Vorteile des GROW Modell im Coaching – In vielen Unternehmen fehlt im Alltag die Zeit für lange Entwicklungsprogramme – gleichzeitig steigen die Erwartungen an Führung, Projektsteuerung und Veränderungsfähigkeit. Genau hier setzt das GROW Modell im Coaching an: Es bietet eine klare Struktur für Gespräche, die Ergebnisse liefern, statt sich im Problem zu drehen.
In diesem Beitrag erfahren Sie, welche Vorteile das GROW Modell im Coaching tatsächlich bringt, wie Sie es als Führungskraft, Projektmanager oder Fachexperte anwenden und wo seine Grenzen liegen. Ziel ist, dass Sie nach der Lektüre nicht nur wissen, was GROW ist, sondern wie Sie damit konkrete Gespräche in Ihrem Arbeitsalltag wirksamer führen.
Was ist das GROW Modell im Coaching?
Das GROW Modell im Coaching ist ein strukturierter Gesprächsrahmen, der in vier Schritten hilft, von einem Anliegen zu einem verbindlichen Handlungsplan zu kommen.
GROW steht für:
- G – Goal: Ziel klären
- R – Reality: aktuelle Situation verstehen
- O – Options: Handlungsoptionen entwickeln
- W – Will / Way forward: Entscheidung und konkreter Plan
Anstatt Ratschläge „von oben“ zu geben, unterstützt das GROW-Modell den Coachee oder Mitarbeiter dabei, eigene Lösungen zu erarbeiten. Das erhöht Akzeptanz, Bereitschaft zur Umsetzung und nachhaltige Wirkung.
Warum das GROW-Modell für Führungskräfte und Projektmanager so relevant ist
In der Praxis sind Coaching-Gespräche im Unternehmen selten „reines Coaching“. Oft geht es um:
- Mitarbeiterentwicklung und Talentförderung
- Zielvereinbarungen und Performance-Gespräche
- Retrospektiven in Projekten
- Konfliktklärung im Team
- Entscheidungsfindung unter Druck
Führungskräfte und Projektleiter brauchen dafür ein leicht anwendbares, aber wirksames Vorgehen. Genau das bietet das GROW-Modell:
- Es ist einfach zu merken (4 Schritte, klare Reihenfolge).
- Es ist themenunabhängig (von der Karrierefrage bis zum Projektproblem).
- Es passt in 30–60-minütige Gespräche, wie sie im Arbeitsalltag üblich sind.
Dadurch eignet sich das GROW-Modell nicht nur für professionelle Coaches, sondern gerade für Leader, Scrum Master, Projektleiter oder interne Berater, die im Gespräch schnell zu tragfähigen Lösungen kommen wollen.
Zentrale Vorteile des GROW Modell im Coaching
Im Folgenden die wichtigsten Vorteile des GROW-Modells – jeweils mit praktischer Einordnung.
1. Klarheit über Ziele statt diffus über Probleme sprechen
Viele Gespräche beginnen mit: „Wir haben ein Problem …“. Ohne Struktur bleibt man leicht im Problem stecken.
Der erste Schritt im GROW-Modell, Goal, zwingt dazu, das Ziel sauber zu klären:
- Was soll nach dem Gespräch anders sein?
- Woran erkennen wir in drei Monaten, dass wir Erfolg hatten?
- Was ist das Minimum-Ziel, was wäre ein Best-Case?
Vorteil:
Statt sich zu beschweren oder Schuldige zu suchen, richten sich beide Gesprächspartner auf ein konkretes Ergebnis aus. Das spart Zeit, reduziert Konflikte und macht Entscheidungen messbarer.
2. Realistische Einschätzung der Ausgangslage
Im Schritt Reality geht es darum, die aktuelle Situation ehrlich zu analysieren:
- Was läuft bereits gut?
- Welche Rahmenbedingungen sind gegeben (Budget, Zeit, Ressourcen)?
- Welche Versuche hat es schon gegeben – mit welchem Ergebnis?
Gerade in Unternehmen wird dieser Schritt häufig übersprungen. Man springt vom Problem direkt zu Maßnahmen. Folge: Lösungen scheitern an Annahmen, die nicht zur Realität passen.
Vorteil:
Das GROW-Modell sorgt dafür, dass Entscheidungen auf Fakten basieren und nicht auf spontanen Einschätzungen – wichtig insbesondere in Projekten, in denen mehrere Stakeholder beteiligt sind.
3. Breiteres Lösungsspektrum statt Standardantworten
Im Schritt Options werden Ideen gesammelt, ohne sie sofort zu bewerten. Typische Fragen:
- Welche Möglichkeiten sehen Sie spontan?
