Fishbowl Methode im Workshop

Fishbowl Methode im Workshop – Die Fishbowl-Methode hat sich in den letzten Jahren zu einem der beliebtesten Formate entwickelt, wenn Gruppen komplexe Themen diskutieren, unterschiedliche Perspektiven hören und gleichzeitig alle einbinden möchten. Obwohl das Setting simpel wirkt, steckt viel Feinheit in der guten Vorbereitung und Moderation, damit das Format seine volle Wirkung entfalten kann.

Im folgenden Fachartikel erfahren Sie, wie die Fishbowl-Methode funktioniert, wofür sie sich eignet, welche Varianten es gibt und wie Sie Schritt für Schritt einen professionellen Fishbowl-Workshop planen und durchführen.

Fishbowl Methode im Workshop
Fishbowl Methode im Workshop

Was ist die Fishbowl-Methode?

Die Fishbowl-Methode ist ein moderiertes Diskussionsformat, bei dem ein kleiner Kreis von Personen im Mittelpunkt sitzt und diskutiert, während eine größere Gruppe außen herum zuhört. Die innere Runde bildet sozusagen das „Aquarium“ – daher der Name „Fishbowl“.

Charakteristisch ist, dass Personen aus dem Außenkreis relativ leicht in den Innenkreis wechseln können, sodass unterschiedliche Stimmen zu Wort kommen und gleichzeitig Struktur erhalten bleibt.

Typische Merkmale sind:

Dadurch verbindet die Fishbowl-Methode Offenheit und Struktur: Viele können sich einbringen, und dennoch bleibt die Diskussion fokussiert und gut moderierbar.


Ziele und Einsatzbereiche der Fishbowl-Methode

Bevor Sie sich für eine Fishbowl entscheiden, lohnt sich ein Blick auf die strategische Frage: Wozu setzen wir dieses Format ein und was soll am Ende erreicht sein?

Die Methode eignet sich besonders gut, wenn Sie:

Typische Einsatzszenarien sind zum Beispiel:

Wenn Sie einen Workshop planen, in dem Diskussion, Beteiligung und Zuhören gleichermaßen wichtig sind, liegt die Fishbowl-Methode meistens sehr nahe.


Die Grundstruktur eines Fishbowl-Workshops

Damit ein Fishbowl gut funktioniert, brauchen Sie nicht nur eine Idee, sondern auch eine klare Dramaturgie. Im Kern besteht das Format aus vier Phasen, die Sie je nach Anlass anpassen können.

1. Einstieg und Rahmen setzen

Zu Beginn sorgen Sie für Orientierung, denn Klarheit am Anfang verhindert viele spätere Missverständnisse.

Wichtige Elemente:

Je präziser Sie hier erklären, desto entspannter können sich die Teilnehmenden auf den Inhalt konzentrieren.

2. Erste Diskussionsrunde im Innenkreis

Zu Beginn setzen Sie in der Regel einen kleinen Startimpuls. Dieser kann aus einem kurzen Input, einer Leitfrage oder einer provokanten These bestehen. Anschließend beginnt die Diskussion im Innenkreis.

Mögliche Leitfragen:

Als Moderatorin oder Moderator achten Sie darauf, dass:

3. Öffnung für den Außenkreis

Nach einer ersten Phase laden Sie explizit dazu ein, dass Personen aus dem Außenkreis auf dem freien Stuhl Platz nehmen. Dieser Übergang ist ein sensibler Moment, weil hier deutlich wird, ob sich die Gruppe tatsächlich eingeladen fühlt.

Sie können den Wechsel erleichtern, indem Sie:

Wenn diese Phase gut gelingt, entsteht ein flüssiger Wechsel zwischen Zuhören und Sprechen, und viele erleben, dass ihre Stimme im Plenum Gewicht bekommt.

