Warum SAFe scheitert: Typische Fehler & Best Practices

Warum SAFe scheitert: Typische Fehler & Best Practices – Die Einführung des Scaled Agile Framework (SAFe) gilt in vielen Unternehmen als Königsweg, um Agilität auf die gesamte Organisation zu skalieren. In Präsentationen klingt das überzeugend, in der Realität erlebt man jedoch häufig Frust, Überlastung und am Ende ein „Zurück zu früher“.
Dieser Artikel zeigt, warum SAFe in der Praxis oft scheitert, welche typischen Fehler dahinterstecken und wie Sie SAFe so einführen, dass es tatsächlich Wert stiftet.

Warum SAFe scheitert: Typische Fehler & Best Practices
Warum SAFe scheitert: Typische Fehler & Best Practices

1. Kurze Einordnung: Was SAFe leisten soll – und was nicht

SAFe verspricht, mehrere Ebenen einer Organisation zu verbinden:

Die Kernziele von SAFe sind:

SAFe ist jedoch kein Selbstläufer, sondern ein Framework mit umfangreichen Rollen, Events und Artefakten. Wer diese nur formal „installiert“, aber die Kultur und die Struktur nicht anpasst, legt den Grundstein für ein späteres Scheitern.


2. Warum SAFe in der Praxis so häufig scheitert

Viele SAFe-Transformationen scheitern nicht am Framework selbst, sondern an erwartbaren Fehlannahmen und Implementierungsfehlern. Im Kern geht es fast immer um eins: Man verändert die Oberfläche, aber nicht das System dahinter.

Im Folgenden finden Sie die typischen Stolpersteine.


3. Typische Fehler bei der SAFe-Einführung

3.1 Cargo-Cult-Agilität: Man kopiert SAFe statt es zu verstehen

Einer der grundlegendsten Fehler besteht darin, dass Unternehmen SAFe als Checkliste verstehen. Man führt dann zwar PI Plannings, ARTs und neue Rollen ein, aber man hinterfragt weder bestehende Entscheidungswege noch die Kultur.

Typische Anzeichen:

Konsequenz:
Die Organisation führt neue Meetings und Begriffe ein, doch die bisherigen Probleme bleiben bestehen. Die Leute erleben SAFe deshalb als zusätzliche Bürokratie, und die Akzeptanz sinkt massiv.

Gegenmaßnahme:
Statt das Framework nur formal umzusetzen, sollten Sie Lean- und Agile-Prinzipien konsequent vermitteln und diskutieren. Menschen akzeptieren neue Rituale eher, wenn sie wissen, welches Problem diese lösen sollen.


3.2 Fehlendes Lean-Agile-Mindset im Management

SAFe betont zwar die Bedeutung eines Lean-Agile-Mindsets, dennoch bleibt das Top-Management in vielen Transformationsinitiativen im alten Denken stecken. Man erwartet dann „agile Teams“, verhält sich aber weiterhin streng hierarchisch und output-getrieben.

Typische Muster:

Konsequenz:
Die Teams sollen zwar agil liefern, doch die Rahmenbedingungen bleiben hochgradig traditionell. So entstehen Zynismus und Widerstand, weil Versprechen von „Empowerment“ nicht erlebbar sind.

Gegenmaßnahme:
Starten Sie die SAFe-Transformation konsequent beim Management. Dazu gehören:


3.3 Top-down-Rollout ohne Beteiligung der Teams

Viele SAFe-Implementierungen verlaufen nach dem Muster „Wir haben SAFe beschlossen, ab nächstem Quartal arbeitet ihr so“. Diese Vorgehensweise spart zwar Zeit in der Entscheidung, sie verhindert jedoch echte Ownership in den Teams.

Was häufig geschieht:

Konsequenz:
Teams fühlen sich fremdbestimmt, und sie erleben SAFe als verordnetes „Methodenpaket“. Das schwächt Engagement und Lernbereitschaft erheblich.

Gegenmaßnahme:


3.4 SAFe „by the book“ statt „fit for purpose“

Ein weiterer verbreiteter Fehler besteht darin, SAFe zu dogmatisch zu interpretieren. Einige Unternehmen glauben, sie müssten jedes Event, jede Rolle und jedes Artefakt exakt nach Lehrbuch übernehmen.

Das führt oft zu:

Konsequenz:
Die Organisation wirkt „über-agilisiert“, während der eigentliche Mehrwert von SAFe – Ausrichtung und Fluss – untergeht. Die Leute empfinden das Framework als unflexible Zwängerei.

Gegenmaßnahme:


3.5 Unzureichende Ausbildung und fehlende Coaches

SAFe ist umfangreich, dennoch sparen viele Organisationen genau dort, wo sie die meiste Unterstützung brauchen: bei Ausbildung und Coaching.

Häufige Muster:

Konsequenz:
Ohne fundiertes Verständnis entstehen Missverständnisse, und die neue Arbeitsweise verkommt zu einer Karikatur des eigentlichen Frameworks.

Gegenmaßnahme:


3.6 Tool-Fetisch statt Wertstrom-Fokus

Viele Organisationen verknüpfen die SAFe-Einführung eng mit einem neuen ALM-Tool (z. B. Jira Align, Azure DevOps). Sie glauben dann, das Tool bilde den agilen Prozess ab, und sie sehen SAFe vor allem als Konfigurationsfrage.

Was dadurch passiert:

Konsequenz:
Das Tool wird zur Scheinlösung, während grundlegende organisatorische Probleme (z. B. zu viele parallele Initiativen) bestehen bleiben.