- Wenn Budget keine Rolle spielen würde: Was würden Sie tun?
- Welche kleinste Änderung hätte die größte Wirkung?
Dadurch werden nicht nur offensichtliche Standardmaßnahmen sichtbar, sondern auch kreative, pragmatische oder unkonventionelle Varianten.
Vorteil:
Statt „Schema F“ erhalten Sie mehrere tragfähige Optionen, aus denen sich später ein besserer Plan bauen lässt. Das steigert Qualität und Akzeptanz der Entscheidung.
4. Verbindliche Umsetzung statt vager Absichtserklärungen
Der letzte Schritt, Will / Way forward, ist der entscheidende Unterschied zu vielen „netten Gesprächen“, nach denen doch nichts passiert. Hier wird konkret:
- Was genau werden Sie bis wann tun?
- Welche ersten Schritte gehen Sie in den nächsten 7 Tagen?
- Woran merken Sie, dass Sie auf dem richtigen Weg sind?
- Welche Unterstützung brauchen Sie – von wem?
Vorteil:
Aus einem vagen „Wir müssen mal …“ wird ein konkreter Umsetzungsplan mit Verantwortlichkeiten und Terminen. Das ist besonders relevant für Führungskräfte, die ihre Mitarbeiter zu eigenständigem Handeln befähigen wollen.
5. Stärkung von Eigenverantwortung und Motivation
Ein Kerngedanke im GROW Coaching: Der Coachee findet eigene Lösungen, statt dass die Führungskraft Anweisungen gibt. Das hat mehrere Effekte:
- Die Person übernimmt mehr Verantwortung für ihr Handeln.
- Die Motivation steigt, weil der Plan „ihr“ Plan ist.
- Abhängigkeiten zur Führungskraft werden geringer.
Vorteil:
Das GROW-Modell fördert eine Coaching-orientierte Führungskultur, in der Mitarbeiter wachsen und Entscheidungen zunehmend selbst treffen – ein wichtiger Faktor in agilen, komplexen Umfeldern.
6. Wiederholbare Struktur – ideal für viele Gesprächsanlässe
Weil das GROW Modell so klar aufgebaut ist, lässt es sich immer wieder nutzen:
- im monatlichen Mitarbeitergespräch
- in Projekt-Retrospektiven („Was wollen wir verbessern?“)
- in 1:1-Coachings mit Schlüsselpersonen
- in Eskalationsgesprächen zu kritischen Themen
Vorteil:
Für Organisationen entsteht eine gemeinsame Sprache für Entwicklungsgespräche. Das erleichtert Training, Qualitätskontrolle und die Skalierung eines coaching-orientierten Führungsstils.
Konkrete Einsatzszenarien in der Unternehmenspraxis
Mitarbeiterentwicklung und Talentförderung
Sie möchten einen High Potential auf eine Führungsrolle vorbereiten. Statt einen standardisierten Entwicklungsplan „von der Stange“ aufzusetzen, nutzen Sie das GROW-Modell:
- Goal: In 12 Monaten soll die Person ein kleines Team führen können.
- Reality: Fachlich stark, aber wenig Erfahrung in Konfliktklärung und Delegation.
- Options: Shadowing, Mentoring durch eine erfahrene Führungskraft, Führungsseminar, Übernahme einer kleinen Projektleitung, Feedback-Reflexion nach kritischen Situationen.
- Will: Konkreter Plan für die nächsten 3–6 Monate mit Meilensteinen.
So entsteht ein individueller Entwicklungsplan, der sich an tatsächlichen Stärken und Lücken orientiert.
Performance- und Zielgespräche
Zielvereinbarungen scheitern oft, weil sie aus Sicht der Mitarbeiter „von oben“ gesetzt sind. Setzen Sie das GROW-Modell ein:
- Mitarbeiter formuliert zunächst eigene Ziele (Goal).
- Gemeinsam wird geprüft, wie realistisch diese im aktuellen Kontext sind (Reality).
- Sie entwickeln gemeinsam Varianten, um Ziele ambitioniert, aber erreichbar zu gestalten (Options).
- Am Ende stehen konkrete OKRs oder KPIs mit klarer Verantwortung (Will).
Ergebnis: Ziele, die gemeinsam getragen werden – und nicht als reines Controlling-Instrument wahrgenommen werden.
