Zachman vs TOGAF – Unternehmen befinden sich in einem ständigen Wandel. Digitalisierung, neue Märkte und sich verändernde Kundenanforderungen zwingen Organisationen, ihre Strukturen und Prozesse immer wieder auf den Prüfstand zu stellen. Enterprise Architecture Management (EAM) ist dabei ein zentraler Erfolgsfaktor, denn es sorgt für Transparenz, Ausrichtung und langfristige Wettbewerbsfähigkeit. Zwei Frameworks genießen in diesem Zusammenhang seit Jahren besondere Aufmerksamkeit: das Zachman Framework und TOGAF (The Open Group Architecture Framework). Doch worin unterscheiden sich diese beiden Ansätze, welche Gemeinsamkeiten bestehen und wie kann eine effektive Kombination in der Praxis aussehen?
Grundlagen und Ursprünge der Frameworks
Was ist das Zachman Framework?
John Zachman entwickelte in den 1980er Jahren das nach ihm benannte Zachman Framework – inspiriert von Methoden aus dem Ingenieurwesen und Maschinenbau. Ziel war es immer, die Komplexität von Unternehmen transparent und strukturiert abzubilden. Im Kern steht eine 6×6-Matrix aus Fragen (Was, Wie, Wo, Wer, Wann, Warum) und Sichten (vom Planer bis zum laufenden System), wodurch eine ganzheitliche, ablauforientierte Sicht auf die Unternehmensarchitektur entsteht.
Vorteile des Zachman Frameworks:
- Hoher Ordnungsgrad durch klare Struktur,
- Förderung eines gemeinsamen Verständnisses im Unternehmen,
- Unabhängigkeit von Technologien und Lösungen,
- Vollständige Erfassung aller architekturrelevanten Aspekte.
Obwohl das Framework keine konkreten Methoden für die Umsetzung vorgibt, dient es vielen Unternehmen als zuverlässige Navigationshilfe, wenn sie ihre Architekturen erstmals abbilden und dokumentieren möchten.
Was ist TOGAF?
Im Gegensatz zu Zachman verfolgt TOGAF einen dezidiert prozessorientierten Ansatz. Das Framework ist ein umfassender Werkzeugkasten, dessen Ziel es ist, Architekten und Unternehmen durch sämtliche Phasen der Architekturentwicklung zu begleiten. Das zentrale Element von TOGAF ist das ADM (Architecture Development Method), ein iterativer Kreislauf, der Planung, Entwicklung und kontinuierliche Verbesserung miteinander verbindet.
Schlüsselaspekte von TOGAF:
- Klare Prozessbeschreibung mit Best Practices und Vorlagen,
- Integration von Business-, Applikations-, Daten- und Technologiearchitekturen,
- Hohe Praxisorientierung für die Umsetzung von EA-Projekten,
- Kontinuierliche Weiterentwicklung, um aktuellen Marktbedürfnissen gerecht zu werden.
TOGAF richtet sich vor allem an größere, international tätige Unternehmen, die nicht nur Transparenz, sondern vor allem handlungsleitende Methoden zur Verbesserung ihrer Strukturen benötigen.
Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Überblick
Die wichtigsten Gemeinsamkeiten
Beide Frameworks adressieren die bekannten Herausforderungen im Enterprise Architecture Management. Sie…
- fördern das gemeinsame Verständnis für architekturrelevante Zusammenhänge,
- schaffen Transparenz über Prozesse, Abläufe, Rollen und Verantwortlichkeiten,
- unterstützen Unternehmen dabei, ihre IT an den Geschäftszielen auszurichten.
Obwohl der Fokus variiert, dienen sie damit demselben langfristigen Ziel: dem Aufbau einer robusten und flexiblen Unternehmensarchitektur.
Die zentralen Unterschiede
Gegenüberstellung der Frameworks
| Kriterium | Zachman Framework | TOGAF |
|---|---|---|
| Ansatz | Strukturgebendes Klassifikationsschema | Prozessorientiertes Methoden-Framework |
| Fokus | Transparenz und Vollständigkeit | Umsetzung, Steuerung und Betrieb |
| Tools & Vorlagen | Keine | Umfangreiche Sammlung |
| Detailgrad | Sehr hoch, granular | Flexibel, projektabhängig |
| Weiterentwicklung | Statisch, zeitlos | Kontinuierlich, anpassbar |
| Zielgruppe | Alle Architekturebenen | Große, Transformation strebende Unternehmen |
Zielsetzung und Anwendungsfälle
Das Zachman Framework ist perfekt geeignet, wenn Unternehmen ein vollständiges, unabhängiges Architekturmodell erstellen müssen, während TOGAF Organisationen unterstützt, die Wert auf strukturierte Prozesse, Umsetzungsleitfäden und Best Practices legen. Darüber hinaus ergänzt TOGAF die methodische Lücke, die Zachman offenlässt, durch dezidierte Empfehlungen und Vorgehensweisen für die Umsetzung im Alltag.
