiele: So sieht der Einsatz konkret aus

Beispiel 1: IT-Projekt – Einführung eines CRM-Systems (RACI Matrix)

Ausgangssituation:

Vorgehen mit RACI:

Nutzen:

Beispiel 2: Linienorganisation – Schärfung einer Teamleiterrolle (AKV-Matrix)

Ausgangssituation:

Vorgehen mit AKV-Matrix:

Nutzen:

Beispiel 3: Agiles Team – Klärung von Entscheidungsgrenzen (Delegation Poker)

Ausgangssituation:

Vorgehen mit Delegation Poker:

Nutzen:


Schritt-für-Schritt: So führen Sie die drei Modelle sinnvoll ein

1. Ziel und Anwendungsbereich klären

Beantworten Sie vorab:

2. Passende Methode auswählen oder kombinieren

Häufig ist eine Kombination sinnvoll, z. B.:

3. Stakeholder frühzeitig einbeziehen

Egal welches Instrument Sie nutzen:

4. Moderierte Workshops statt „Excel im stillen Kämmerlein“

Viele Versuche scheitern daran, dass jemand „mal schnell“ eine Matrix baut und dann per Mail verschickt. Erfolgsfaktoren:

5. Dokumentieren, kommunizieren, nachhalten


Häufige Fehler und wie Sie sie vermeiden

1. Methoden ohne klares Ziel einsetzen

2. RACI mit zu vielen „Responsible“ und „Accountable“ füllen

3. AKV-Matrix nur als Formalie für die Personalabteilung sehen

4. Delegation Poker als einmalige „Spielerei“ durchführen

5. Ergebnisse nicht mit realen Entscheidungsprozessen abgleichen


Fazit: Nicht RACI Matrix oder AKV-Matrix oder Delegation Poker – sondern ein kluger Mix

RACI Matrix, AKV-Matrix und Delegation Poker lösen unterschiedliche, aber eng verwandte Probleme:

Für Entscheider, Projektmanager, Führungskräfte und Fachanwender bedeutet das:
Wichtiger als die perfekte Methode ist ein bewusster Umgang mit Verantwortung, Kompetenz und Zusammenarbeit. Wenn Sie klar sagen können, wer was tut, wer entscheiden darf und wie weit Entscheidungen delegiert werden sollen, haben Sie bereits einen großen Schritt in Richtung wirksamer Organisation getan.

Wenn Sie vor der Herausforderung stehen, Projekte zu strukturieren, Rollen zu klären oder eine moderne Führungskultur zu etablieren, lohnt sich ein Blick von außen. Erfahrene Berater – etwa von der PURE Consultant – unterstützen Sie dabei, die passenden Modelle auszuwählen, praxistauglich zu kombinieren und so einzuführen, dass sie im Alltag wirklich funktionieren.

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