Projekt- und Change-Management
Im Projekt steckt ein Team fest: Deadlines, Abhängigkeiten, Konflikte – alle sehen das Problem, niemand den Ausweg. Ein GROW-basiertes Workshop-Format kann helfen:
- Goal: Klarheit über Prioritäten und nächste Schritte für die kommenden 4 Wochen.
- Reality: Welche Blocker gibt es? Welche Ressourcen sind tatsächlich da?
- Options: Features verschieben, Teamzuschnitt anpassen, Entscheidungswege verkürzen, Stakeholder frühzeitiger einbinden.
- Will: Konkrete To-do-Liste, wer bis wann was umsetzt; Review-Termin in 2 Wochen.
So entsteht aus einer diffusen Krise ein strukturierter Aktionsplan, den alle mittragen.
Selbstcoaching für Führungskräfte
Das GROW Modell lässt sich auch als Selbstreflexions-Tool nutzen: Sie führen das Gespräch quasi mit sich selbst – oder schriftlich:
- Was ist mein eigentliches Ziel in dieser Situation?
- Wie sieht die Realität wirklich aus (inkl. eigener Anteile)?
- Welche Optionen habe ich – jenseits meiner ersten spontanen Idee?
- Wozu bin ich tatsächlich bereit, und bis wann?
Gerade für vielbeschäftigte Entscheider ist das ein pragmatischer Weg, um in 15–20 Minuten zu klareren Entscheidungen zu kommen.
So führen Sie ein Coaching-Gespräch mit dem GROW-Modell – Schritt für Schritt
1. Ziel klären (Goal)
Ziel des Schritts: Ein klar definiertes, attraktives und überprüfbares Ziel.
Beispiel-Fragen:
- Was möchten Sie am Ende dieses Gesprächs erreicht haben?
- Woran merken Sie in 3 Monaten, dass sich die Situation verbessert hat?
- Was wäre ein gutes, was ein sehr gutes Ergebnis?
Praxis-Tipp: Schreiben Sie das Ziel in einem Satz auf. Das schafft Verbindlichkeit und Fokus.
2. Realität erkunden (Reality)
Ziel des Schritts: Ein gemeinsames, realistisches Bild der Ausgangslage.
Beispiel-Fragen:
- Wie sieht die Situation aktuell konkret aus?
- Was haben Sie bereits versucht? Was hat funktioniert, was nicht?
- Welche Rahmenbedingungen können Sie nicht beeinflussen?
Praxis-Tipp: Achten Sie darauf, auch Ressourcen und Stärken zu benennen, nicht nur Probleme.
3. Optionen entwickeln (Options)
Ziel des Schritts: Möglichst viele sinnvolle Handlungsoptionen sichtbar machen.
Beispiel-Fragen:
- Welche Möglichkeiten fallen Ihnen spontan ein?
- Was würden Sie tun, wenn Sie keine Angst vor Konsequenzen hätten?
- Was wäre ein erster kleiner Schritt?
Praxis-Tipp: Trennen Sie in dieser Phase strikt zwischen Ideensammlung und Bewertung.
4. Entscheidung und Plan (Will / Way forward)
Ziel des Schritts: Konkreter Aktionsplan mit klaren Commitments.
Beispiel-Fragen:
- Für welche Option entscheiden Sie sich? Warum?
- Welche konkreten Schritte gehen Sie in den nächsten 7 Tagen?
- Auf einer Skala von 1–10: Wie committed sind Sie, das umzusetzen? Was bräuchte es, um auf 9 oder 10 zu kommen?
Praxis-Tipp: Planen Sie direkt einen Follow-up-Termin zur Reflexion der Ergebnisse ein.
Typische Fehler beim Einsatz des GROW-Modells – und wie Sie sie vermeiden
Auch ein einfaches Modell kann in der Praxis verwässert werden. Häufige Stolpersteine:
- Schritte überspringen
Man will Zeit sparen und springt von einer groben Zielbeschreibung direkt zu Optionen. Ergebnis: Maßnahmen, die nicht zum tatsächlichen Problem passen.
→ Halten Sie die Reihenfolge konsequent ein, auch wenn es „eigentlich klar“ erscheint. - Ziel zu unkonkret lassen
„Bessere Zusammenarbeit im Team“ ist kein klares Ziel.
→ Fragen Sie so lange nach, bis ein beobachtbares Ergebnis beschrieben ist. - Zu viel „Beratung“ der Führungskraft
Statt Fragen zu stellen, dominiert die Führungskraft mit eigenen Ideen.
→ Setzen Sie sich eine Quote: Erst ab drei ernsthaft erkundenden Fragen bringen Sie eigene Vorschläge ein – wenn überhaupt. - Keine echte Entscheidung am Ende
Das Gespräch endet mit „Wir schauen mal“, ohne klare nächsten Schritte.