4. Auswertung und Transfer

Am Ende der Fishbowl-Diskussion geht es nicht nur darum, dass „viel gesagt wurde“, sondern vor allem darum, was die Gruppe daraus macht.

Sie sollten deshalb unbedingt Zeit für eine Auswertungsphase einplanen, in der Sie:

Hier bietet sich häufig ein Wechsel des Formats an, beispielsweise:


Varianten der Fishbowl-Methode

Die Grundidee bleibt gleich, doch die konkrete Ausgestaltung können Sie variieren. Es lohnt sich, bewusst zu wählen, weil unterschiedliche Varianten unterschiedliche Dynamiken erzeugen.

1. Offene Fishbowl

Bei der offenen Fishbowl bleibt mindestens ein Stuhl im Innenkreis frei. Jede Person aus dem Publikum kann jederzeit in die Diskussion einsteigen, indem sie sich auf diesen Stuhl setzt. Wenn alle Stühle belegt sind, muss jemand aus dem Innenkreis aufstehen, damit Platz frei wird.

Vorteile:

Herausforderungen:

2. Geschlossene Fishbowl

Bei der geschlossenen Variante bleibt der Innenkreis während einer ganzen Runde stabil. Die Außenstehenden hören zu und notieren sich Fragen oder Impulse. Erst nach einer definierten Zeit öffnet sich der Kreis für neue Personen.

Vorteile:

Herausforderungen:

3. Rotierende Fishbowl

Hier vereinbaren Sie feste Zeitintervalle, nach denen eine oder mehrere Personen aus dem Innenkreis verpflichtend durch neue Teilnehmende ersetzt werden. Die Rotation kann zufällig oder geplant erfolgen.

Vorteile:

Herausforderungen:


Vorbereitung: So planen Sie Ihren Fishbowl-Workshop

Eine starke Fishbowl steht und fällt mit der Vorbereitung. Viele Moderatorinnen und Moderatoren denken zwar an Stühle und Zeitplan, aber sie vergessen, wie wichtig Klarheit im Zielbild und in den Erwartungen ist.

Klare Ziele und Leitfragen definieren

Formulieren Sie zunächst, was genau am Ende anders sein soll als zu Beginn. Daraus leiten Sie dann die Leitfragen ab.

Mögliche Zielsetzungen:

Leitfragen sollten:

Zusammensetzung des Innenkreises planen

Überlegen Sie sich sorgfältig, wer zu Beginn im Innenkreis sitzt. Diese Personen prägen den Start der Diskussion besonders stark, und sie setzen oft auch den Ton in Bezug auf Offenheit, Tiefe und Umgangsformen.

Achten Sie auf:

Wenn Sie gezielt Menschen ansprechen und kurz im Vorfeld einbinden, erhöhen Sie die Wahrscheinlichkeit, dass der Einstieg sicher und zugleich authentisch wirkt.

Raum, Setting und Technik

Auch das Setting trägt erheblich dazu bei, wie sich die Diskussion anfühlt. Achten Sie daher auf folgende Punkte:


Moderation: Werkzeuge für eine starke Fishbowl

Die Qualität der Moderation entscheidet maßgeblich darüber, ob die Fishbowl-Methode als bereichernd oder als anstrengend erlebt wird. Professionelle Moderation ist dabei weder autoritär noch beliebig, sondern klar, wertschätzend und gleichzeitig fokussiert.

Rolle der Moderation klären

Zu Beginn sollten Sie deutlich sagen, wie aktiv Sie moderieren werden. Möglich sind unterschiedliche Rollenverständnisse:

Wichtig ist, dass Sie konsistent bleiben, damit Teilnehmende wissen, worauf sie sich einstellen können.

Gute Fragen stellen

Fragen sind das wichtigste Werkzeug in der Fishbowl-Moderation, weil sie Perspektiven öffnen und den Fokus halten. Nutzen Sie zum Beispiel:

Vermeiden Sie suggestive Fragen, die eher eine Meinung transportieren als echtes Interesse signalisieren.

