GROW Modell erklärt

GROW Modell erklärt – Führungsgespräche scheitern oft nicht am guten Willen, sondern an fehlender Struktur: Es wird lange diskutiert, ohne dass Ziele klar sind, Lösungswege unscharf bleiben und am Ende niemand genau weiß, was konkret passieren soll. Das GROW Modell bietet dafür einen klaren Rahmen. Es hilft Führungskräften, Projektmanagern und Fachexperten, fokussierte Gespräche zu führen, die zu umsetzbaren Entscheidungen führen – ohne komplizierte Theorie und mit hohem Praxisnutzen.
Im Folgenden wird das GROW Modell erklärt, Schritt für Schritt, inklusive Beispielen, typischen Fehlern und einer Fragen-Checkliste, die Sie direkt in Ihren nächsten Mitarbeiter- oder Projektgesprächen nutzen können.

GROW Modell erklärt
GROW Modell erklärt

Was ist das GROW Modell?

Das GROW Modell ist ein strukturiertes Coaching-Modell für lösungsorientierte Gespräche. Es teilt einen Dialog in vier aufeinanderfolgende Phasen:

Kurz gesagt: Das GROW Modell hilft, von einem diffusen Problem zu einem klaren Ziel und einem konkreten Handlungsplan zu kommen – in einem logischen, gut geführten Gespräch.


Ursprung und Anwendungsfelder des GROW Modells

Das GROW Coaching Modell geht maßgeblich auf Sir John Whitmore und Kollegen zurück, die es im Kontext von Leistungssteigerung und Coaching im Unternehmensumfeld bekannt gemacht haben. Inzwischen ist es ein Standardwerkzeug in:

Gerade für Entscheider, die wenig Zeit haben, ist das GROW Modell attraktiv: Es ist einfach zu erlernen, leicht zu merken und lässt sich in 20–60-minütige Gespräche integrieren, ohne dass Gesprächspartner „Coaching-Jargon“ beherrschen müssen.


Die vier Phasen des GROW Modells im Detail

1. G – Goal: Das Ziel klären

In der ersten Phase wird definiert, wohin die Reise gehen soll. Ziel des Gesprächs ist es, ein klar formuliertes, relevantes und realistisches Ziel zu vereinbaren.

Typische Fragen in der Goal-Phase:

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen:

Ein häufig genutztes Hilfsmittel ist die SMART-Formel (spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch, terminiert). Sie lässt sich gut mit dem GROW Modell kombinieren: Erst wird mithilfe von GROW das Gespräch geführt, dann wird das Ziel am Ende SMART geschärft.

Praxis-Tipp:
Vermeiden Sie abstrakte Ziele wie „bessere Zusammenarbeit“. Fragen Sie konsequent nach: „Woran genau würden Sie das erkennen?“ – bis aus einem allgemeinen Wunsch ein überprüfbares Ziel wird.


2. R – Reality: Die Realität verstehen

In der Reality-Phase geht es darum, die aktuelle Situation nüchtern und faktenbasiert zu erfassen. Statt vorschnell Lösungen zu diskutieren, wird zunächst klar, womit Sie es eigentlich zu tun haben.

Typische Fragen in der Reality-Phase:

Gerade in Projekten oder IT-Kontexten ist hier Raum für:

Ziel dieser Phase: Ein gemeinsames, realistisches Lagebild, das von beiden Seiten geteilt wird. Erst wenn dieses Bild ausreichend klar ist, lohnt es sich, in die Lösungsentwicklung zu gehen.


3. O – Options: Möglichkeiten entwickeln

Nun wird der Blick nach vorne gerichtet: Welche Optionen gibt es, um das Ziel zu erreichen? Die Kunst besteht darin, zunächst Breite (viele Ideen) zuzulassen und Bewertung zeitlich zu trennen.

Typische Fragen in der Options-Phase:

In dieser Phase können verschiedene Methoden unterstützend wirken:

Ziel ist nicht, die „perfekte“ Lösung zu finden, sondern reale, gangbare Optionen zu identifizieren, aus denen später bewusst gewählt wird.


4. W – Will / Way forward: Verbindlichkeit schaffen

In der letzten Phase wird aus Optionen konkretes Handeln. Es geht um Entscheidungen, Verantwortlichkeiten und nächste Schritte – inklusive klarer Terminierung.

Typische Fragen in der Will-Phase:

Am Ende dieser Phase sollten idealerweise festgehalten sein:

Hier wird das GROW Modell praktisch „geschlossen“: Vom Ziel über die Realität und die Optionen hin zu einem verbindlichen Aktionsplan.


