SAFe Rollen & Ebenen einfach erklärt

SAFe Rollen & Ebenen einfach erklärt – Scaled Agile Framework (SAFe) gilt heute als eines der bekanntesten Rahmenwerke, um agile Methoden in großen Unternehmen zu skalieren. Viele Teams kennen Scrum bereits gut, aber auf Organisationsebene tauchen schnell Fragen auf: Welche Ebenen gibt es im SAFe? Welche Rollen sind wirklich wichtig – und wie greifen sie ineinander?

In diesem Artikel schauen wir uns die Ebenen und Rollen in SAFe Schritt für Schritt an, verständlich und gleichzeitig fachlich sauber. So erkennst du, wo dein eigener Platz im SAFe-Zusammenhang liegt und wie du mit anderen Rollen optimal zusammenarbeitest.

SAFe Rollen & Ebenen einfach erklärt
SAFe Rollen & Ebenen einfach erklärt

1. Kurzer Überblick: Was ist SAFe überhaupt?

SAFe ist ein Framework für skalierte Agilität, das mehrere agile Teams, ganze Wertströme und sogar das Portfolio-Management miteinander verbindet.

Statt nur einzelne Scrum-Teams zu optimieren, schafft SAFe einen gemeinsamen Ordnungsrahmen:

Gerade in größeren Organisationen entstehen sonst schnell Silos, Abhängigkeiten und Priorisierungskonflikte. SAFe adressiert genau diese Probleme, ohne die Grundideen agiler Arbeitsweise aufzugeben.


2. Die Ebenen im SAFe-Framework

SAFe unterscheidet je nach Konfiguration bis zu vier Ebenen. In der Praxis begegnen dir meistens:

  1. Team-Ebene
  2. Program-Ebene (Agile Release Train)
  3. Large-Solution-Ebene (für sehr große Systeme)
  4. Portfolio-Ebene

Schauen wir uns diese Ebenen nacheinander an.

2.1 Team-Ebene – dort, wo die eigentliche Arbeit passiert

Auf der Team-Ebene arbeiten agile Teams, häufig nach Scrum oder Kanban.

Typische Merkmale:

Die Team-Ebene fokussiert sich stark auf die operative Umsetzung, während höhere Ebenen für Ausrichtung und Koordination sorgen.

2.2 Program-Ebene – der Agile Release Train (ART)

Mehrere agile Teams, die gemeinsam an einem Produkt oder System arbeiten, formen im SAFe einen Agile Release Train (ART).

Charakteristika eines ART:

Der ART sorgt dafür, dass alle Teams auf ein gemeinsames Ziel einzahlen, sodass nicht jedes Team seine eigene Agenda verfolgt.

2.3 Large-Solution-Ebene – wenn ein ART nicht mehr reicht

In sehr großen Unternehmen oder bei sehr komplexen Systemen arbeiten oft mehrere ARTs zusammen. Hier kommt die Large-Solution-Ebene ins Spiel.

Sie koordiniert:

Nicht jede Organisation benötigt diese Ebene, aber bei sicherheitskritischen oder stark regulierten Systemen wird sie schnell unverzichtbar.

2.4 Portfolio-Ebene – Ausrichtung auf Unternehmensstrategie

Die Portfolio-Ebene verbindet SAFe mit der strategischen Ausrichtung des Unternehmens.

Hier geht es um:

Dadurch lässt sich sicherstellen, dass die Arbeit in den Teams direkt mit Unternehmenszielen verknüpft bleibt und nicht an der Strategie vorbeiläuft.


3. Wichtige SAFe-Rollen auf einen Blick

SAFe definiert eine Reihe klarer Rollen, sodass Verantwortung und Entscheidungsbefugnisse transparent bleiben. Diese Rollen verteilen sich über die Ebenen.

Wir betrachten die wichtigsten:


4. Rollen auf der Team-Ebene

Auf der Team-Ebene orientiert sich SAFe stark an Scrum, ergänzt dies aber um einige SAFe-spezifische Aspekte.

4.1 Product Owner (PO)

Der Product Owner verantwortet den Wert der Arbeit, die das Team liefert.

Seine Kernaufgaben:

Der PO agiert als Übersetzer zwischen Business und Team, sodass Anforderungen klar und verständlich in das Team einfließen.

4.2 Scrum Master / Team Coach

Der Scrum Master (in neueren SAFe-Versionen oft als Team Coach bezeichnet) sorgt dafür, dass das Team effektiv und nach agilen Prinzipien arbeitet.

Seine Aufgaben:

Er ist kein Projektmanager im klassischen Sinn, sondern ein Servant Leader, der das Team stärkt und schützt.

4.3 Agile Team-Mitglieder

Die Teammitglieder (Developers, Engineers, Tester etc.) tragen gemeinsam die Verantwortung für die Lieferung eines qualitativ hochwertigen Inkrements.

Typische Eigenschaften:

In SAFe sprechen viele Praktiker lieber von „Agile Teams“ statt von getrennten Funktionen, weil der Fokus konsequent auf dem gemeinsamen Ergebnis liegt.


5. Rollen auf der Program-/ART-Ebene

Auf der Program-Ebene dreht sich im SAFe alles um den Agile Release Train.

5.1 Release Train Engineer (RTE)

Der Release Train Engineer ist so etwas wie der „Scrum Master des ganzen Trains“.

