Fishbowl moderieren: Eine Anleitung

Fishbowl moderieren: Eine Anleitung – Fishbowl-Diskussionen sind ein kraftvolles Format, wenn Gruppen strukturiert, lebendig und zugleich fokussiert miteinander ins Gespräch kommen sollen. Damit dieses Format seine volle Wirkung entfaltet, braucht es jedoch eine gute Vorbereitung und eine souveräne Moderation. In diesem Artikel erfahren Sie Schritt für Schritt, wie Sie eine Fishbowl professionell moderieren, welche Stolperfallen es gibt und wie Sie sie vermeiden.

Fishbowl moderieren: Eine Anleitung
Fishbowl moderieren: Eine Anleitung

1. Was ist eine Fishbowl-Diskussion?

Eine Fishbowl ist ein Diskussionsformat, bei dem ein innerer Kreis von Personen („im Goldfischglas“) aktiv diskutiert, während ein äußerer Kreis zunächst zuhört. Zwischen beiden Kreisen gibt es eine klare Trennung, aber es besteht die Möglichkeit, vom äußeren in den inneren Kreis zu wechseln.

Typische Merkmale:

Die Fishbowl eignet sich besonders, wenn viele Menschen beteiligt sind und trotzdem ein echtes Gespräch auf Augenhöhe möglich sein soll.


2. Wann eignet sich eine Fishbowl?

Damit Sie das Format gezielt einsetzen, lohnt sich ein Blick auf typische Einsatzszenarien. Eine Fishbowl ist sinnvoll, wenn Sie:

Weniger geeignet ist die Fishbowl, wenn:


3. Die Rolle der Moderation in der Fishbowl

Als Moderator:in halten Sie den Rahmen, führen durch den Prozess und sorgen dafür, dass alle Beteiligten sicher und gehört durch die Diskussion gehen. Ihre Aufgaben lassen sich grob in drei Phasen gliedern:

  1. Vorbereitung – Ziel, Rahmen, Setting und Leitfragen klären
  2. Durchführung – Struktur erklären, Dynamik steuern, Zeit im Blick behalten
  3. Nachbereitung – Ergebnisse sichern und Rückblick gestalten

Sie sind dabei nicht inhaltliche Hauptperson, sondern Prozessverantwortliche:r. Sie halten sich inhaltlich eher zurück, aber greifen steuernd ein, wenn der Rahmen bröckelt oder einzelne dominieren.


4. Vorbereitung einer Fishbowl

Eine gute Vorbereitung entscheidet darüber, ob die Fishbowl lebendig und zugleich fokussiert verläuft. Gehen Sie systematisch vor.

4.1 Ziel und Leitfrage klären

Formulieren Sie zunächst klar, wozu Sie die Fishbowl einsetzen. Fragen Sie sich:

Beispiele für Leitfragen:

Eine prägnante, offene Leitfrage fokussiert die Diskussion und macht die Einladung attraktiv.

4.2 Teilnehmende und Rollen festlegen

Überlegen Sie, wie der innere Kreis zunächst besetzt werden soll:

Definieren Sie außerdem:

4.3 Raum, Setting und Material

Damit das Setting die Gesprächskultur unterstützt, beachten Sie:

Ein bewusst gestalteter Raum signalisiert: Diese Diskussion ist wichtig und ernst gemeint.

4.4 Regeln und Ablauf definieren

Legen Sie vorab klare, einfache Regeln fest, etwa:

Definieren Sie außerdem einen groben Zeitplan, z. B.:

  1. Einstieg und Erklärung: 10–15 Minuten
  2. Hauptdiskussion: 45–60 Minuten
  3. Ausstieg und Auswertung: 15–20 Minuten

5. Durchführung: Fishbowl moderieren Schritt für Schritt

5.1 Ankommen und Einstieg

Zu Beginn schaffen Sie Orientierung und Sicherheit. Gehen Sie in etwa so vor:

  1. Begrüßung
    • Stellen Sie sich kurz vor.
    • Benennen Sie das Thema und den Anlass.
  2. Ziel und Leitfrage erklären
    • Formulieren Sie kompakt, worum es geht und was die Gruppe am Ende erreicht haben soll.
  3. Format vorstellen
    • Erklären Sie das Fishbowl-Setting anschaulich: innerer Kreis, äußerer Kreis, freier Stuhl, Wechselregeln.
  4. Regeln visualisieren
    • Hängen Sie Regeln und Leitfrage sichtbar auf, damit sich alle orientieren können.