Redeanteile und Dynamik steuern

Damit nicht einzelne Personen dominieren, brauchen Sie klare, aber respektvolle Interventionen. Sie können zum Beispiel:

Eine gute Moderation wirkt nie belehrend, sondern baut Brücken und schafft Sicherheit, ohne die Lebendigkeit zu unterdrücken.


Typische Stolperfallen – und wie Sie sie vermeiden

Selbst erfahrene Moderatorinnen und Moderatoren laufen bei der Fishbowl-Methode immer wieder in ähnliche Fallen. Wenn Sie diese kennen, können Sie frühzeitig gegensteuern.

1. Unklare Ziele

Wenn die Gruppe nicht weiß, wozu sie diskutiert, entsteht zwar Redezeit, aber es entsteht wenig Wirkung. Erklären Sie deshalb immer wieder, worauf die Diskussion hinauslaufen soll, und verknüpfen Sie Zwischenergebnisse mit dem übergeordneten Ziel.

2. Dominante Stimmen

Manche Menschen reden gern und viel, sodass andere schlicht nicht mehr zum Zug kommen. Hier helfen:

3. Fehlende Auswertung

Viele Workshops enden mit dem Satz „Danke für die lebendige Diskussion“, aber sie bleiben dann ohne klare Ergebnisse. Planen Sie die Auswertung von Anfang an mit ein, und sorgen Sie dafür, dass am Ende alle wissen, was mit den Ergebnissen passiert.

4. Angst vor dem leeren Stuhl

Gerade bei offenen Fishbowls kommt es vor, dass sich zunächst niemand traut, den freien Platz zu nutzen. In diesem Fall können Sie:


Praktische Tipps für eine hohe Beteiligung

Wenn Sie möchten, dass viele teilnehmen und die Qualität der Beiträge hoch bleibt, lohnt sich eine Kombination aus guter Struktur und aktivierender Gestaltung.

Vorbereitende Aufgaben vergeben

Sie können bereits im Vorfeld kleine Aufgaben verteilen, damit die Teilnehmenden mit konkreten Beobachtungen oder Fragen in den Workshop kommen, zum Beispiel:

Dadurch entsteht von Beginn an ein höherer inhaltlicher Fokus, und die Beiträge wirken oft fundierter.

Beobachterrollen nutzen

Nicht jede Person möchte sofort im Innenkreis sitzen, aber viele beobachten aufmerksam und reflektiert. Sie können daher einzelne Teilnehmende bewusst als Beobachter benennen, die später ihre Sicht beitragen:

Damit werten Sie auch das aufmerksame Zuhören auf, und Sie zeigen, dass Beobachten genauso wertvoll sein kann wie Reden.

Visualisierung konsequent einsetzen

Viele Fishbowls bleiben rein mündlich, sodass gute Gedanken schnell wieder verschwinden. Nutzen Sie daher:

So schaffen Sie gemeinsam ein sichtbares „Ergebnisbild“, auf das sich alle beziehen können.


Fazit Fishbowl Methode im Workshop: Warum sich die Fishbowl-Methode in Workshops lohnt

Die Fishbowl-Methode bietet eine beeindruckende Kombination aus Struktur und Offenheit, wenn Sie sie bewusst planen und klar moderieren. Sie ermöglicht intensive Diskussionen, lässt viele Stimmen zu Wort kommen und sorgt dafür, dass nicht nur die Lautesten gehört werden.

Wenn Sie klare Ziele formulieren, das Setting mit Bedacht wählen, die Leitfragen gut vorbereiten und die Diskussion professionell begleiten, dann erleben die Teilnehmenden die Fishbowl nicht nur als spannendes Format, sondern als starken, verbindenden Dialograum. Und gerade dann steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass aus der Diskussion tatsächlich tragfähige Entscheidungen, neue Einsichten und konkrete nächste Schritte entstehen.

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