→ Fassen Sie zum Schluss immer zusammen: „Wer macht was bis wann?“ - Zu wenig Follow-up
Ein starkes Gespräch ohne Nachverfolgung verliert schnell Wirkung.
→ Planen Sie von vornherein einen kurzen Check-in (15 Minuten in 2–4 Wochen).
Grenzen des GROW-Modells – und sinnvolle Ergänzungen
So hilfreich die Vorteile des GROW Modell im Coaching sind: Es ist kein Allheilmittel.
- Tiefliegende Konflikte oder Traumata
GROW ist kein therapeutischer Ansatz. Bei persönlichen Krisen, psychischen Belastungen oder massiven Konflikten braucht es andere Formate. - Stark hierarchisch geprägte Kulturen
Wenn Mitarbeiter nicht gewohnt sind, offen zu sprechen oder eigene Ziele zu formulieren, braucht es möglicherweise zunächst Kulturarbeit und psychologische Sicherheit. - Komplexe, mehrdimensionale Veränderungsprogramme
Für große Transformationsvorhaben reicht ein reines GROW-Gespräch nicht. Hier ist GROW ein hilfreiches Element in einem größeren Change- und Kommunikationsdesign.
Sinnvolle Ergänzungen:
- Feedback-Modelle (z. B. SBI, 4-Augen-Feedback)
- Methoden zur Priorisierung (Eisenhower, Impact/Effort-Matrix)
- Teamformate wie Retrospektiven oder Entscheidungs-Workshops
GROW funktioniert in diesem Kontext als roter Faden, der Diskussionen strukturiert und auf konkrete Ergebnisse hin ausrichtet.
Umsetzung im Unternehmen: Vom Einzelgespräch zur systematischen Nutzung
Damit die Vorteile des GROW-Modells nicht beim gelegentlichen Coaching-Gespräch bleiben, lohnt sich ein systematischer Ansatz:
1. Führungskräfte und Projektleiter trainieren
Kurzschulungen zu GROW, idealerweise mit echten Fällen aus dem Unternehmensalltag. Ziel: Sicherheit im Führen von Gesprächen, nicht nur Theorie.
2. Leitfäden und Fragekarten bereitstellen
Einfache One-Pager oder digitale Templates mit typischen GROW-Fragen erleichtern den Einstieg, vor allem für weniger erfahrene Gesprächsführer.
3. In bestehende Formate integrieren
- Mitarbeiterjahresgespräche
- Entwicklungs- und Talentprogramme
- Projekt-Retrospektiven
- Eskalations- und Klärungsgespräche
4. Wirkung überprüfen
Über Feedback, Pulsbefragungen oder konkrete Kennzahlen (z. B. Fluktuation, Engagement-Werte, Projekterfolg) kann sichtbar gemacht werden, wo GROW bereits einen Unterschied macht – und wo nachgeschärft werden sollte.
So wird das GROW-Modell Schritt für Schritt Teil der Führungs- und Gesprächskultur und nicht nur ein weiteres Tool aus einem Seminar.
Fazit Vorteile des GROW Modell im Coaching: Wann sich der Einsatz des GROW-Modells für Sie lohnt
Das GROW Modell im Coaching entfaltet seinen größten Nutzen, wenn Sie:
- regelmäßig Entwicklungs-, Ziel- oder Klärungsgespräche führen
- mehr Eigenverantwortung und Lösungsorientierung im Team fördern wollen
- in Projekten oder Veränderungen schneller zu tragfähigen Entscheidungen kommen müssen
- als Führungskraft oder Projektleiter eine klare, einfache und gleichzeitig wirksame Struktur für schwierige Gespräche suchen
Durch die Kombination aus Zielklarheit, realistischer Situationsanalyse, breiter Optionenbildung und verbindlicher Planung schafft GROW einen Rahmen, der in der Praxis funktioniert – ohne komplexe Methodik, die niemand mehr im Alltag anwendet.
Wenn Sie das GROW-Modell nicht nur punktuell, sondern als festen Bestandteil Ihrer Führungs- und Projektkultur verankern möchten, lohnt sich professionelle Begleitung: etwa durch erfahrene Partner wie PURE Consultant, die Sie bei Konzeption, Training und Implementierung unterstützen und das Modell passgenau auf Ihre Organisation zuschneiden können. So wird aus einem simplen Coaching-Tool ein strategischer Hebel für bessere Führung und wirksamere Zusammenarbeit.