Nutzen Sie zu Beginn einfache Fragen ans Plenum, um die Gruppe emotional abzuholen, zum Beispiel:

So steigt die Aufmerksamkeit, und die Hemmschwelle sinkt.

5.2 Erste Runde im inneren Kreis

Besetzen Sie den inneren Kreis bewusst:

Nach den ersten Statements können Sie als Moderator:in eine verbindende Brücke schlagen, etwa:

„Wir haben jetzt drei spannende Blickwinkel gehört: die Sicht aus der Geschäftsführung, die Perspektive der Mitarbeitenden und den technologischen Aspekt. Lassen Sie uns das nun gemeinsam weiterdenken.“

5.3 Wechsel zwischen innerem und äußerem Kreis steuern

Damit die Dynamik lebendig bleibt, erklären Sie sehr klar, wie der Wechsel funktioniert:

Als Moderator:in beobachten Sie:

Gegebenenfalls regeln Sie nach:

So fördern Sie Vielfalt in der Diskussion und geben stilleren Personen Raum.

5.4 Gesprächsfluss moderieren

Auch wenn der innere Kreis weitgehend selbstorganisiert diskutiert, behalten Sie als Moderator:in die Regie über den Prozess. Sie:

Hilfreiche Moderationssätze:

5.5 Zeitmanagement und Zwischenauswertungen

Damit die Gruppe nicht das Gefühl verliert, dass es „irgendwie weitergeht“, setzen Sie klare Zeitmarker:

Kurze Zwischenreflexionen helfen, die Diskussion zu fokussieren und die Aufmerksamkeit hochzuhalten.

5.6 Ausstieg und Transfer sichern

Zum Ende der Fishbowl führen Sie die Teilnehmenden wieder aus der Diskussionsdynamik heraus und in einen gemeinsamen Blick nach vorn.

Möglicher Ablauf:

  1. Letzte Runde im inneren Kreis
    • Fragen Sie die Personen im inneren Kreis nach einem kurzen Abschlussstatement:
      • „Was nehmen Sie aus der Diskussion mit?“
  2. Resonanz aus dem äußeren Kreis
    • Bitten Sie 2–3 Personen aus dem äußeren Kreis um kurze Eindrücke.
  3. Gemeinsame Ergebnissicherung
    • Sammeln Sie auf einem Flipchart zentrale Erkenntnisse, offene Fragen und mögliche nächste Schritte.
  4. Abschluss durch die Moderation
    • Ziehen Sie ein kurzes Fazit, bedanken Sie sich und verweisen Sie auf das weitere Vorgehen.

So endet die Fishbowl nicht im „Nichts“, sondern mündet in konkrete Erkenntnisse und ggf. Folgeprozesse.


6. Moderationstechniken für eine starke Fishbowl

6.1 Gute Fragen stellen

Die Qualität der Fragen prägt die Qualität der Diskussion. Achten Sie darauf, dass Ihre Fragen:

Beispielhafte Fragen:

6.2 Umgang mit dominanten Personen

In fast jeder Gruppe gibt es Teilnehmende, die viel Raum einnehmen. Statt sie bloßzustellen, können Sie höflich und klar steuern:

Wenn nötig, sprechen Sie die Person in einer Pause direkt an – wertschätzend, aber eindeutig.

6.3 Umgang mit Schweigen

Manchmal bleibt der freie Stuhl leer, und der innere Kreis spricht kaum. Dann helfen:

Schweigen ist nicht automatisch ein Problem, denn es kann auch ein Moment des Nachdenkens sein. Wichtig ist, dass Sie es bewusst wahrnehmen und gegebenenfalls behutsam intervenieren.