Seine Verantwortung:

Damit hält der RTE den Train zusammen, ohne selbst hierarchische Macht auszuüben.

5.2 Product Manager

Während der PO für das Team-Backlog verantwortlich ist, übernimmt der Product Manager das Program Backlog auf ART-Ebene.

Aufgaben des Product Managers:

Der Product Manager sorgt dafür, dass der gesamte ART auf die richtigen geschäftlichen Ergebnisse hinarbeitet.

5.3 System Architect / Solution Architect

Der System Architect (oder Solution Architect) verantwortet die technische und architektonische Ausrichtung des ART.

Typische Aufgaben:

Dadurch entsteht eine klare technische Vision, die trotzdem genügend Freiraum für Team-Autonomie lässt.

5.4 Business Owner

Business Owner vertreten die geschäftliche Verantwortung für den ART.

Sie:

Business Owner sind damit Schlüsselakteure für die Verbindung von Business und Delivery.


6. Rollen auf der Large-Solution-Ebene

Wenn mehrere ARTs gemeinsam eine sehr große Lösung liefern, treten zusätzliche Rollen hinzu.

6.1 Solution Train Engineer (STE)

Der Solution Train Engineer ist vergleichbar mit einem RTE auf einer höheren Ebene.

Er koordiniert:

So hält der STE die Vielzahl an Beteiligten zusammen, ohne in ein klassisch hierarchisches Projektmanagement zu verfallen.

6.2 Solution Management

Solution Management übernimmt die Rolle der Product Manager, allerdings für die gesamte Lösung, die aus mehreren ARTs besteht.

Sie:

6.3 Solution Architect

Der Solution Architect verantwortet die technische Gesamtsicht über mehrere ARTs hinweg.

Er:


7. Rollen auf der Portfolio-Ebene

Auf Portfolio-Ebene geht es um Strategie, Investitionsentscheidungen und Governance.

7.1 Lean Portfolio Management (LPM)

Das Lean Portfolio Management ist ein Gremium, das Budget und Strategie mit agiler Arbeitsweise verbindet.

Es:

Dadurch lassen sich lange Entscheidungswege verkürzen, während trotzdem eine klare strategische Steuerung erhalten bleibt.

7.2 Epic Owner

Epic Owner verantworten einzelne Business- oder Enabler-Epics auf Portfolio-Ebene.

Sie:

Mit dieser Rolle lässt sich vermeiden, dass große Initiativen „anonym“ verlaufen, denn jede Initiative besitzt eine klar erkennbare Ansprechperson.


8. Wie die Rollen über alle Ebenen zusammenspielen

SAFe entfaltet seine Stärke, wenn Rollen und Ebenen sauber aufeinander abgestimmt agieren. Zur Veranschaulichung hilft eine typische Wertschöpfungskette:

  1. Strategie & Portfolio
    • LPM und Business Owner definieren Strategic Themes und priorisieren Epics.
    • Epic Owner treiben konkrete Initiativen voran.
  2. Program-/ART-Ebene
    • Product Manager übersetzen Epics in Features.
    • RTE und System Architect koordinieren Umsetzung und Architektur.
  3. Team-Ebene
    • Product Owner brechen Features in User Stories herunter.
    • Agile Teams liefern in Iterationen funktionierende Inkremente.

Dadurch entsteht ein roter Faden vom Unternehmensziel bis zur einzelnen User Story.

Diese Durchgängigkeit funktioniert nur, wenn Rollen aktiv miteinander kommunizieren:


9. Typische Missverständnisse zu SAFe-Rollen und -Ebenen

Bei der Einführung von SAFe tauchen immer wieder ähnliche Missverständnisse auf. Ein klarer Blick auf Rollen und Ebenen hilft, diese Stolperfallen zu vermeiden.

9.1 „SAFe ist nur mehr Hierarchie“

Viele glauben, SAFe führe zusätzliche Hierarchiestufen ein. In Wirklichkeit beschreibt SAFe vor allem Verantwortungsbereiche und Kommunikationswege, nicht klassische Hierarchien.

9.2 „Rollen sind nur neue Titel“

Manche Organisationen vergeben SAFe-Rollen einfach als neue Titel, ohne das dahinterliegende Mindset zu verändern.

Damit entsteht schnell Frust, weil zwar die Begriffe neu klingen, die Arbeitsweise sich jedoch kaum ändert.

Ein wirksames SAFe-Setup benötigt:

9.3 „Wir brauchen alle Ebenen sofort“

Nicht jedes Unternehmen muss sofort alle vier Ebenen einführen. Oft reicht zunächst:

Erst wenn Größe, Komplexität oder Regulierung es verlangen, lohnt sich die Large-Solution-Ebene. SAFe versteht sich bewusst als Baukasten, den du passend zu deiner Organisation zuschneidest.


10. Fazit SAFe Rollen & Ebenen einfach erklärt: SAFe-Rollen und -Ebenen als Landkarte verstehen

Wenn du SAFe zum ersten Mal siehst, wirk es manchmal überladen. Sobald du die Ebenen und Rollen jedoch als Landkarte begreifst, entsteht schnell Klarheit:

Für die Praxis bedeutet das:

So entsteht nach und nach ein SAFe-Setup, das agile Prinzipien skaliert, ohne sie zu verwässern, und das gleichzeitig genug Struktur für große Organisationen bietet.

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