Gegenmaßnahme:


3.7 Fehlende technische Exzellenz und DevOps-Praktiken

SAFe setzt Continuous Delivery, Automatisierung und technische Exzellenz voraus. Viele Unternehmen ignorieren das jedoch, weil sie glauben, SAFe sei vor allem eine Management- oder Prozessfrage.

Typische Probleme:

Konsequenz:
SAFe verschärft gefühlt den Druck, während die technischen Grundlagen unverändert bleiben. Teams geraten dadurch in eine chronische Überlastung.

Gegenmaßnahme:


3.8 Metriken ohne Kontext: Velocity-Fetisch und Output-Fokus

SAFe fordert Transparenz über Fortschritt und Leistung, deshalb führen viele Organisationen neue Metriken ein. Leider konzentrieren sie sich häufig auf Output-Metriken wie Story Points oder Anzahl der Features.

Was dann passiert:

Konsequenz:
Scheinbare Produktivitätssteigerungen überdecken, dass der eigentliche Nutzen für Kunden nicht wächst. Gleichzeitig steigt der Druck auf die Teams.

Gegenmaßnahme:


4. Warnsignale: Woran Sie erkennen, dass SAFe bei Ihnen scheitert

Noch bevor eine SAFe-Transformation offiziell „kippt“, zeigen sich häufig klare Warnsignale. Achten Sie insbesondere auf folgende Muster:

Wenn mehrere dieser Punkte auftreten, sollten Sie die SAFe-Einführung systematisch reflektieren, statt einfach „mehr vom Gleichen“ zu tun.


5. Best Practices für eine erfolgreiche SAFe-Einführung

Damit SAFe nicht zur teuren Scheinlösung verkommt, braucht es einen bewussten, inkrementellen und kontextsensitiven Ansatz. Die folgenden Best Practices haben sich in vielen Organisationen bewährt.

5.1 Klarer Business Case statt Modewelle

Fangen Sie nicht mit dem Framework an, sondern mit der Frage nach dem Problem:

Formulieren Sie daraus einen klaren Business Case für SAFe. So verstehen alle Beteiligten, warum sich die Anstrengung lohnt, und sie können Erfolge messbar machen.


5.2 Pilot statt Big Bang

Statt das ganze Unternehmen auf einmal umzustellen, sollten Sie mit einem oder wenigen Pilot-ARTs beginnen. Dadurch entsteht ein kontrollierter Raum für Lernen und Anpassung.

Empfehlungen:

Auf dieser Basis können Sie das Setup iterativ verbessern und später fundiert skalieren.


5.3 Investition in Ausbildung und Coaching

SAFe erfordert neue Rollen, Fähigkeiten und Denkweisen. Deshalb sollten Sie Ausbildung nicht als Kostenfaktor sehen, sondern als notwendige Investition.

Sinnvolle Maßnahmen:

Je besser Menschen den Sinn und die Prinzipien verstehen, desto eher nutzen sie das Framework reflektiert statt dogmatisch.


5.4 Führung neu denken: Vom Entscheider zum Enabler

SAFe funktioniert nur, wenn Führungskräfte ihre Rolle bewusst verändern. Sie sollten weniger detailliert steuern und stattdessen Rahmenbedingungen schaffen, in denen Teams eigenverantwortlich liefern können.

Konkret bedeutet das:

Diese Veränderung fällt vielen Verantwortlichen schwer, deshalb braucht sie Zeit, Coaching und Vorbilder.


5.5 Konsequent am Wertstrom orientieren

SAFe entfaltet seine Wirkung vor allem dann, wenn Sie sich konsequent am Wertstrom zum Kunden orientieren. Das betrifft sowohl die organisatorische Struktur als auch die Steuerung.

Best Practices:

So richten Sie die Organisation wirklich auf gemeinsame Ergebnisse aus, statt nur Rollen und Prozesse neu zu etikettieren.


5.6 Technische Exzellenz als fester Bestandteil der Roadmap

Ohne technische Exzellenz bleiben Sie trotz SAFe langsam und fehleranfällig. Deshalb sollten Sie entsprechende Maßnahmen explizit in Ihrer Planung verankern.

Konkrete Schritte:

So entsteht ein gesunder Rhythmus aus neuer Funktionalität und kontinuierlicher Verbesserung der technischen Basis.


5.7 Messen, Lernen, Anpassen

SAFe versteht sich als lernendes System, doch viele Organisationen behandeln es als starres Zielbild. Erfolgreiche Unternehmen nutzen SAFe stattdessen als Hypothese, die sie laufend überprüfen.

Praktische Ansätze:

Dadurch entsteht eine Kultur, in der SAFe nicht als Dogma gilt, sondern als Werkzeugkasten für kontinuierliche Verbesserung.


6. Fazit Warum SAFe scheitert: Typische Fehler & Best Practices: SAFe scheitert selten am Framework – sondern am Umgang damit

SAFe ist weder Wundermittel noch Bürokratiemonster per se. Es ist ein umfassendes Framework, das enorme Wirkung entfalten kann, wenn Sie es kontextsensitiv, schrittweise und prinzipienorientiert einführen.

SAFe scheitert typischerweise dann, wenn:

Wenn Sie dagegen klare Ziele definieren, Pilotbereiche nutzen, in Menschen investieren und konsequent lernen, erhöhen Sie die Wahrscheinlichkeit deutlich, dass SAFe in Ihrer Organisation tatsächlich zu mehr Wert, mehr Fokus und besserer Zusammenarbeit führt.

Weitere Einträge