6.4 Umgang mit Emotionen und Konflikten

Gerade bei kontroversen Themen werden Emotionen sichtbar. Sie sind nicht „störend“, sondern Ausdruck von Betroffenheit. Ihre Aufgabe besteht darin, den Rahmen zu halten:

So bleibt der Raum offen und zugleich sicher.


7. Varianten der Fishbowl

Je nach Ziel und Rahmen können Sie mit Varianten arbeiten.

7.1 Geschlossene Fishbowl

Beim geschlossenen Format:

Das eignet sich, wenn Sie beispielsweise eine Expertenrunde haben und die übrigen nur zuhören sollen. Für Partizipation ist es jedoch weniger geeignet.

7.2 Offene Fishbowl (mit leerem Stuhl)

Dies ist die häufigste Variante:

Die offene Fishbowl fördert Beteiligung und ermöglicht eine hohe Dynamik.

7.3 „Double Fishbowl“

Hier stehen zwei innere Kreise zur Verfügung, z. B.:

Die Gruppe im äußeren Kreis beobachtet, wie die beiden inneren Kreise nacheinander diskutieren, oder sie rotiert zwischen den Kreisen. Diese Variante eignet sich bei kontroversen Themen, allerdings steigt die Komplexität der Moderation.


8. Typische Fehler – und wie Sie sie vermeiden

Damit Ihre Fishbowl fachkundig wirkt und bei den Teilnehmenden in guter Erinnerung bleibt, achten Sie auf diese Stolperfallen:

  1. Unklare Zielsetzung
    • Problem: Die Diskussion verläuft diffus, Ergebnisse bleiben unkonkret.
    • Lösung: Ziel und Leitfrage im Vorfeld präzise klären und kommunizieren.
  2. Zu wenig Erklärung des Formats
    • Problem: Teilnehmende trauen sich nicht, den freien Stuhl zu nutzen.
    • Lösung: Format anschaulich erklären, Beispiel bringen, ggf. erste Person aktiv einladen.
  3. Dominanz einzelner Stimmen
    • Problem: Einige bestimmen das Gespräch, andere ziehen sich zurück.
    • Lösung: Redeanteile bewusst beobachten, aktiv Raum für leise Stimmen öffnen.
  4. Zu wenig Zeit für Auswertung
    • Problem: Erkenntnisse versanden, weil es keinen Transfer gibt.
    • Lösung: Zeit für Abschlussrunde und Ergebnissicherung fest einplanen.
  5. Überfrachtete Leitfrage
    • Problem: Die Diskussion springt zwischen zu vielen Themen hin und her.
    • Lösung: Frage fokussieren oder ggf. in zwei Runden mit unterschiedlichen Schwerpunkten arbeiten.

9. Praktische Checkliste für Ihre nächste Fishbowl

Zum Schluss eine kompakte Checkliste, die Sie vor Ihrer Moderation durchgehen können:

Vor der Fishbowl

Während der Fishbowl

Nach der Fishbowl


10. Fazit Fishbowl moderieren: Eine Anleitung: Fishbowl als kraftvolles Dialogformat

Richtig moderiert, ist die Fishbowl ein Format, das viel mehr leistet als eine klassische Podiumsdiskussion. Sie verbindet Struktur mit Offenheit, Hierarchie mit Augenhöhe und Zuhören mit aktiver Beteiligung. Wenn Sie Ziele und Leitfragen klar definieren, die Regeln verständlich vermitteln und den Prozess aufmerksam begleiten, schaffen Sie einen Raum, in dem Menschen sich zeigen, einander zuhören und gemeinsam denken können.

Mit der Zeit entwickeln Sie ein eigenes Gespür dafür, wann es sinnvoll ist, stärker zu strukturieren, und wann Sie die Dynamik laufen lassen können. Genau darin liegt die Kunst der professionellen Fishbowl-Moderation.

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