DSGVO & ISO 27001 – Stellen Sie sich vor: Ein mittelständisches Unternehmen steht vor der Aufgabe, die Kundendaten noch besser zu schützen. Die Geschäftsleitung hört immer häufiger zwei Begriffe: DSGVO und ISO 27001. Die Sorge – und manchmal auch der Respekt – vor Datenschutz und IT-Sicherheit steigt. Im Führungsteam herrscht Unsicherheit: „Brauchen wir beides? Was ist eigentlich der Unterschied? Und wie greifen die beiden Themen ineinander?“
Dieser Blogartikel nimmt Sie mit auf eine kurze Reise durch die Herausforderungen, Missverständnisse und Erfolge beim Zusammenspiel von DSGVO und ISO 27001.
Was ist eigentlich die DSGVO?
Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) ist eine EU-weite Verordnung, die seit Mai 2018 den Schutz personenbezogener Daten regelt. Sie sorgt dafür, dass Unternehmen den Umgang mit Daten strukturiert und nachvollziehbar gestalten. Gerade in der digitalen Arbeitswelt ist der Datenschutz zu einer grundlegenden Bedingung für das Vertrauen von Kunden, Partnern und Mitarbeitenden geworden.
Kerngedanken der DSGVO:
- Schutz der Privatsphäre des Einzelnen
- Rechtmäßigkeit und Transparenz bei der Datenverarbeitung
- Datensparsamkeit und Zweckbindung
- Starke Betroffenenrechte (Auskunft, Löschung, Widerruf der Einwilligung, Datenübertragbarkeit)
- Nachweisbare technische und organisatorische Schutzmaßnahmen
Was ist ISO 27001?
ISO 27001 ist ein international etablierter Standard, der von der International Organization for Standardization entwickelt wurde. Ziel ist es, Organisationen jeder Größe und Branche ein Werkzeug an die Hand zu geben, um alle Arten von Informationen systematisch zu schützen.
Kerninhalte der ISO 27001:
- Einführung eines Informationssicherheits-Managementsystems (ISMS)
- Klare Prozesse für Identifikation und Bewertung von Risiken
- Konkrete technische und organisatorische Schutzmaßnahmen („Controls“)
- Messbarkeit und kontinuierliche Verbesserung durch regelmäßige Audits
- Möglichkeit der unabhängigen Zertifizierung durch externe Auditoren
Gemeinsamkeiten zwischen DSGVO und ISO 27001
Wieder zurück in unserem Unternehmen: Die IT-Leitung erkennt schnell – beide Regelwerke haben erstaunlich viele Überschneidungen:
1. Schutz von Informationen als Ziel
Beide Systeme verfolgen das übergeordnete Ziel, Informationen – insbesondere personenbezogene Daten – vor Verlust, Missbrauch und Angriffen zu schützen.
2. Risiko- und Maßnahmenorientierung
Sowohl DSGVO wie ISO 27001 setzen auf Risikoanalysen und erfordern, dass Maßnahmen zur Datensicherheit dem tatsächlichen Risiko angepasst werden.
3. Dokumentation und Nachweisbarkeit
Ob Datenschutz oder Informationssicherheit: Es gilt, Prozesse und Schutzmaßnahmen lückenlos zu dokumentieren und auf Anfrage nachzuweisen.
4. Verantwortungsprinzip & Sensibilisierung
Beide Regelwerke sehen vor, dass die Geschäftsleitung Verantwortung übernimmt und Mitarbeitende regelmäßig sensibilisiert und trainiert werden.
5. Kontinuierliche Weiterentwicklung
Regelmäßige Überprüfung, Evaluation und Anpassung der Maßnahmen an technische und rechtliche Entwicklungen.
Beispiel aus der Unternehmenspraxis
Das Unternehmen stellt fest: Viele Aufgaben überschneiden sich. Die Erstellung eines Verzeichnisses von Verarbeitungstätigkeiten (DSGVO) hilft, die Informationsflüsse zu verstehen – eine Grundvoraussetzung für das Risikomanagement nach ISO 27001. Schulungen zum Datenschutz lassen sich effizient mit Awareness-Trainings für Informationssicherheit verbinden. Gemeinsam entsteht eine gelebte Sicherheitskultur.
Die wichtigsten Unterschiede zwischen DSGVO und ISO 27001
Trotz vieler Parallelen gibt es zentrale Unterschiede, die Sie kennen sollten:
1. Rechtlicher Rahmen vs. freiwilliger Standard
- DSGVO: Gesetzlich vorgeschrieben und mit Bußgeldern bewehrt.
- ISO 27001: Freiwilliger Standard, wird aber oft im Rahmen von Lieferantenbeziehungen oder im internationalen Wettbewerb gefordert.
2. Fokus der Anforderungen
- DSGVO: Strikt auf den Schutz personenbezogener Daten ausgerichtet.
- ISO 27001: Betrachtet ALLE unternehmenskritischen Informationen (auch Geschäftsgeheimnisse, Vertragsdaten, technische Pläne etc.).
3. Umfang und Umsetzungstiefe
- Die DSGVO regelt Grundprinzipien und gibt einen Handlungsrahmen vor.
- ISO 27001 liefert eine strukturierte, messbare Methodik und einen Katalog an konkreten Schutzmaßnahmen.
4. Zertifizierung
- Die DSGVO kennt keine offizielle Zertifizierung.
