Häufige Fehler bei der 10-20-30-Regel

Häufige Fehler bei der 10-20-30-Regel – Eine schlanke Präsentation, maximal 20 Minuten, große Schrift – die 10-20-30-Regel klingt nach der perfekten Lösung für langweilige Folienschlachten. Gerade in Management-Meetings, Pitches und Projektpräsentationen wird sie daher gerne zitiert. In der Praxis erzeugt die Regel aber oft enttäuschende Ergebnisse: Entscheider bekommen nicht die Informationen, die sie brauchen, und komplexe Themen werden oberflächlich dargestellt.

In diesem Artikel erfahren Sie, was hinter der 10-20-30-Regel steckt, welche typischen Fehler bei ihrer Anwendung auftreten – und wie Sie die Regel so nutzen, dass Ihre Präsentationen tatsächlich klarer, kürzer und überzeugender werden.

Häufige Fehler bei der 10-20-30-Regel
Häufige Fehler bei der 10-20-30-Regel

Was ist die 10-20-30-Regel?

Die 10-20-30-Regel ist eine einfache Präsentationsregel, die vor allem für Pitches und Management-Präsentationen bekannt wurde. Sie besagt:

Die Grundidee: Weniger Folien zwingen zur Fokussierung, ein kurzer Vortrag hält die Aufmerksamkeit hoch, und große Schrift verhindert, dass Folien mit Text überladen werden.

In vielen Unternehmen wird diese Präsentationsregel mittlerweile als Standard für kurze Pitch-Präsentationen, Projekt-Kick-offs oder Vorlagen für Vorstandstermine verwendet. Genau dort zeigen sich aber auch die häufigsten Fehler.


Warum die 10-20-30-Regel in der Praxis oft scheitert

Auf dem Papier ist die Regel eingängig. In der realen Management- und Projektpraxis prallen jedoch mehrere Anforderungen aufeinander:

Wenn diese Komplexität mit einer einfachen Zahlendrehregel „10-20-30“ gelöst werden soll, passieren typische Missverständnisse:

Die Folge: Präsentationen sind zwar formal „schlank“, inhaltlich aber entweder zu dünn oder zu verwirrend. Genau hier setzen die häufigsten Fehler bei der 10-20-30-Regel an.


Häufige Fehler bei der 10-20-30-Regel – und wie sie entstehen

1. Die 10-20-30-Regel als Dogma statt als Leitlinie

Viele Organisationen interpretieren die Regel als starre Vorgabe:

„Du hast 10 Folien, 20 Minuten – mehr geht nicht.“

Damit wird die eigentliche Intention verfehlt. Die Regel soll zur Fokussierung zwingen, nicht sinnvolle Varianten verbieten. Typische Symptome:

Besser: Die 10-20-30-Regel als Startpunkt nutzen und bewusst entscheiden:


2. Zu viel Inhalt auf zu wenigen Folien

Ein verbreiteter Irrtum: „Wenn ich nur 10 Folien habe, muss ich eben mehr auf jede Folie packen.“

Typische Fehlentwicklungen:

Damit unterlaufen Sie den Kern der Regel: Reduktion und Klarheit. Auch mit 30-Punkt-Schrift lässt sich eine Folie überladen, etwa durch:

Praxis-Tipp:
Beantworten Sie für jede Folie eine einfache Frage:

„Was ist die eine Botschaft, die das Publikum von dieser Folie mitnehmen soll?“

Alles, was diese eine Botschaft nicht unterstützt, gehört:


3. Falsches Verständnis der 20 Minuten Präsentationszeit

Viele Anwender verstehen „20 Minuten“ als reine Vortragszeit und planen keine Sekunde Puffer ein. Ergebnis:

Gerade Entscheider nutzen Zwischenfragen gezielt, um Relevanz, Risiken und Effekte schneller zu verstehen. Wer dann nicht flexibel ist, wirkt schlecht vorbereitet.

Besser:

So kann die Präsentation kurz bleiben, ohne den Dialog abzuwürgen. Insbesondere bei Projektentscheidungen ist die Diskussion oft wichtiger als eine zusätzliche Folie.