Synergien und Kombination beider Frameworks
Die Erfahrung vieler Unternehmen zeigt, dass eine Kombination beider Ansätze erhebliche Vorteile bietet. Beispielsweise kann Zachman als „Kompass“ für die Architekturstruktur dienen, während TOGAF als „Karte“ für die praktische Umsetzung fungiert. Die Matrix von Zachman sorgt für den Überblick, wohingegen TOGAF gezielte Umsetzungsschritte vorgibt.
Praxistipps zur Kombination
Damit ein hybrider Ansatz gelingt, empfiehlt sich folgendes Vorgehen:
- Starten Sie mit Zachman, um alle Dimensionen und Stakeholder Ihres Architekturvorhabens zu erfassen.
- Nutzen Sie TOGAFs ADM, um konkrete Projekte auf Basis der Zachman-Ergebnisse umzusetzen.
- Passen Sie beide Modelle an die unternehmensspezifischen Anforderungen an, anstatt sie dogmatisch zu übernehmen.
- Schulen Sie Ihre Mitarbeiter sowohl in strukturierter Dokumentation (Zachman) als auch in methodischer Umsetzung (TOGAF).
- Nutzen Sie die unterschiedlichen Stärken gezielt – Zachman für Analyse und Planung, TOGAF für Change Management und Steuerung.
Welche Fragen sollten Unternehmen bei der Auswahl stellen?
Wichtige Auswahlkriterien im Überblick
- Was ist das Ziel?
Geht es um Transparenz und ganzheitliches Verständnis (Zachman) oder um konkrete Veränderungen und Steuerung (TOGAF)? - Wie groß und komplex ist Ihr Unternehmen?
Für kleinere Organisationen ist Zachman meist handhabbarer, während TOGAF für Großunternehmen optimiert ist. - Gibt es bereits etablierte Methoden und Strukturen?
Bauen Sie darauf auf und ergänzen Sie Schwachstellen gezielt. - Wie ausgeprägt ist das Architektur-Knowhow im Unternehmen?
TOGAF erfordert ein hohes methodisches Verständnis, bietet aber umfangreiche Schulungen und Zertifizierungen.
Unternehmen, die beide Frameworks zu schätzen wissen, können mit wenig Mehraufwand ein Zielsystem entwickeln, das sowohl umfassend als auch umsetzbar ist.
Best Practices für den erfolgreichen Einsatz
- Beginnen Sie mit einem klar definierten Ziel, das Sie jederzeit kommunizieren können.
- Schaffen Sie eine Kultur des gemeinsamen Lernens, in der Architekturarbeit als kontinuierlicher Prozess verstanden wird.
- Integrieren Sie Ergebnisse und Erfahrungen aus laufenden Projekten, um Frameworks flexibel weiterzuentwickeln.
- Holen Sie externe Expertise ins Boot, falls die eigene Ressourcen oder Kompetenzen nicht ausreichen.
Fazit: Zachman vs TOGAF – kein Entweder-oder, sondern ein Sowohl-als-auch
Die Wahl zwischen Zachman und TOGAF ist keine Entscheidung für oder gegen ein Framework. Vielmehr sollten Unternehmen die Stärken beider Ansätze nutzen, um ihre Architekturlandschaften nachhaltig und zukunftssicher zu gestalten. Während Zachman für Übersicht, Struktur und Klassifikation sorgt, liefert TOGAF die nötigen Prozesse, Methoden und Werkzeuge für die praktische Umsetzung. In Kombination entsteht ein Rahmenwerk, das Orientierung bietet, Prozesse steuert und den Wandel aktiv vorantreibt.
Indem Sie beide Frameworks gezielt einsetzen, stellen Sie die Weichen für eine moderne, wandlungsfähige Unternehmensarchitektur, die nicht nur heutigen, sondern auch zukünftigen Anforderungen gewachsen ist.