So wenden Sie das GROW Modell im Führungsalltag an

Das GROW Modell ist bewusst einfach gehalten. Damit es im Alltag Wirkung entfaltet, braucht es dennoch ein bewusstes Vorgehen.

1. Vorbereitung des Gesprächs

2. Gesprächsführung entlang der GROW-Phasen

Eine typische 45-Minuten-Struktur könnte sein:

Wichtig:
Das GROW Modell ist ein Leitfaden, keine Zwangsjacke. Es ist völlig in Ordnung, situativ zwischen Phasen zu springen, solange Sie immer wieder zur Struktur zurückkehren.

3. Rolle der Führungskraft

Im GROW Coaching Modell ist die Führungskraft weniger „Problemlöser“, sondern eher:

Das stärkt Eigenverantwortung und fördert Problemlösungskompetenz im Team – ein zentraler Hebel für moderne, selbstorganisierte Organisationen.


Praxisbeispiel: GROW Modell in einem IT-Projekt

Ausgangslage:
Ein Projektleiter spricht mit der verantwortlichen Teamleiterin Entwicklung. Das Projekt droht den geplanten Go-Live zu verfehlen.

G – Goal

Ziel: Entscheidung, ob und wie der Go-Live-Termin gehalten werden kann, plus konkrete Maßnahmen für die nächsten 4 Wochen.

R – Reality

Das Lagebild zeigt: Mit der aktuellen Ressourcensituation ist der ursprüngliche Termin hoch riskant.

O – Options

Gemeinsam werden Optionen entwickelt:

Die Optionen werden anhand von Aufwand, Risiko und Kundenerwartung bewertet.

W – Will / Way forward

Entscheidung:

Konkrete Vereinbarungen:

Das Gespräch endet mit einem klaren Plan, transparenten Risiken und abgestimmten Erwartungen – ohne dass die Führungskraft „fertige Lösungen“ vorgegeben hat.


Typische Fehler bei der Anwendung des GROW Modells

Beim Einsatz des GROW Modells treten in der Praxis häufig wiederkehrende Stolpersteine auf:

Gegenmaßnahmen:


GROW Modell im Vergleich zu anderen Ansätzen

Das GROW Modell steht nicht im Widerspruch zu anderen Ziel- und Führungsinstrumenten, sondern ergänzt sie sinnvoll:

Der Mehrwert des GROW Modells liegt in seiner Einfachheit: Auch ohne umfangreiche Coaching-Ausbildung können Führungskräfte strukturierte, wirksame Entwicklungsgespräche führen.


Checkliste: Kraftvolle Fragen für jede GROW-Phase

Im Folgenden eine kompakte Fragen-Sammlung, die Sie direkt nutzen können.

Goal – Ziel klären

Reality – Ist-Situation verstehen

Options – Möglichkeiten entwickeln

Will / Way forward – Entscheidung und Umsetzung

Sie können diese Fragen als Leitfaden in 1:1-Gesprächen, Mitarbeiter-Jahresgesprächen, Projekt-Reviews oder Retrospektiven einsetzen.


Das GROW Modell im Unternehmen verankern

Damit das GROW Modell nicht eine „Einmal-Methode“ bleibt, ist es sinnvoll, es bewusst in Strukturen und Routinen zu integrieren.

Mögliche Schritte:

Gerade in Organisationen, die Projektarbeit, agiles Vorgehen oder Transformationen managen, bietet das GROW Modell einen stabilen Rahmen, um Komplexität dialogorientiert zu bearbeiten.


Fazit GROW Modell erklärt: Warum sich das GROW Modell für Entscheider lohnt

Wenn Sie als Entscheider, Projektmanager oder Führungskraft immer wieder mit komplexen Themen konfrontiert sind, ist das GROW Modell ein pragmatisches Werkzeug, um:

Es ist leicht zu erlernen, in nahezu jedes Gespräch integrierbar und skalierbar – vom Einzelcoaching bis zum Projekt-Review.

Wenn Sie die Anwendung solcher Methoden wie des GROW Modells unternehmensweit etablieren und mit Themen wie Projektmanagement, Change oder agilen Vorgehensmodellen verzahnen möchten, kann eine externe Begleitung sinnvoll sein. Ein erfahrener Partner wie die PURE Consultant unterstützt dabei, passende Gesprächsformate zu entwickeln, Führungskräfte zu qualifizieren und das GROW Modell so in Ihre Organisation einzubetten, dass es im Alltag auch tatsächlich gelebt wird – statt in einer Präsentation zu enden.

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