- ISO 27001 kann von akkreditierten Stellen zertifiziert werden und dient als internationaler Vertrauensnachweis.
Wie DSGVO und ISO 27001 zusammenspielen – Synergien optimal nutzen
Das Unternehmen entscheidet sich für ein Gemeinschaftsprojekt: Datenschutz und Informationssicherheit werden gemeinsam gedacht. Das Ergebnis: Effiziente Abläufe, weniger Doppelarbeiten, volle Transparenz und ein klarer Wettbewerbsvorteil.
So gehen Sie in der Praxis vor:
- Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten erstellen: Grundlegend für die DSGVO und Basis für die Risikoanalyse in ISO 27001.
- Risikoanalyse und Maßnahmenplanung: Identifizierung der größten Risiken und Definition von passenden technischen und organisatorischen Kontrollen.
- Implementierung und Dokumentation: Alle Maßnahmen werden sorgfältig dokumentiert – so wird bereits viel für die Nachweispflichten der DSGVO getan.
- Regelmäßige Schulungen und Sensibilisierung: Mitarbeitende sind das zentrale Glied in der Sicherheitskette. Kombinierte Trainings sparen Zeit und sorgen für einheitliches Verständnis.
- Lücken schliessen: Wo die DSGVO oder ISO 27001 Einzelaspekte nicht abdecken, ergänzen sich beide Frameworks gegenseitig.
Detaillierte Übersicht: Welche ISO 27001 Controls helfen bei der DSGVO?
| ISO 27001 Control | Relevanz für die DSGVO |
|---|---|
| Zugangs- und Zugriffskontrolle | Schutz personenbezogener Daten vor unberechtigtem Zugriff |
| Verschlüsselung | Sicherstellung der Vertraulichkeit sensibler Daten |
| Data Loss Prevention (DLP) | Vermeidung von Datenabfluss und Datenverlust |
| Notfallmanagement und Backups | Verfügbarkeit und Wiederherstellbarkeit |
| Protokollierung und Monitoring | Nachvollziehbarkeit, Reaktionsfähigkeit bei Vorfällen |
| Schulungen / Awarenessprogramme | Sensibilisierung im Umgang mit personenbezogenen Daten |
Herausforderungen und Tipps für die Einführung im Unternehmen
Herausforderungen:
- Vielfach herrschen Unsicherheiten, wie die beiden Regelwerke gemeinsam operationalisiert werden können.
- Ressourcenengpässe: Gerade kleine Unternehmen scheuen Aufwand und Kosten.
- Komplexität bei der Integration bestehender Prozesse.
Tipps für eine erfolgreiche Umsetzung:
- Holen Sie frühzeitig Stakeholder aus Datenschutz, IT und Geschäftsleitung an einen Tisch.
- Erstellen Sie ein gemeinsames Maßnahmenpaket und vermeiden Sie Insellösungen.
- Setzen Sie auf skalierbare, modulare Tools und Prozesse.
- Überwachen Sie kontinuierlich die Einhaltung, z. B. durch interne Audits und Management-Reviews.
- Binden Sie externe Experten ein, um blinde Flecken zu erkennen und Best Practices zu übernehmen.
Wert für Geschäftsführung, Mitarbeitende und Kunden
Geschäftsführung:
Ganzheitliche Transparenz, weniger Haftungsrisiken, gestärktes Unternehmensimage im Markt.
Mitarbeitende:
Klare Prozesse, weniger Unsicherheit, gesteigerte Bereitschaft zum Mitdenken beim Datenschutz und der Informationssicherheit.
Kunden & Geschäftspartner:
Vertrauen, dass mit ihren Daten verantwortungsvoll umgegangen wird. Ein zertifiziertes ISMS ist häufig ein Schlüssel für neue Geschäftsbeziehungen, insbesondere mit internationalen Playern.
Fazit: DSGVO & ISO 27001 – Zwei Säulen – eine sichere Zukunft
Wer die Synergien zwischen DSGVO und ISO 27001 nutzt, investiert nachhaltig in einen belastbaren, gesetzeskonformen und wettbewerbsfähigen Schutz sensibler Daten und Informationen. Die systematische Kombination hilft nicht nur dabei, regulatorische Vorgaben zu erfüllen – sie bietet echten Mehrwert in puncto Effizienz, Transparenz und Vertrauen.
Ihr Weg zu mehr Sicherheit beginnt jetzt:
Nutzen Sie die Potenziale beider Regelwerke als Baustein für eine zukunftsfähige Unternehmensstrategie und zeigen Sie, dass Datenschutz und Informationssicherheit mehr sind als Pflicht – sie sind Chance und Wettbewerbsvorteil zugleich.
Checkliste: In 6 Schritten zur DSGVO-konformen Informationssicherheit
- Bestandsaufnahme: Welche Daten werden verarbeitet? Wo liegen Risiken?
- Verantwortlichkeiten definieren: Datenschutz- & Informationssicherheitsbeauftragte klar benennen.
- Maßnahmen bündeln: Gemeinsame Projekte für Datenschutz & Informationssicherheit starten.
- Dokumentieren & nachweisen: Prozesse laufend festhalten, Nachweise aktuell halten.
- Schulungen durchführen: Themen regelmäßig vermitteln, Awareness schaffen.
- Fortlaufend verbessern: Prozesse evaluieren, anpassen und auf Audits vorbereiten.
Mit Weitblick, Struktur und Teamwork legen Sie den Grundstein für stabile Sicherheit – heute und in Zukunft.