Archimate – Die verschiedenen Layer – ArchiMate hat sich als unverzichtbarer Standard für die Modellierung von Unternehmensarchitekturen etabliert. Wenn Sie Ihre Organisation ganzheitlich verstehen, planen und steuern möchten, führt kaum ein Weg an diesem Framework vorbei. Doch weshalb ist gerade die Layer-Struktur von ArchiMate ein entscheidendes Erfolgskriterium? Und wie gelingt es, von der reinen Theorie hin zu echten, praxisnahen Mehrwerten für das Architekturmanagement zu kommen?
Im folgenden Beitrag erläutere ich die einzelnen Layer, deren zentrale Elemente sowie das Zusammenspiel in der Praxis. Dabei gehen wir auch auf „Cross-Cutting Aspects“ und den ArchiMate-Metamodell-Kontext ein, sodass Sie ein Gesamtbild erhalten, mit dem Sie Ihr Architekturmanagement auf ein neues Level heben können.
Was ist ArchiMate und warum sind Layer so essenziell?
ArchiMate ist eine offene und standardisierte Modellierungssprache, die komplexe IT- und Unternehmensarchitekturen vollständig und verständlich darstellt. Durch das Layer-Prinzip gelingt die Strukturierung selbst vielschichtiger Zusammenhänge – so wird für jede Zielgruppe transparent, wie Business, IT und Technik miteinander verzahnt sind.
Die Layer von ArchiMate bestehen im Kern aus drei Hauptebenen sowie mehreren Querschnittsaspekten (Cross-Cutting Aspects) wie Motivation oder Implementierung. Indem Sie die Layer konsequent anwenden, schaffen Sie Klarheit und Nachvollziehbarkeit für Strategie, Umsetzung und Betrieb.
Die drei Hauptlayer im Überblick:
- Business Layer (Geschäftsebene) – Was tut das Unternehmen?
- Application Layer (Anwendungsebene) – Womit wird es umgesetzt?
- Technology Layer (Technologieebene) – Worauf läuft es?
Darüber hinaus ermöglicht ArchiMate, motivationalen Einfluss (z. B. Ziele, Anforderungen) sowie Change/Projekt-Aspekte (z. B. Realization, Implementation) systematisch zu modellieren. Doch konzentrieren wir uns zunächst auf die drei zentralen Ebenen.
Die Layer im Detail – Elemente, Nutzen und typische Modellierungsfragen
1. Business Layer – Die Geschäftsarchitektur verstehen
Die Business Layer stellt alle unternehmensbezogenen Prozesse, Funktionen, Akteure und Objekte in den Mittelpunkt. Sie ist häufig der Startpunkt eines Architekturmodells, da sie direkt beschreibt, wie das Unternehmen Wert für seine Kunden erzeugt. Gleichzeitig bildet diese Ebene die logische Verbindung zu Anwendungen und Technologien, weil sie deren Einsatzzweck bestimmt.
Wichtige Elemente der Business Layer:
- Business Actor: Personen oder Organisationseinheiten (z. B. Vertrieb, Kunde)
- Business Role: Konkrete Rollen wie „Kaufberater“ oder „Fachverkäufer“
- Business Process: Ketten von Aktivitäten, die Geschäftsergebnisse liefern, beispielsweise der Bestellprozess
- Business Function: Gruppierte Geschäftsaktivitäten, die spezifische Fähigkeiten widerspiegeln (wie Kundenbetreuung)
- Business Object: Informationsträger bzw. Ressourcen, z. B. Vertrag, Kundenakte
- Product: Zusammenstellung von Dienstleistungen oder Gütern für den Kunden
Beispiel: Ein Versicherungsunternehmen bildet seine Policenerstellung als Business Process ab, wobei Sachbearbeiter (Business Actor) als Prozessbeteiligte auftreten und Policendokumente als Business Object modelliert werden.
Nutzen der Business Layer:
- Transparenz, wie Strategie in Prozesse übersetzt wird
- Identifikation von Optimierungspotenzialen und Schwachstellen im Geschäftsmodell
- Klare Trennung zwischen Organisationseinheiten und ihren Aufgaben
2. Application Layer – Wie Softwareprozesse die Geschäftsziele unterstützen
Die Application Layer rückt alle beteiligten IT-Systeme, Services und deren Beziehungen zueinander in den Fokus. Moderne Organisationen sind ohne leistungsfähige Anwendungen inzwischen kaum wettbewerbsfähig. Daher ermöglicht ArchiMate hier, Softwarelandschaften und Schnittstellen gezielt zu analysieren und weiterzuentwickeln.
Kernelemente der Anwendungsebene:
- Application Component: Einzelnes Softwaresystem, z. B. ein CRM-System
- Application Service: Dienst, der eine klar abgrenzbare Funktion bereitstellt (beispielsweise Authentifizierung)
- Data Object: Datenstrukturen, die verarbeitet, gespeichert und ausgetauscht werden
- Application Interface: Verbindungsstelle zwischen Anwendungen (z. B. Web-API)
Praxisbeispiel: Für einen Bestellprozess bildet das ERP-System eine Application Component, die das Data Object „Bestellung“ verarbeitet und als Application Service einen Warenkorb-Service bereitstellt.