4. Die 10-20-30-Regel ohne klares Ziel anwenden

Ein häufiger, strategischer Fehler: Die Regel wird angewendet, ohne das Ziel der Präsentation sauber zu definieren.

Typische Ziele könnten sein:

Ohne klares Ziel entsteht eine Folienfolge, die zwar formal sauber ist, aber im Meeting nicht die gewünschte Wirkung entfaltet:

Leitfrage vor jeder Folienplanung:

„Welche Entscheidung oder welches Verhalten soll das Publikum nach dieser Präsentation zeigen?“

Erst wenn diese Frage beantwortet ist, macht es Sinn, die 10-20-30-Regel als Rahmen zu nutzen.


5. Keine Anpassung an Zielgruppe und Kontext

Die gleiche Präsentationsregel wird häufig für völlig unterschiedliche Zielgruppen genutzt:

Ein klassischer Fehler: Einheitspräsentationen, die keiner Zielgruppe wirklich gerecht werden. Zum Beispiel:

Empfehlung:

Passen Sie die Umsetzung der 10-20-30-Regel dem Setting an:


6. Fehlender roter Faden – Folien statt Story

Ein weiterer häufiger Fehler: Die 10-20-30-Regel wird auf der Foliensammlung angewendet, nicht auf der Story. Das führt zu:

Gerade bei komplexen Projekten oder IT-Themen ist eine einfache Storyline entscheidend, z. B.:

  1. Ausgangssituation / Problem
  2. Zielbild / Vision
  3. Lösungsansatz / Alternative(n)
  4. Business Case / Nutzen / Aufwand
  5. Risiken & Abhängigkeiten
  6. Empfehlung & nächste Schritte

Die 10 Folien sollten diese Story unterstützen – nicht ersetzen. Ohne roten Faden hilft auch die beste Regel nicht.


7. Fokussierung nur auf Gestaltung, nicht auf Argumentation

Viele Teams nutzen die 10-20-30-Regel vor allem als Design-Regel:

Was oft übersehen wird: Entscheider überzeugen Sie nicht mit Design, sondern mit Argumenten:

Wenn die argumentativen Schwächen bleiben, aber nur hübscher gestaltet werden, entsteht ein schöner, aber inhaltsleerer Vortrag. Die Regel entfaltet dann keine Wirkung.


8. Die Regel als Ersatz für Vorbereitung missbrauchen

Ein subtiler, aber häufiger Fehler: Die 10-20-30-Regel wird benutzt, um fehlende Vorbereitung zu kaschieren.

In Diskussionen zeigt sich dann schnell:

Die Regel ist kein Shortcut für inhaltliche Vorbereitung. Im Gegenteil: Je knapper Sie präsentieren, desto besser muss Ihr Hintergrundwissen sitzen.


9. Keine Trennung zwischen Präsentation und Dokumentation

Gerade im Projekt- und IT-Umfeld herrscht oft die Erwartung:

„Schick mir nach dem Termin einfach die Folien – dann habe ich alles.“

Das führt zu einem zentralen Fehler: Die Präsentation wird zum Dokumentenersatz. Die 10-20-30-Regel kommt damit zwangsläufig an ihre Grenzen, denn:

Lösung: Trennen Sie bewusst:

Die 10-20-30-Regel passt zur Präsentation – nicht zwingend zur Dokumentation.


10. Die Regel auf jeden Präsentationstyp anwenden

Nicht jede Präsentation eignet sich für die 10-20-30-Regel. Häufige Fehlanwendungen:

Wenn hier dogmatisch 10 Folien und 20 Minuten angesetzt werden, bleiben Verständnis und Qualität auf der Strecke.

Orientierung:


Wie Sie die 10-20-30-Regel sinnvoll nutzen – statt an ihr zu scheitern

Um die häufigen Fehler bei der 10-20-30-Regel zu vermeiden, hilft ein pragmatischer Ansatz in drei Schritten.