Wichtige Vorteile der Application Layer:
- Identifikation und Reduktion von Redundanzen in der Softwarelandschaft
- Effizientes Management von Datenschnittstellen und Integrationen
- Unterstützung von Digitalisierungsstrategie und IT-Governance durch klare Strukturen
3. Technology Layer – Die technologische Infrastruktur als Basis
Die Technology Layer zeigt, welche Hardware, Netzwerke und technischen Services die digitalen Prozesse unterstützen. Gerade in Zeiten von Cloud-Infrastruktur, hybriden Systemen und wachsender IT-Komplexität ist diese Ebene ein unverzichtbares Werkzeug für die Planung und Steuerung einer stabilen und performanten IT-Landschaft.
Zentrale Elemente der Technologieebene:
- Node: Rechner, Cloud-Instanzen oder Hosts
- Device: Hardware wie Server, Laptops, Router
- System Software: Betriebssysteme, Virtualisierer, Middleware
- Technology Service: Technische Dienstleistungen, z. B. Datenbankservice oder Netzwerkkonnektivität
Beispielhaft kann das Hosting eines Webshops auf virtuellen Servern in der Cloud als Node dargestellt werden, während der Webserver selbst als System Software existiert, die wiederum einen Technology Service (Webseiten-Bereitstellung) anbietet.
Bedeutung der Technology Layer:
- Einfache Visualisierung von Abhängigkeiten zwischen Anwendungen und Infrastruktur
- Optimierungspotenziale für Kosteneffizienz und Sicherheit werden transparent gemacht
- Die Grundlage für effizientes IT-Service-Management und Betriebssicherheit
Die Cross-Cutting Aspects – Motivation und Umsetzung verbinden alle Layer
Die Layer werden durch sogenannte „Cross-Cutting Aspects“ ergänzt. Hierzu gehören:
- Motivation: Zieldefinitionen, Anforderungen und Einflussfaktoren (beispielsweise Business Goals, Stakeholder oder Driver)
- Implementation & Migration: Realisierung, Programme und Projekte (z. B. Deliverable, Plateau)
Diese ergänzenden Sichten erlauben eine Brücke zwischen Vision, operativer Realität und Veränderungen. Nun steuern Sie sowohl das Tagesgeschäft als auch Transformationsprojekte in einer einzigen, konsistenten Modellierungssprache.
Zusammenspiel der Layer – Die eigentliche Stärke von ArchiMate
Erst das Ineinandergreifen der Layer verschafft der Modellierung praktisch nutzbaren Mehrwert. Einerseits können Sie darstellen, durch welche Anwendungen ein Geschäftsprozess gestützt wird, während andererseits die technische Umsetzung genau nachvollziehbar bleibt.
Typische Beziehungen:
- Business Process nutzt Application Service
→ Ein Geschäftsprozess wird digital unterstützt. - Application Component läuft auf Node/Device
→ Eine Anwendung wird einer konkreten technischen Ressource zugeordnet. - Data Objects wandern durch die Layer
→ Daten entstehen im Business, werden durch Anwendungen verarbeitet und letztlich auf technologischer Infrastruktur gespeichert.
Anschauliche Visualisierung:
Mit ArchiMate können Sie komplexe Architekturzusammenhänge so darstellen, dass sie von allen relevanten Gruppen verstanden werden. Dank klarer Trennung und standardisierter Beziehungen behalten Sie auch bei häufigen Veränderungen immer den Überblick.
Praktische Tipps zum Arbeiten mit den ArchiMate-Layern
Damit Sie das volle Potenzial der Layer-Struktur ausschöpfen, beachten Sie folgende Hinweise:
- Stakeholder aktiv einbeziehen: Besprechen Sie Modelle und Layer mit allen relevanten Abteilungen, um unrealistische Annahmen rechtzeitig zu erkennen.
- Modellierung vom Groben zum Feinen: Beginnen Sie mit einem Layer (oft dem Business Layer) und verfeinern Sie schrittweise die Verbindungen zu Anwendungen und Technik.
- Toolunterstützung nutzen: Moderne EA-Tools bieten Importfunktionen, Templates und Validierungen für konsistente ArchiMate-Modelle.
- Change Management abbilden: Kommunizieren Sie Veränderungen und geplante Projekte transparent in Zusammenhang mit den Layern.
Fazit Archimate – Die verschiedenen Layer: Schicht für Schicht zur erfolgreichen Unternehmensarchitektur
Die Layer-Struktur von ArchiMate ist weitaus mehr als Theorie: Sie befähigt Unternehmen, hochgradig komplexe Architekturinformationen verständlich, flexibel und zielgruppenorientiert zu managen. Damit heben Sie die Zusammenarbeit zwischen Business, IT und Technik auf ein neues Niveau. Nutzen Sie ArchiMate aktiv, um Transparenz, Effizienz und Steuerungsfähigkeit in Ihrer Organisation nachhaltig zu steigern.