Schritt 1: Ziel und Entscheidung klären

Bevor Sie an Folien oder Zeitlimits denken:

  1. Ziel definieren:
    • Welche Entscheidung soll getroffen werden?
    • Welche Information braucht das Gremium wirklich?
  2. Adressaten klären:
    • Wer sitzt im Raum?
    • Welches Vorwissen ist vorhanden?
    • Welche Einwände sind zu erwarten?
  3. Botschaft schärfen:
    • Was sind die 2–3 Kernaussagen, die unbedingt hängen bleiben müssen?

Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, lohnt es sich, die Regel als Check zu verwenden.


Schritt 2: Storyline vor Folien entwickeln

Entwickeln Sie zunächst Ihre Story – ohne an Slides zu denken:

Dann prüfen Sie:

So entstehen Präsentationen, die in sich schlüssig sind – unabhängig davon, ob es exakt 10 Folien werden oder 11.


Schritt 3: Die 10-20-30-Regel als Qualitätscheck nutzen

Nutzen Sie die Regel am Ende als Prüfrahmen:

  1. 10-Folien-Check
    • Gibt es Folien, die mehrere Botschaften gleichzeitig transportieren?
    • Können Sie Themen sinnvoll zusammenfassen oder auslagern?
    • Gibt es redundante Folien, die Sie streichen können?
  2. 20-Minuten-Check
    • Schaffen Sie den Vortragsteil in 15 Minuten?
    • Haben Sie bewusst Zeit für Fragen und Diskussion eingeplant?
    • Gibt es Stellen, an denen Sie sich regelmäßig verzetteln?
  3. 30-Punkt-Check
    • Ist die Mindestschriftgröße wirklich eingehalten – auch in Grafiken und Legenden?
    • Lassen sich alle Texte aus der letzten Reihe lesen?
    • Gibt es Folien, die trotz großer Schrift zu textlastig sind?

Die Regel wird damit von einer starren Vorgabe zu einem Qualitätsfilter für Klarheit und Relevanz.


Praxisbeispiel: Gute vs. schlechte Anwendung im Projektkontext

Beispiel 1: Projekt-Pitch vor dem Lenkungsausschuss – schlecht umgesetzt

Ergebnis:
Der Ausschuss vertagt die Entscheidung. Es wird ein weiterer Termin mit mehr Details angefordert. Die Präsentation war zwar formal schlank, aber nicht entscheidungsreif.

Beispiel 2: Gleicher Pitch – gut umgesetzt

Ergebnis:
Wesentliche Fragen können im Termin geklärt werden, der Lenkungsausschuss fühlt sich ausreichend informiert und trifft eine Entscheidung. Die Präsentation war fokussiert und dialogfähig.


Checkliste: So vermeiden Sie die häufigsten Fehler bei der 10-20-30-Regel

Vor der Erstellung:

Bei der Konzeption:

Bei der Ausarbeitung:

Zeit- und Ablaufplanung:

Abschluss-Check (10-20-30-Regel):

Wenn Sie diese Punkte konsequent prüfen, reduzieren Sie die typischen Fehler bei der Anwendung der 10-20-30-Regel deutlich.


Fazit: Die 10-20-30-Regel ist hilfreich – wenn Sie sie nicht wörtlich nehmen

Die 10-20-30-Regel ist kein Allheilmittel, aber ein nützlicher Kompass für klare, fokussierte Präsentationen. Sie zwingt dazu,

Die häufigsten Fehler entstehen, wenn die Regel als starres Dogma verstanden wird oder als Abkürzung für strategische und inhaltliche Vorbereitung missbraucht wird. Wer dagegen Ziel, Zielgruppe und Story in den Mittelpunkt stellt und die 10-20-30-Regel als Qualitätsprüfung am Ende nutzt, wird gerade im Management- und Projektumfeld deutlich wirksamere Präsentationen halten.

Wenn Sie Ihre Management- und Projektpräsentationen strukturiert weiterentwickeln möchten – von der Storyline über die Entscheidungslogik bis hin zu schlanken, überzeugenden Folien – kann ein externer Blick sehr helfen. Die Berater der PURE Consultant unterstützen Sie dabei, Ihre Inhalte so aufzubereiten, dass Entscheider schnell verstehen, worum es geht, welche Optionen auf dem Tisch liegen und warum Ihre Empfehlung trägt.

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